verzeihe mir Gott…


Gespräch mit Gott am Ende eines bewegten Jahres:

Verzeih mir Gott, wenn Zweifel sich regen
wenn Tat und Wahrheit sich mir widerlegen
wenn ich Traditionen
uralte Religionen
kritisch betrachte des Inhaltes wegen

Verzeihe mir Gott, wenn ich ihn sprenge
den Rahmen so vieler Zwänge
Menschen Gedanken
der Mächtigen Schranken
und mich befreie aus ihrer Enge

 Verzeih mir Gott, wenn ich es wage
und stell selbst den Glauben in Frage
wenn’s einer nicht kann
zu glauben, was dann?
Bist du nicht ein Gott voller Gnade?

Verzeihe mir Gott, wenn ich dich lasse
zu sein der du bist, den ich nicht fasse
in Raum und Zeit
und Ewigkeit
sind wir nur Teil deiner Grösse

Verzeihe mir Gott, wenn ich betrachte
der Menschen Wege, und wenn ich sie achte
gross ist die Welt
und du, der sie hält
und jeden von uns zum Leben erdachte

Verzeihe mir Gott, wenn ich glaube
wenn ich der Hoffnung erlaube
dass du deine Hände
jedem am Ende
reichst, dass er immerdar bleibe

 

 

Ich hatte einen Traum

Ich hatte einen Traum
aus längst vergangen Tagen
jemand ausser Zeit und Raum
wollte mir was sagen:

Wir trafen uns im Treppenhaus
so wie damals
wie es oft geschah
sein Angesicht
uralt war es geworden
überraschte mich
erschreckend war‘s beinah

Das Reden fiel ihm schwer
er brauchte eine Weile
doch ich verstand ein jedes Wort
z
wischen jeder Zeile

Und langsam fuhr er fort:
weisst du noch im alten Haus
du bist zu uns gekommen
junge Frau
wir mochten dich
du warst uns sehr willkommen

Doch deine Welt
sie drehte sich
vor allem um das Deine
du warst voll Leben
voll Ideen
und hattest viele Pläne

Bei uns, da gingst du ein und aus
mit deiner Kinderschar

Ihr fröhlich Lachen
füllt‘ das Haus
ich fand es wunderbar

Nochmals wurde es uns Frühling
im Alter durften wir noch sehn
neues Leben
und die Freude
ja, es würde weiter gehn

Doch dann
du hattest deine Gründe
gingst du für immer fort
und wärest nicht ein einzig Mal
zu uns zurück gekehrt
auch nicht an unser Grab

Als hättest du ihn ausgelöscht
den Ort, den Tag
und seine Menschen
sie haben oft an dich gedacht
mit ihren guten Wünschen

Und an deine Kinder
schmerzvoll war’s,
sie zu verlier’n
das Leben miteinander

DSC06827 (Medium)

für Onkel Karl,Tante Anna und für Hansruedi

ich bin einen Weg gegangen…

57920236 - lonely woman in a park in autumn

Ich bin einen Weg gegangen, den ihr nicht kennt
ich versuchte zu verstehen, was ihr längst zu wissen meint
ich schaute hin, wo  ihr euch abwendet
ich hörte zu, wo ihr die Ohren zuhaltet
ich umarmte, wo ihr Abstand nehmt
ich wurde berührt von dem, was euch erschreckt
ich fand die  Wahrheit inmitten von dem, was ihr Lüge nennt
ich bin gewachsen, ihr habt mich klein gemacht
ich bin reich geworden, ihr nennt es Verlust
ich bin glücklich, ihr wisst nicht warum
ich wollte es teilen aber da war kein Bedarf
ich habe mich geoutet
jetzt bin ich out

Bildquelle: https://de.123rf.com/

 

Blütenjahre

Ich hatte manchmal den Eindruck, die Tante Rosa – so nannte ich die monatliche Regelblutung – wäre eine eigenständige Person, die in mir wohnte. Die Beziehung zu ihr war des kurzen Zyklus wegen eine sehr Intensive. Ich nannte diese Zeit ironischerweise Vollblutjahre. Natürlich waren es auch die grossartigen Blütenjahre meines Lebens (kommt Blüte von Blut?)
Obwohl ich oft unter Tante Rosa‘s heftigen Auftritten zu leiden hatte, liebte ich ihr Dasein – den Rhythmus des Zyklus. Ja, ich konnte mir nicht vorstellen, wie es ohne sie wäre. Und Tante Rosa….sie schien auch gar nicht die Absicht zu haben, mich je verlassen zu wollen. Im Gegenteil, sie kam zum Schluss immer öfters vorbei und machte grossen Aufstand, als würde sie sich dagegen wehren, dass ihre Zeit abläuft. Ich glaube, der Abschied ist uns beiden nach so vielen Jahren des Miteinanders (manchmal eben auch des Gegeneinanders) schwer gefallen.

 Wie ihre Besuche, so war dann auch ihr Weggang – heftig. Ich habe eine Zeit lang gebraucht um ihn zu verarbeiten. Es tat mir weh, sie aus meinem Haus zu weisen. Nun ist es gut. Sehr gut sogar. Nichts ist bereut.

 Mit dem Gedicht Blütenjahre möchte ich meiner geliebten Tante Rosa gebührend Adieu sagen:

Als hättest du wieder nach langer Zeit
Wohnung genommen in meinem Zelt
fühle ich heute wie damals den Schmerz
dieselbe Spannung, ja Freude im Herz

Sie erzählen mir von den Jahren
in denen wir beide Verbündete waren
die erste Begegnung ich weiss noch genau
vom Mädchen wurd‘ ich auf einmal zur Frau

Jahrzehnte der Blüte schenktest du mir
den Traum von Kindern verdanke ich dir
Damals, ich hab dich geliebt und gehasst
nicht immer hat mir dein Kommen gepasst

Stets warst du es, DU hast entschieden
Und oft bist du viel zu lange geblieben
zu heftig warst du, zu intensiv
Genau wie ich – extrem  impulsiv

Mich hoch zu reissen war ewig dein Spiel
im Rhythmus des Zyklus, wie’s dir gefiel
um alsbald danach im Flug noch euphorisch
mich runter zu holen, dein Tun war notorisch

Mein Leben im Wechsel, mal Bergfahrt, mal Tal
manchmal so kraftvoll, manchmal ne Qual
doch dann irgendwann haben wir beide
uns arrangiert, wir waren‘s leide

zu kämpfen und schliesslich wurden wir Freunde
bis zu dem Zeitpunkt der grossen Wende
Ich konnte es fühlen, der Augenblick naht
für mich war‘s zu früh, ich war nicht parat

Ohne dich, wie soll das jetzt gehen
ich konnt’s mir nicht denken, ich wollt’s nicht verstehen
als würdest du’s wissen, ich täte mich schwe
bliebst du noch bei mir, ein paar Jahre mehr

Wohl zu den Schönsten würd ich sie zählen
wie Blüten im Herbst, sie werden mir fehlen
doch irgendwann hast du’s übertrieben
es kam der Tag und ICH hab entschieden

Ich konnte nicht mehr nach so vielen Jahren
dein dominantes Benehmen ertragen
nun war ich bereit und wies dir das Haus
ein Abschied war das..ohne Blumenstrauss

Du bist gegangen und ich hab geheult
das war‘s Tante Rosa, nichts ist bereut!
Nur jetzt, wo ich spüre, du wärst eigentlich hier
denk ich mit Wehmut, wie schön war’s mit dir

der Granatapfel, Symbol der Fruchtbarkeit

Granatapfel, Symbol der Fruchtbarkeit

Asexualität – Liebe ohne Leidenschaft

Asexualität – ein Thema über welches man kaum spricht. Die meisten Menschen kennen zwar aus eigener Erfahrung die momentane sexuelle Unlust, aber die Wenigsten können sich vorstellen, dass jemand grundsätzlich kein Bedürfnis nach Sex hat. Das ist doch gar nicht möglich….jeder braucht doch…

In unserer Gesellschaft ist es nicht attraktiv, kein sexuelles Verlangen zu haben. Ist es darum vielleicht kein Thema? Asexuell veranlagt zu sein heisst aber nicht, keine romantische Liebe zu empfinden oder sich nicht nach einer Beziehung zu sehnen. Wer Glück hat, findet einen Partner, der ebenso empfindet. Viele Betroffene leben allerdings mit einem Partner zusammen, der sexuelle Bedürfnisse hat, sie sind verheiratet und haben eine Familie. Es kann sein, dass sie ihrem fehlenden Verlangen nach Sexualität keine grosse Bedeutung zumessen und es gar verschweigen, um eine Beziehung möglich zu machen. Wenn es dann irgendwann zuviel wird für den einen und zuwenig für den anderen, ist der Konflikt unausweichlich.

Mit meinem Gedicht möchte ich weitergeben, was mich lange Zeit beschäftigt hat. Ich möchte andere Menschen für das Thema sensibilisieren, Herzen berühren und  zum Dialog ermutigen.

 

Ich nenne es
um zu beschreiben
versuche es
in Worte zu kleiden
ich gebe Raum
und offenbare
im Schmerz der Dinge
das Wunderbare:

 Gemeinsam von Sinnen
der Erde entrinnen
empor sich zu heben
ins weite All
ich möchte mit dir
nach den Sternen greifen
mit dir verglühen
im freien  Fall
trunken
durch steigende Wolken sinken
vereint
im Meer der Sinne ertrinken 

Dass ich’s ersehne
du aber nicht
ist schwer zu ergründen
ich habe darum
gekämpft es zu finden
doch du fragst:
„Warum?
Bin ich dir nicht alles
so wie ICH bin?
Was muss ich noch tun
zu deinem Gewinn?“
Mich wollen, begehren,
wünsch ich zu viel?“
„Nie ist’s genug,“ sagst du,
„du treibst ein Spiel!“
Ich sage: „Betrug!
War’s nicht auch deine Wille?“

uns fehlen die Worte
es schmerzt die Stille

 so bleib ich allein
doch kommt die Zeit
weil du mich liebst
lässt du dich ein
und gibst mir Geleit 

Ich spüre wohl
du willst
mich glücklich wissen
deine Mühe
doch mir fehlt
dass ich dich mitgerissen
an jenen Ort
dir unbekannt
der Leidenschaften Sphäre
und ich
wär’ n wir gemeinsam dort
weiss nicht wie es wäre

 traurig frag ich
was denn noch bliebe
weil ich leide
und weil ich vermiss
du sagst nur:
„Wir Beide
u
nd meine Liebe
sie sei dir gewiss!“

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Liebe ohne Leidenschaft ist immer noch Liebe

Bildquelle: https://de.123rf.com/

warum ist Krieg?

Wir kriegen es nicht auf die Reihe
wenn wir herauskriegen
dass die anderen mehr kriegen
und deshalb nehmen wir uns
was wir kriegen können

Hauptsache WIR kriegen es
wo immer wir es auch herkriegen
Bis wir eins aufs Dach kriegen
und dann kriegen wir erst recht die Krise

Wir lassen uns doch nicht unterkriegen
sagen wir, nur keine Angst kriegen
wir kriegen sie unter Kontrolle
wir werden sie kleinkriegen
die sollen nur warten
die werden Ärger kriegen

Und dann?
Wie werden uns in die Haare kriegen
andere werden versuchen,
uns auseinander zu kriegen
und plötzlich ist überall Krieg

Wir kriegen es nicht hin
ohne Krieg
oder doch?

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Wie wärs zum Beispiel mal mit Kinder kriegen?
make family – not war

noch nicht genug gekriegt?

Wut tut gut

Manchmal tut es gut, die Wut rauszulassen
Dann gibts wieder Platz im Kopf….

mit Erregung, vorzugsweise im leeren Raum vorzutragen:

Immer rumhacken
auf jeder Freude
immer draufkacken
auf jedes Glück
nicht beachten
was von Herzen
jemand mit dir teilen möcht 

Stell alles in Frage

all’s was ich sage

rede es nichtig

was mir so wichtig

knicke mein fröhliches Sein

und lasse mich fühlen

ich bin allein

Schlaflähmung

Horror beim Aufwachen – Menschen, die sich viele Gedanken machen, Stress erleben, schlecht abschalten können und nicht genug Schlaf bekommen sind eher empfänglich für das Phänomen Schlaflähmung. Ich wusste damals nicht, dass es sowas gibt und konnte mir deshalb keinen Reim auf das Erlebte machen. Ich dachte, ich hätte eine Begegnung der unheimlichen Art. Oder es hätte der Teufel persönlich einen ganz schlechten Aprilscherz mit mir gemacht (es war die Nacht zum ersten April).

Erst Jahre später fand ich heraus, dass ich längst nicht die Einzige bin mit Schlaflähmungserfahrungen und dass es dafür eine nachvollziehbare Erklärung gibt. Die Erinnerung an das dramatische Erlebnis ist allerding noch ganz lebendig, als wär’s gestern gewesen.

 

und es reimt sich sogar…

Ich denke immer
auch im Bett
in meinem Zimmer
nachts in den Träumen
als würde ich sonst
etwas versäumen

Das Bett ist mein Kino
im Schlaf läuft der Film
vor meinen Augen
befind ich mich drin
oft ist’s nur harmlos
manchmal auch wahr
hin und wieder
masslos sogar

Bin ich im Traum
trunken vor Glück
möcht ich am liebsten
nicht wieder zurück
doch einmal erwacht ich
gedankenleer
nichts war im Dunkel
Stille umher
und dann wurde es schwer…

Die Angst sie packte
den Geist und die Glieder
ich schrie
ja ich wollte
versuchte es wieder

Und plötzlich war’s hell
die Wände voll Fratzen
unheimlich grell
das Licht
und auf mir lag
ein Tonnengewicht

Ich spürte den Schmerz
und konnte nichts tun
jemand war da
und quälte mich
die Stimme versagte
verzweifelt und stumm
schrie ich und bat
bring mich nicht um

Sekunden, Minuten
unendlich lang
erstickend die Last
mir war so bang

Und dann – war es fort
das schreckliche Wesen
und mit ihm die Schmerzen
die Fratzen
die Last
friedliche Nacht
als wär nichts gewesen

Nur fliehn von dem Ort
dacht ich und ging
mit weichen Knien
zitternd im Dunkeln
fand ich die Tür

Und wandte den Blick
zaghaft
noch einmal zurück
mein Hals, ich fühlte den Klos
doch da war keiner
und dann –
rannte ich los