s’Dorli

Wer ist eigentlich das Dorli? Ich benütze den Namen manchmal, um eine Geschichte zu erzählen. Es gibt sie aber tatsächlich, die Frau, die Dorothea heisst. Liest selbst:

S’Dorli isch im Grund gno jo
en alti Frau, ä bravi
Zytläbens hätt si gärn das do
was hüt ein seit, das darf i

Sie het nie dörfe, het nur welle
Si het’s villicht scho au mol gwogt
und denne gseit:  „I het nid selle!“
und s’schlächte Gwüsse het si plogt

So isch si brav und aapasst bliibe
het all Erwartige erfüllt
vo de Lüüt und vo de Gschiide
und het kei dummi Frooge gstellt

Wie wärs ächt cho in ihrem Läbe
hetti sie vo ihrem Muet
chli zämme gno und chönne säge
das woni dänke, das isch guet?

Das mach i jetze! Ganz egal
was anderi vo mir wei!
Ich han en Traum und mini Wahl
die triff i ganz elei?

Zum Glück isch villes anders hüt
und s‘muess no besser wärde
dr Mönsch isch frei und jede dörf
sich sälber si uf Ärde

Was eine tuet – i würd doch meine
solang’s mit Achtig gescheht
isch richtig und es git ä keine
wo z‘Rächt dergege redt

Wäg däm het s’Dorli do bi mir
e Stimm und no es Läbe
es dörf und was es eus verzellt
isch gwüss nid so drnäbe

Sini Gschichte sind au eusi
mä chas sich spiegle
drinne
und eigentlich – genau das wei si
dass mer eus chli bsinne

hüt isch lang hüt

Hüt isch lang hüt
i machen nüt
de ganzi Tag
zell i kei Stund, kei Glockeschlag
han alles verschobe
i han eifach Zyt
vom Morge bis Zobe
isch hüt emol nüt
Und wenn öppis wär
wenn öppis wett cho
i bi für eimol, für niemer do
Hüt, mini Lüt
machen i nüt

sexuell

Im Februar haben die Schweizer den Gesetzesentwurf zum Verbot von Diskriminierung und Aufruf zu Hass aufgrund sexueller Orientierung angenommen. Offenbar braucht es in der Schweiz
des 21. Jahrhunderts noch ein solches Gesetz…


Jede Mönsch isch generell
ganz es eiges Naturell
das heisst, er isch au hormonell
genau eso individuell
vo A- nach Bi- bis Transsexuell
git‘s so einigi Modell
Devo isch Hetero im Fall
„die Norm“ doch was isch scho normal?
E chli wenig, e chli vill
echli speziell, doch prinzipiell 
darf das jede wie’n er will

Solang nid eine kriminell 
leider – ja – au kulturell
und „Gott behüte“ pädophil
anderi zwingt zum Sexduell
und Sex betrachtet minimal
als Trieb wie bi me Animal
isch Sex – ich meine ganz egal 
wie’s zwei empfinde – grundlegal

Doch erscht so richtig genial
wird Sex im ideale Fall
wemme nid nur physikal
sondern ganz universal
spirituell und emotional
sich eifach liebt – ganz abnormal

probier’s doch mal 😊

vom Alter

A dere Rüebe gseht me guet
wie’s Alter eim verändere tuet
I ha si tagelang gschtudiert
und was i gseh ha gnau notiert

Scho gli am Afang het’s mer gschalte
die Rüebe loot sich nid lang halte
was schön isch gwachse, riif und buschber
isch bald emol nümm ganz so chnuschper
Gliich gohts em Mönsch, chum isch er gross
zerfallt er wieder gnadelos 

zerscht bäumt er sich no uf dergäge
und mutiert gar fascht derwäge
Wenn ein sich do nid ständig pflägt
und es bitzeli zu sich luegt
denn artet’s us ganz uf di Schnelle
es wachse Hoor wo si nit selle
Es wachse überhaupt mängs Sache
wo eim denn chönnte Sorge mache

doch denn git’s Teil, die schrumpfen au
sowohl mim Maa als au bi’r Frau
Me gseht’s denn guet und me verstoht
dass jetzte langsam abwärts goht
me cha au mache was me will
irgendwenn nützts nümme vill

Sälbscht wemme no gnueg Wasser trinkt
d’Füechtigkeit im Körper sinkt
si sinkt und er vertröchnet ganz

denn isch es Zyt Mönsch
nimm Dischtanz

Schweizerdeutsche Worte: buschber – wohlauf

Emotione

S‘Dorli isch mit Emotione
gsägnet und scho immer gsi
in allne Läbessituatione
hets au sini Seel debi

Es offes Buech isch äs für jede
wo gärn Mönsche läse tuet
s‘Läbe teile, zäme rede
dass find s‘Dorli ebe guet

Es schämt sich nid für sini Träne
für sin Schmerz und handkehrum
lachts wie blöd und chan nid höre
s’lacht sich schier dr Buckel chrumm

S‘Dorli chan sich ganz vertüüfe
und sich fescht begeischtere
es tuet sich gern au mol verschlüüfe
wills nid alls chan meischtere

Es fühlt immer. Meischtens z‘vill
Es liebet oft und heftig
s‘Läbe isch kei eifachs Spiel
und öppe mol ischs deftig

Trotzdäm – ohni Emotione
ohni Uf und Ab im Läbe
ohni Gfühlsexplosione
Wär s‘Dorli mit sich voll dernäbe

Läbesfreud, Damaris 10 Jahre

unluther?

Übersetzung ins Deutsche am Schluss

I säg‘s emol luut
und no chli luuter:
De Luther het gseit
es isch nid unluter
dass d’Frau für sich en Liebhaber het
wenn ihre Gemahl nid cha und nid wett
Vor 500 Johr het er das gseit!
E wiisi Maa
het Wiitsicht gha
und gseh, dass me das mache cha
Und dass en Dritte
do chan chitte
und d’Ehr von’ere Familie rette!
Doch abgseh vo dem eine Grund –
nämlich dem: Mir bruuched Chind
isch d’Liebi was die meischte Mönsche
körperlich sich sehnlichscht wünsche
Was jetzt – wenn’s en Partner git
wo das Bedürfnis gar nid het?
Wieviel Lut(h)er, liebi Lüt,
wär sone „dritti“ Lösig hüt?

Vom ehelichen Leben (Martin Luther)
2, 146
„Wenn ein tüchtig Weib zur Ehe einen untüchtigen Mann überkäme und könnte doch keinen anderen öffentlich nehmen und wollte auch nicht gerne wider ihre Ehre tun, soll sie zu ihrem Manne also sagen: Siehe, lieber Mann, du kannst mein nicht schuldig werden und hast mich und meinen jungen Leib betrogen, dazu in Gefahr der Ehre und Seligkeit bracht, und ist für Gott keine Ehre zwischen uns beiden, vergönne mir, dass ich mit deinem Bruder oder nächsten Freund eine heimliche Ehe habe und du den Namen habst, auf dass dein Gut nicht an fremde Erben komme, und lass dich wiederum williglich betrügen durch mich, wie du mich ohne deinen Willen betrogen hast.“
(1522)

Übersetzung ins Deutsche

Ich sag es mal laut und noch etwas lauter:
Luther sagte, es ist nicht unlauter, dass eine Frau einen Liebhaber hat, wenn ihr Gemahl nicht kann oder nicht will. Vor 500 Jahren sagte er das! Ein weiser Mann, der Weitsicht hatte und sah, dass dies eine Möglichkeit ist
und dass ein Dritter  hier „kitten“ und die Ehre der Familie retten kann. Doch abgesehen von dem einen Grund – nämlich Kinder zu zeugen – ist körperliche Liebe ja etwas wonach sich die meisten Menschen sehnen.
Was nun, wenn der Partner dieses Bedürfnis nun gar nicht oder nicht mehr hat? Wie „Luther“ (lauter) wäre es denn, liebe Leute, wenn man so eine „dritte“ Lösung heutzutage wählen würde?

Wär bin i?

I bin d’Brig
doch das tuet wächsle
je nach dem wär vor mir stoht
bin i d‘Brigitt oder d‘Brixlä
„Brischit“ tuets au in dr Not
De Vater seit mer stolz Brigitta
und für d‘Änkel bin i d‘Dita
Äs Ängeli bin i für de Götz
und mängisch rüeft er mich au Schatz
Für mini Maitlä bini s‘Mami
unglaublich villi Näme hani!


Sälte losen i uf „Baby“
öppe die bin i „my lady“
was uf Dütsch heisst „mini Dame“
das isch au en schöne Name

I de Läde grüesset‘s mi:
„Frau Meier, Grüezi, was dörf‘s si?“

au d’Ruth und s’Dorli sind no zwöi
wo a mir en Ateil hei
Doch wenn i mit mer sälber red
denn säg i zuemer eifach Brig

Brig in ihrem Steinparadies



Über den Namen Brig gibt es auf Wikipedia Interessantes zu lesen:

Der moderne Vorname Brigitte leitet sich entweder von Brigida von Kildare oder von Birgitta von Schweden ab, welche wiederum nach Brigida von Kildare benannt wurde. Diese wiederum ist nach der keltischen Gottheit Brigid benannt

Brigid (so altirisch, auch Brighid oder Brig, schottisch Bride, neuirisch Bríd) ist in der keltischen Mythologie Irlands der Name einer Göttin. Ihr Name wird als „die Helle“, „die Strahlende“ oder auch „die Streiterin“ gedeutet und geht auf eine altkeltische Göttin namens Brigantia oder Brigindo, die Stammesgottheit der keltischen Briganten, zurück. „Briganti“ heisst übersetzt „erhaben“ und „göttlich“ . Die beliebtesten Interpretationen von Brigitte sind daher „die Erhabene“ und „die Hohe“.
die Göttin Brigid soll unter anderem eine Personifikation der Dichtkunst und Beschützerin der Poeten gewesen sein. Ihr Namenstag ist der 1.Februar, an welchem das keltische Fest Imbolc oder das Fest der Brigid gefeiert wurde. Die Christenheit hat das Fest zu Maria Lichtmess umgetauft.

Mehrere Ortschaftsnamen (Brig und Brigels in der Schweiz, Brixen im Südtirol, Bregenz in Österreich, Braganca in Italien, die Ebene Brega in Irland). gehen auf dieselbe Wortwurzel „briga“ zurück, welche soviel wie kleine (befestigte) Anhöhe
oder Berg bedeutet.

Ab in Ghüsel!

Chum Schätzli, 
nimms Lätzli und sitz a dis Plätzli
lueg, s’Mami het Päppli
gmacht für sis Schnäggli

Ohje hesch de Pfnüsel
schnütz mal min Schnüsel
mir gheiet denn nachher
s’Lätzli in G’hüsel

Wo hesch denn dis Chäppli?
und dini Schläppli?
kei Wunder 
tuesch dich verchüehle
was isch au
was tuesch jetzte brüele?

bisch müed, wetsch go pfuuse?
i nimm di grad uuse

Mach no en Brunne
denn schiint wieder d’Sunne
chumm, sitz uf de Haafe
du bisch doch en Brave!

Und do, hesch din Nuggi
min liebe Schnuggi
bisch scho am drücke?
tue di mol bücke…

E lueg a, äs Gaggi
mei, goht das  zaggi!
I hol schnäll zum putze
es Lümpli, bliib sitze!

Oh nei au, du Suggi
nei, lueg jetzt dr Nuggi
liit voll i dim Gaggi
und jetzte?
Was maggi?

In Ghüsel, de Grüsel!

Lexikon Schweizerdeutsch – Deutsch

Ghüsel – Abfall
Lätzli  – Esslatz
Päppli – Brei (Pappe)
lueg!  – schau!
Pfnüsel – laufende Nase
schnütze – schneuzen
Schnüsel  – Herziger Süsser
Schläppli – Hausschuhe
Chäppli – Kappe
Brunne – Pippi
Haafe – Töpfchen
Nuggi – Schnuller
Gaggi  – Stuhlgang
Suggi – Schweinchen
Schnuggi – Herziger, Süsser
Grüsel – ekliger Mensch