Sälbschtgschprööch

S‘Dorli macht oft sälber Gschprööch
mit sich elei im Kreis
grad das, was ihm persönlich nöch
und niemert anders weiss

besprichts mit sich, wenn’s keine ghört
denn redt em niemert dri
es disskutiert ganz ungestört
und chan sich sälber si

Meischtens findets denn dr Rank
mit sich und mit dr Welt
si Härzenstimm isch Gott sei Dank
am Schluss die Stimm wo zellt

offe

D‘Lüt sind oft
will i so offe
vo miner Offeheit betroffe
und ich jewils
cha denn nur hoffe
i heb nid grad
de wundi Punkt
mit miner Offebarig troffe
und
es wird e keine schroff

sus gits nur eis
i will kei Zoff
i
gangen off
denn isch es gloffe

…..tschüss!

Jesus, do bini

Jesus, do bini,
si hei mi gschickt
die, wo säge
nur du chönisch hälfe
mi Lag sei verzwickt

Hei gseit, i brüüch Jesus
müess wärde wie du
jetzt bin is glaub worde
– si hei mi verloh –

Wei nüt mit mir z’tue ha
i läschteri Gott
heisi so gmeint
i miech ihn zum Spott

Du weisch jo wie bitter
wie truurigi es isch
w
enn Mönsche dich miide
will d‘andersch bisch

Damals isch’s dir jo
ganz schlimm ergange
will „gschpottet“ hesch
bisch am Chrüz obe ghange

Mich lönd’s lo läbe
si meinets no guet
und merket doch nid
wie weh, dass es tuet

wenn d’plötzlich als Mitchrischt
dernäbe bisch
und all für eim bättet
dass grettet wirsch

Was ich aber bätte
s’isch würklich min Wunsch
wie du möchte i wärde
du liebsch jede Mönsch

 

 

 

 

 

de falsch Momänt

S’Dorli isch scho lang am Wäge
hin und her het‘s überleit
Si Sach isch nid ganz eifach z’säge
und was mol gseit isch, das isch gseit

Doch säge möchts es will es meint
me sett doch offe si
ir Familie mitenand
und Äs…ghört au dört dri

Äs dänkt bi sich mit chli Humor
chame das Ganze würze
echli Witz und trotzdem wohr
das chönnt de Sach nur nütze

Leider hets de falsch Momänt
de falschi Witz verwütscht
und isch mit siner guete Gschicht
nid glandet sondern grüütscht

Verzwiiflet hets sich welle hebe
a sine liebe Lüüt
doch die hei gseit wie chasch au nur
so öppis macht me nid

Si hend sich abdreit will es het
en Andere afo rede
d‘Gschicht vo ihm isch rächt zur Zyt
und wichtiger vo Bedne

hüt isch scho morn

Hüt isch scho morn
und geschter isch wenn
wenn isch das gsi
i weiss es scho nümm

I weiss nümme wie
und was isch wo
warum isch alles so
schnälläbig do?

Wett nümme renne
haltet se aa
stoppet die Chugele
si söll eifach staa

Weiss de Himmel
was los isch uf Ärde
warum denn alles
no schnäller mues wärde

No meh inedrücke
in jede Tag
dass me am Ändi
eifach nüm mag

nur en Momänt
e Stund oder und zwei
wett i verschnuufe.
mit mir ganz elei

danke…

die nackte Wahrheit

Als Einzige nackt in einer Menschenmenge zu stehen und von allen angestarrt zu werden – das war früher einer meiner schlimmen Albträume. Im Traum verstand ich nicht, wie ich immer wieder in diese ungemütliche Situation geraten konnte und schämte mich sehr. Jedesmal war ich aufgewühlt und traurig, wenn ich erwachte.

Heute verstehe ich den Traum sehr gut und erst recht nach dem vorhergehenden Beitrag hier auf Brigwords. Nur – im Gegensatz zu jener Geschichte, hat mir keiner die Kleider  weggenommen.
Ich bin es ja selbst, die sie ganz bewusst ablegt. Immer wieder. Allerdings ist es wirklich nicht angenehm, inmitten von gut Gekleideten nackt da zu stehen. Man überlegt sich das zweimal. Handkehrum erkennt man aber gerade durch die eigene Nacktheit andere Nackte und fühlt sich wohl unter ihnen.
Trotzdem – ich lege mir noch oft ein Kleid um, weil das Nacktsein in einer von Kleidern regierten Welt einfach schwer auszuhalten ist. Für beide Seiten.
Aber irgendwann – das ist mein Traum – brauchen wir uns nicht mehr zu kleiden, weil wir dann erkennen, dass wir nackt einfach freier und glücklicher sind. 

P.S. den Text nochmals lesen und „nackt“ durch wahr und „Kleider“ durch Maskierung ersetzen.

Hinweis zum schweizerdeutschen Gedicht:
„blutt“ bedeutet nackt

die blutt Wohret

I stande blutt
vor allne Lüüt
cha mi niene go verstecke
leider hani jezt grad nüt
wo mini Blütti würd bedecke
Keine isch,
wo mir sis Chleid
uslehnt, oder öppis seit

sie luege nur und starre
Wie wär’s
anstatt eso z’verharre
es würden alli sich entblösse?
s’würd s’Problem uf ei Schlag löse
d‘Tatsach wär
mer wäred gliich
blutt
egal öb arm, öb riich
mer wäred offebar und bloss
all eusi Maske wär‘ mer los
und alles
was mer denn no gsehnd
isch genau das
wo mer wend
d’Wohret

DSC08705 (Medium)
oder öppe nid?

Schwiegermama

Am Tag
won er mich vorgstellt het
bi sich dihei
het s’Mami gseit:
«Ich bin stolz uf dich, min Sohn!»
und het’s so gmeint
het en aaglacht und en küsst
Denn hani gwüsst
sie liebt mi au
als sini Frau

Brig und Rahel
zum Andenken an mein Schwiegermami

 

demänti Momänt

Demänti Momänt
si chömä und gönd
und bliibe je länger
je lieber am Änd
si si fascht immer
bi eim permanänt
und denn het me‘s nümme
i sine Händ
me weiss nid was säge
und nid was dänke
me chas eifach gar nümme
sälber länke
und wenn me denn find
ganz vehemänt
dass d‘Chinder
die eigene Eltere sind
denn liebi Lüüt
isch das de Mömänt
wo me mues säge
me isch demänt

wenn i mol alt wird

Wenn i mol alt wird
wett i wärde
so wie Du
no chli uf Ärde
s‘Läbe gnüsse
nones Enkelchind
in d’Arme schlüsse
mit em spile
mich mit ihm verwiile

No öppis
s’Allererschtmol mache
i d’Bärge go
vo Härze lache
I wetti si vo Tag zu Tag
ä Luschtigi
wo jede mag

I wett no liebe
wett no küsse
I wett no
eis zwöi Gheimnis wüsse
wenn‘s cha si
wett i so bliibe
wach und gsund
i wett no schriibe
Büecher läse
und und und…

 Am Änd… wie Du
so zfride möcht i si
wenn i
denn einisch gliich alt bi

für min Vati, wo hüt 84 Johr alt isch

es isch nid immer alls eso…

Es isch nid immer alls eso
wie‘s usluegt
wie m‘es het verno
meischtens git‘s jo no e zweiti
no en dritti Asicht
meinti

Wemme für sich sälber prüeft
was eine seit
was eine rüeft
das, was me liest
und was me gseht

denn isch es wichtig
meischtens richtig
was me tüüf im Härze gspürt