vom Teilen

Die Freude ist doppelt 
und halb ist das Leid
wenn man mit andern 
das Leben teilt

Bedenke jedoch
das geflügelte Wort
und teile dein Herz nicht 
mit jedem sofort

Geteilt ist nicht immer
geteilt in dem Sinne
dass jeder davon
etwas Gutes gewinne

Nicht jeder ehrt es
und plötzlich entzweit
zerteilt sich was eben 
mit dir noch vereint 

Es macht sich davon
teilt sich da, teilt sich dort
und ein kostbarer Teil 
deines Herzens ist fort

Aufbruch aus Ägypten

Jeder Mensch braucht sein Ägypten
jeder seine Sklaverei
Jeder hat auf seinen Lippen
mal einen lauten Herzensschrei

Jeder Mensch braucht einen Aufbruch
einen Moses in sich drin
und vom Busch her jenen Zuspruch
Ich bin derjen‘ge, der ich bin

Jeder braucht einen Erbarmer
einen Stab in seiner Hand
auf dem Weg einen Beschirmer
in das ihm verheiss’ne Land

Jeder trägt seine Geschichte
auf den Schultern Schritt für Schritt.     
durch’s Meer hindurch bis zum Gerichte
doch einer trägt sie mit ihm mit

Jeder Mensch braucht sein Ägypten
jeder sein Jerusalem
und in den Toren auf den Lippen
ein Dankgebet zum Himmel hin

Ich wünsche allen ein gesegnetes Oster/ Pessachfest
Eure Brig

Shabes

Friede mit dir
und Friede der Welt
Friede dem 
der alles erhält

Friede dem Tag 
der Ruhe in ihm
Friede allen 
die heute entfliehn

Friede der Stille
und Friede dem Ort
wenn Gott zu dir spricht
sei Friede dem Wort

Der Friede fliesse
in dir wie ein Strom
und schenke dir Freude
gut Shabes, Shalom

dieser Post ist ein Flaschenpost

Heute habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Flaschenpost ins Wasser geworfen.
Mit einer wunderschönen Briefmarke vom Rheinfall, den üblichen Daten und meiner Adresse, einer Schweizerfahne, einem gravierten Kugelschreiber und vielen lieben Grüssen gefüllt ist sie nun bei schönstem Frühlingswetter unterwegs den Rhein hinunter.

Das Ziel wäre, dass der Rhein sie bis nach Emmerich bringt, damit sie dort vom Empfänger abgeholt werden kann. Wer von euch am Rhein wohnt und die Flasche in den nächsten Tagen bis Jahren zufällig sichten sollte, weil sie gestrandet ist, möge sie doch weiter auf ihren Weg schicken oder bei der Rheinbrücke in Emmerich deponieren.
Danke vielmals
Eure Brig

s’erschti Mol

S’erschti Mol bruucht echli Muet
s’bruucht de Glaube «es chunnt guet»
Echli Verrucktheit und chli Gwunder
mischt sich under s’erscht Mol drunder
S’erschti Mol isch es probiere
me hofft eifach, s’wird funktioniere
S’erscht Mol – wie so oft im Läbe
goht villicht au chli dernäbe
Doch gar alls foht aa demit
ohni s’erscht Mol chunntsch nid wiit
und überhaupt – isch es nid toll
öppis z’mache s‘erschti Mol?
Egal wies chunnt – öb guet,  öb chrumm
die erschte Mol vergisst me nümm
und wemme denn zum letschte Mol
öppis macht isch’s ohni Groll
d‘Erinnerige an all die Erschte
mached s‘Läbe voll zum Berschte

Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Zeit der Wende

Ein Gedicht von Beate Lambert (nicht von Schiller!)

Dieses ist die Zeit der Wende,
nun zählt Klarheit, Kraft und Mut.
Viele Herzen, viele Hände
voller Sanftheit und voll Wut.

Du bestimmst und du entscheidest
welchem Geist du angehörst.
Ob du leise weiter leidest
oder endlich dich empörst.

Stimm mit ein in unser Singen,
voller Jubel und Vertraun.
Dann wird es Dir auch gelingen,
voller Mut nach vorn zu schaun.

Und dein Leben so verändern,
dass unsere Erde heilen kann.
Seit an seit in allen Ländern
fangen wir den Umschwung an.

Taube Ohren für die Spötter
und die Sucht nach Macht und Geld.
Wir sind uns’re eignen Götter,
unsre Herzkraft heilt die Welt.

Alle Tiere, Menschen und Pflanzen
mögen wachsen und gedeihn.
Wir sind Teil des großen Ganzen
und bereit, dabei zu sein.

Das Bewusstsein ist gestiegen
und bald kommt die neue Zeit.
Dann geht es nicht mehr ums Siegen,
sondern um Verbundenheit.

Folg den Kindern und den Frauen,
weil sie für das Leben stehn.
Und sich jetzt nun endlich trauen,
voller Kraft voran zu gehen.

Groll und Rache sei vergessen,
unserem Todfeind sei verziehn.
Auch wer nur provitversessen,
achte und verstehe ihn.

Denn du weißt, er ist getrieben
von seiner Schuld und seiner Angst.
Du aber bist frei zu lieben,
wenn du nicht mehr länger bangst.

Freude heisst die starke Feder
in der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder
in der großen Weltenuhr.

Sie gibt Kraft zu handeln
voll Verbundenheit und Mut.
Unsre Welt zu wandeln,
dann wird alles gut.

Schwiige isch nid immer Gold

Manchmal wird das Schweigen zwischen Menschen so laut
dass einer sich die Ohren zuhalten muss


Im Dorli drin schwigts eländ lutt
sit me ihm het gseit
dass me ebe schwiige wett
will mes nid vertreit

Ja, was denn? Was vertreit me nit?
Isch’s öppe d’Wohret, säg?
Derbi wärs aller höchschti Zyt
und s’Gspröch der einzig Wäg

Dr einzig Wäg um sich z‘verstoh
isch d’Tatsach zerscht z‘verträge
dass ein nid s‘Gliiche fühlt wie du
und d’Gfühl – dörf jede säge

Villicht hesch dich no gar nie traut
vo eigne Gefühl z’verzelle
und s’Rede isch dir nid vertraut
au wenn’s au no gärn hetsch welle

Doch het e jedes Gfühl en Grund
und jede Grund si Gschicht
drum lass es zue zur rächte Stund
bevor gar alls zerbricht

Irgendeinisch isch es z‘schpoot
und s‘git vom ewig Schwiige
ä Tinnitus wo nüm vergoht
wo immer luut wird bliibe

vielleicht wird’s noch werden

Ein Jahr ist es her
und immer noch schwer
man weiss nichts Genaues, nur ungefähr 
    
und hat das Gefühl – es endet nie mehr

Überall Zone
keiner geht ohne
es dreht sich alles nur um die Krone

Und manch einer betet – oh Herr, verschone!

Nur, war’s zu vermeiden
dass wir jetzt leiden?
Die Krise – was will sie uns eigentlich zeigen?

Will jemand was sagen, wer bricht das Schweigen?

Es sind auf Erden
noch andre die sterben
Die Zukunft gibt’s nur gemeinsam zu erben

Wer weiss vielleicht – vielleicht wird’s noch werden