Was klebt da auf der Kaffeekanne?

P1070183 (Medium)

Ich wusste es jedenfalls nicht. Und deshalb nahmen die Dinge an jenem Morgen ihren tragischen Lauf…

Der Morgen war nicht mehr ganz jung, als ich bei meiner Tochter ankam, das Haus betrat und die steile Treppe durch die Luke hinauf ins Obergeschoss stieg. Dort wohnte sie zusammen mit ihrem Kind und ihrem Mitbewohner, der ebenfalls ein Kind hatte. Auch seine Freundin gehörte zur Wohngemeinschaft. Nach der zweistündigen Bahnfahrt freute ich mich vor allem auf einen gemütlichen Kaffee mit den Bewohnern – und natürlich auf meine Enkeltochter, mit der ich den Tag verbringen sollte, da ihre Mutter arbeiten musste.

Noch auf der Treppe hielt ich kurz inne und blickte nach oben. Vor meinen Augen entfaltete sich eben gerade der weite Unterrock der Freundin, die direkt über mir am Küchentisch stand und hantierte. Für einen Moment war ich von diesem Anblick aus der ungewohnten Perspektive fasziniert.
Ich stieg weiter hoch und wandte den Blick zum Herd, von dem das unverkennbare Geräusch eines brodelnden Kaffees herüberdrang. Sehnsüchtig musterte ich die Kanne und stellte enttäuscht fest, dass sie wohl nur für eine Tasse reichen würde.
„Kann ich auch einen Kaffee haben ?“, fragte ich ich die Freundin etwas zu schnell nach dem „Guten Morgen, wie geht’s?“
„Hallo! Ja klar, wie viel willst du denn? Meiner reicht genau für zwei kleine Espresso, wenn’s dir recht ist.“
„Hmm … kann ich auch einen grösseren machen? Hier steht ja noch eine Kanne herum“, schlug ich gutmütig vor, nachdem ich blitzschnell die Küchenablage geprüft hatte.
„Sicher, mach nur.“

Aber wie es in diesem Haushalt so war: Selten fand man etwas vollständig. Der untere Teil der Kanne fehlte. Mein geschulter Hausfrauenblick wanderte über das Küchen-Tohuwabohu und durch den ganzen Raum – nicht umsonst. Ich entdeckte das passende Unterteil auf dem Kühlschrank, wo, wie mir auffiel, noch viele andere Gegenstände zwischenparkiert wurden.
Das Teil war zwar schmutzig – wie kann man nur solche Klumpen von Dreck auf dem Kannenboden hinterlassen – doch die Vorfreude auf den baldigen Kaffee stimmte mich gnädig. Und ehe man sich versah, hatte die Grossmama die Kaffeekanne sauber geschrubbt, bis sie in ihrem schönsten Aluminiumglanz erstrahlte.

„Ach nein, die solltest du nicht benutzen“, unterbrach mich die Freundin, als ich eben den Kaffee einfüllen wollte. „Die brauchen wir für andere Dinge, nimm doch einfach meine.“ Sie stellte mir ihre kleine, noch heisse Espressokanne hin und zog sich in ihr Zimmer zurück.
Gut. Also. Dann putze ich die eben auch noch. Zuerst abkühlen lassen, Kaffee raus, putzen, Kaffee rein. Die ersehnte Kaffeepause rückte in greifbare Nähe.

Die Enkelin war inzwischen auch aufgestanden und zeigte verhaltene Freude über meine Anwesenheit. Sie wolle auf keinen Fall irgendwohin heute, viel lieber zuhause bleiben und mit ihrer Freundin herumhängen.
Ja, das ist mir auch recht – obwohl … dann brauche ich eigentlich nicht den ganzen Tag hier zu sein. Wenn niemand meine Gesellschaft braucht … so kam es mir zumindest vor. Jeder geht hier seinen eigenen Weg, lässt sich von meinem Besuch nicht aus der Spur bringen. Schon gar nicht an einem Sonntag.
Wie hätte ich wissen sollen, dass ich bereits alles vorbereitet hatte und es nur noch Minuten dauern würde, bis zumindest einer aus der Spur geraten würde?

„Guten Morgen, Tomi!“, begrüsste ich den Mitbewohner meiner Tochter. „Wie geht es dir?“
Meine Frage war wohl überflüssig – seine geschwollenen Augen verrieten bereits, dass der Schlaf kurz und die Nacht dafür umso länger war. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass der Schlaf an diesem Ort nie richtig auf seine Rechnung kommt und die Leute sich ständig in einer Art Wachkoma befinden.
In diesem Wachkoma bewegte sich Tomi langsam in Richtung Kühlschrank, nestelte daran herum, um dann plötzlich verwundert, ja fast ängstlich die Augen aufzureissen – Sekunden – und dann rief er panikartig aus : „Wo ist die Kaffeekanne?“
Ich wusste nicht nur die Antwort, mir wurde auch augenblicklich klar, wofür die Kaffeekanne auf dem Kühlschrank eigentlich verwendet wurde.
„Du hast sie doch nicht geputzt, oder?“
„Doch.“
„NEIN!!!“ Und im gleichen Augenblick sah ich ihn am Spülbecken stehen.
Hätte sein Arm im Abfluss des Spülbeckens Platz gehabt, er hätte ihn hineingesteckt. Verzweifelt grübelte er mit den Fingern in der Tiefe des Rohres nach den Klumpen . Ich schaute ihm erschrocken zu, wohl wissend, dass die Lage ernst war. Ich hatte offenbar ein wertvolles „Opium“ vom Kannenboden weggekratzt.
Dass der Arme angesichts seines Verlusts noch einigermassen gefasst reagierte, rechnete ich ihm hoch an. Er verliess nach der erfolglosen Suche unverzüglich den Raum, um seine erste Wut irgendwo draussen loszuwerden.
Ich hatte dadurch Zeit, zu überlegen, was ich tun könnte. Als er zurückkam, bot ich ihm an, für den Schaden aufzukommen. Doch der Wert war für ihn unersetzlich – es war ein Geschenk eines lieben Freundes.
Die Freundin, die durch den Schrei herbeieilte, pflichtete ihm bei, dass das jetzt wirklich sehr blöd gelaufen sei.
Ja, blöd auch für mich.

Leider war das nicht das erste Missgeschick, das mir in dieser Wohnung passiert ist. Und prompt – es wäre beinahe noch ein weiteres passiert, als ich die Badezimmertür schliessen wollte – fällt mir doch der altehrwürdige, vergoldete Handspiegel vom Regal herunter, dessen Rückseite durch mein Verschulden schon beim letzten Mal in Brüche ging. Zum Glück blieb er diesmal ganz, aber ich fühlte mich vom Unglück verfolgt und beschloss, ein bisschen an die frische Luft zu gehen.
Aber zuerst musste ich noch aufs Klo.
Ich musste wirklich.
Es kam mir gar nicht gelegen.
Gegen meinen Willen erfüllte schon bald eine geruchsintensive Wolke das ganze Badezimmer.
„Ohje … hoffentlich muss jetzt gerade niemand anderes aufs Klo. Ich werde gleich das Fenster aufmachen.“
Kaum gedacht, da ging auch schon die Türe auf (Schlüssel gibt es in diesem Haus keine). Tomi kam mit seiner Tochter herein:
„Sorry, die Kleine muss ganz dringend aufs Klo!“
„Ja, natürlich.“
Ich bemühte mich hastig, die Hose hochzuziehen, und steuerte, ohne aufzublicken, durch die dichte Wolke aus dem Badezimmer direkt auf die Luke zu.
Habt einen schönen Sonntag zusammen!

wenn es kommt…

Eine Notiz aus dem April 2024, die ich kürzlich wiedergefunden habe. Ich erinnere mich noch gut daran, dass mich das beschriebene Gefühl über Wochen hinweg immer wieder einholte, ohne dass ich wusste, was ich damit anfangen sollte.

Wenn es kommt
werde ich unruhig.
Es ist ein Gefühl, das ich nicht kenne.
Etwas, das mich zutiefst bedrückt.
Wie dunkle Wolken zieht es auf.
Am helllichten Tag.

Aber jedes Mal
fühle ich auch die Gegenwart
einer guten Macht.
Sie ist bei mir,
immer, wenn es kommt
und  schenkt mir Zuversicht.

Wenn ich die Worte heute lese, trösten sie mich.
Es war ein Versprechen, eine Zusage –
lange bevor es geschah,
Und sie ist immer noch da,
diese gute Macht,
und schenkt mir Zuversicht.



Herr, bleibe bei uns

Herr, bleibe bei uns
denn es will Abend werden
und der Tag hat sich geneiget

Dem bekannten Kirchenlied von Albert Thate 1935, liegt ein Text aus Lukas 24, 29 zugrunde: 
Und sie (zwei Jünger) nötigten ihn (Jesus) und sprachen:
Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.
Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.

Das Bild ist eine zufällige Komposition – wer erkennt, aus welchem Material die drei Figuren bestehen?

Little mercies

When all seems lost 
and skies turn grey,
little mercies will find you
to brighten your day

The people you meet,
a quiet, kind word,
might comfort you gently
and soften your hurt.

The smile of a child,
the sun on your skin,
can warm up your heart
and heal from within.

Look at the beauty
in all that you see,
then turn to your soul
and just let it be.

Life is still here
it stays with you,
you are much stronger,
than you ever knew.

Remember, you won’t be
alone on the road,
little mercies will come
to ease your load.

Auffahrt/ Rezept


Hallo?
Ist da jemand?
Es ist ganz still im Haus.
Und draussen auch.
Sind alle aufgefahren?
Habe ich was verpasst?
Wenn jemand da ist,
kann er sich bitte melden?

und sonst halt:
Eine schöne Auffahrt!

🙋‍♀️😀❤️🌦️

Ich backe derweil ein Körnlebrot ganz ohne Mehl:

Zutaten
350 ml Wasser
3 EL Kokosöl
100 g Sonnenblumenkerne
35 g Kürbiskerne
145 g Haferflocken, grob
90 g geschrotete Leinsamen
70 g blanchierte Mandeln
2 El Chiasamen
4 EL Flohsamenschalen
etwas Salz
nach Belieben Fenchel und Anissamen
evtl. Koriander Gewürz


Für ein selbstgebackenes Brot, das ganz ohne Mehl auskommt, benötigst du Flohsamenschalen
Das Brot kommt dabei nicht nur ohne Hefe und Mehl aus, sondern ist zudem vegan.
Die Flohsamen sind reich an Balast- und Schleimstoffen, die das Brot zusammenhalten
und dank ihrer reinigenden Wirkung sogar Giftstoffe aus dem Körper leiten.
Löse hierfür 3 EL Kokosöl in 350 ml warmem Wasser auf und mische danach alle trockenen Zutaten hinzu.

Fülle die gut vermengte Masse in eine gefettete Kastenform und lasse den Teig über Nacht ruhen.
Am nächsten Morgen wird das Brot mit etwas Wasser besprenkelt und bei 180 Grad für 25 Minuten im Ofen gebacken.
Nach dieser Zeiz nimm das Brot aus der Form, drehe es um und lasse es für weitere 30 Minuten backen.
Das Brot bietet sich auch als Snack an, bestrichen mit etwas Quark, Hummus oder Butter.

Das Gute erwarten

Freudig begrüsse ich den Briefträger, der gerade dabei ist, die Briefkästen bei unserer Haustür zu füllen. Ich erzähle ihm, dass ich vom Einkauf schon etwas müde bin und mich nun richtig auf eine Kaffeepause auf dem Balkon freue, bei der ich gemütlich meine Post durchsehen kann.
Der Briefträger weiss allerdings, dass heute gar keine Post für mich dabei ist. Doch er möchte mich nicht enttäuschen. Deshalb schenkt er mir kurzerhand eine Zeitung, noch bevor ich die Leere in meinem Briefkasten entdecke.

Die Tageszeitung zum Kaffee hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Wie freundlich doch diese kleine Geste war.
Und ja – vielleicht sollte ich viel öfter das Gute erwarten und es voller Zuversicht und Freude aussprechen.
Wer weiss, was dann alles noch „in meinem Briefkasten“ landet …

Dasselbe gilt vielleicht auch für die Welt und ihre Menschen – was meint ihr?
Was wäre, wenn wir anfangen würden, Gutes für sie zu erhoffen und daran zu glauben?
Wenn wir es immer wieder aussprechen würden?

Habt noch ein schönes Wochenende


Noch einen Schritt…

…und ich wäre im Schlamm versunken.

Heute ist mir unverständlich, wie ich mich in eine derart gefährliche Lage bringen konnte. Ich war allein auf dem Israel National Trail unterwegs, der auf diesem Abschnitt durch ein bewaldetes Gebiet entlang des Flusses Yarkon führte. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Seit Tagen hatte es stark geregnet, und der Fluss war bis zum Rand mit dunklem, schlammigem Wasser gefüllt. Der Weg sah kaum besser aus.
Den morastigen Passagen versuchte ich so gut wie möglich auszuweichen. Ich war nun schon eine ganze Weile unterwegs und hatte bereits einige Hindernisse tapfer überwunden. Doch dann kam der Moment, in dem ich vor lauter Schlamm und Wasser den Weg nicht mehr erkennen konnte. Trotzdem ging ich weiter – umkehren war keine Option mehr. Plötzlich spürte ich, wie der Boden unter mir nachgab. „HALT! ZURÜCK!“

Sofort zog ich den Fuß aus dem Schlamm und setzte vorsichtig einen Schritt zurück, wobei ich darauf achtete, einen Büschel Gras als Halt zu erwischen. Langsam verlagerte ich mein Gewicht und tat dasselbe mit dem anderen Fuß. Schritt für Schritt ging ich rückwärts, bis ich wieder festeren Boden unter mir spürte.

Dann ergriff mich der Schrecken. Panikartig kletterte ich die steile Böschung auf der anderen Seite des sumpfigen Weges hinauf. An Sträuchern und Ästen konnte ich mich festhalten und hinaufziehen. Mein Herz pochte. Ich begriff, dass ich gerade noch einmal mit dem Leben davongekommen war. Beinahe wäre ich in den Fluss gerutscht.
Oben angekommen, rannte ich in die Richtung, von der ich glaubte, am schnellsten aus dem dichten, sumpfigen Dschungel herauszukommen. Weg vom Fluss, vom Wald – bloß weg hier!

Und wirklich – schon bald befand ich mich außerhalb des Waldes mitten in einer riesigen Grapefruitplantage. Aus der Ferne vernahm ich schwache Autogeräusche. Es konnte also nicht mehr weit bis zu einer Straße sein. Aber ich war völlig außer Atem. Erst einmal verschnaufen.
An Armen und Beinen spürte ich die Kratzer, die ich beim Hochklettern der Böschung abbekommen hatte. Ich blickte mich um. In einiger Entfernung entdeckte ich einen Mann, orthodox gekleidet, der regungslos zwischen den Bäumen stand. Ob er wohl betete? Ich lief auf ihn zu und sprach ihn an: „Kannst du mir bitte den Weg zur Straße zeigen?“
Ich wusste aus Erfahrung, dass orthodoxe Männer sich Frauen gegenüber oft zurückhaltend verhalten. Doch er antwortete freundlich: „Komm mit mir, ich gehe denselben Weg.“
Seine Worte wirkten wie eine Umarmung, wie Erlösung. Wer weiß, vielleicht hatte er meine Erschöpfung und meine Angst gesehen. Wir gingen schweigend nebeneinander her. Mit jedem Schritt wurde mir leichter ums Herz. Ich konnte wieder ruhig atmen.
Da begann ich mich zu fragen, was er wohl allein in dieser Plantage gemacht hatte. Er wirkte nicht wie jemand, der dort arbeitete. Vielleicht hatte er tatsächlich gebetet? Schließlich fasste ich mir ein Herz und fragte: „Was hast du eigentlich ganz allein in der Plantage gemacht?“
Er antwortete nicht sofort. Sein Blick ging ins Leere, als würde er etwas in sich abwägen. Dann sagte er leise: „Ich glaube, ich habe auf dich gewartet.“

unerwartet erwartet sein
Begegnung mit einem Fremden, die ich nie mehr vergessen werde