Halluxination

Wenn ich dieses Bild betrachte,
kriege ich gleich Halluxinationen

Auch der Stein scheint ihn zu kennen,
diesen Schmerz, den zu benennen
sonst nur jene wirklich können,
die aus Erfahrung wissen,
wie es ist mit solchen Füssen.

Der Letzte

Du warst der Letzte, 
in den ich mich verliebte,
an den ich mich so gerne schmiegte,
und der es offenbar auch schätzte.

Du warst der Letzte,
für den ich alles tat
von Herzen gab, um was er bat,
und der mich dennoch stets verletzte.

Du warst der Letzte,
dem ich mich anvertraute,
dem ich seine Worte glaubte,
und der mich rücksichtslos versetzte.

Du bist der Allerletzte.



vom Sagen

Vom Nichts-sagen-Können
zum Nichts-sagen-Dürfen,
hin zum Mut,
doch einmal was zu sagen,
und merken:
Wow – ich kann etwas sagen, und ich darf.
Und mehr noch:
Ich habe etwas zu sagen.


Aber dann kommt irgendwann die Einsicht:
Ich muss nicht alles sagen.
Beziehungsweise:
Schweigen ist manchmal gescheiter.

Je länger, je mehr.
😌

Heute geniesse ich besonders jene Momente,
die ohne Worte auskommen


ein befreiender Traum…

Der Traum war folgender:

Kurz vor Ladenschluss wollte ich bei einer Tankstelle die Toilette benutzen. Die Angestellte hatte zwar alles schon geputzt, sie liess mich aber freundlicherweise noch schnell hinein.
Dummerweise dauerte es dann doch länger als gedacht. Als wäre das nicht schon genug gewesen, leerte ich auch noch die alten Essensreste aus meinem Rucksack in die Toilettenschüssel und betätigte anschliessend die Spülung.
Doch die Toilette – sie war aus irgendeinem Grund auch noch durchsichtig und auf Augenhöhe – wollte das alles nicht schlucken. Das Ganze sah fürchterlich aus, und ich stand fassungslos davor.
Schliesslich ging ich hinaus, da ich nichts mehr ausrichten konnte und sagte zur Angestellten:
„Kontrollieren Sie die Toilette lieber noch einmal. Ich habe sie ziemlich stark beansprucht.
“

Vielleicht war es kein Zufall, dass mein Unterbewusstsein dafür ein so drastisches und gleichzeitig humorvolles Bild gewählt hat: Was lange mitgetragen wurde, musste endlich raus. Es war zwar unangenehm und chaotisch anzusehen, aber gleichzeitig unglaublich befreiend. Gerade dieses Gefühl blieb mir nach dem Traum besonders in Erinnerung – die Erleichterung, dass ich etwas, was mich schon lange belastete, hinter mir lassen konnte. Der Traum war sozusagen eine Bestätigung, dass es so gut war.

Ich hoffe, die Tankstellendame konnte damit umgehen 🙈😌

Zum Thema hier auch noch ein humorvolles Gedicht ☺️
https://brigwords.com/2018/09/01/scheiss-drauf/

Ich schenke dir mein Königreich

Im Gedenken an Jürg

Weißt du noch vor 36 Jahren, als du mich zum ersten Mal mit zu dir nach Hause nach Liechtenstein genommen hast? Wir sind vom Baselbiet über das Toggenburg gefahren, bis nach Liechtenstein. Bevor es hinunter ins Rheintal ging, hast du beim Zollhaus oberhalb von Gams angehalten und mich gebeten auszusteigen.
Es war schon dunkel. Wir standen auf der Anhöhe und schauten hinunter auf die vielen Lichter im Tal und hinüber auf die Berge Liechtensteins. Dann legtest du deinen Arm um mich und sagtest:
„Schau, das ist mein Königreich. Ich schenke es dir!“
Und so kam es dann auch.

Du hast mir und meinen Kindern eine neue Heimat geschenkt.

Hahnenspil, 25. September 2024

Vor zwei Jahren – an deinem Todestag stand ich auf wundersame Weise
spät abends oben auf dem Berg und schaute hinab auf das Lichtermeer des Rheintales.

Ich weiss nicht mehr, was mir damals durch den Kopf ging.
Möglicherweise nichts. Ich schaute einfach hinaus in die Nacht.

Und dann kam plötzlich die Erinnerung zurück.
Es war mir, als legtest du deinen Arm um mich.
Und deine Worte klangen wieder an mein Ohr:
„Schau, das ist mein Königreich, ich schenk es dir!“

Seit diesem Tag
– wann immer ich auf den Berg steige
und ins Rheintal hinunterblicke –
denke ich an dich und deine Worte.

Danke, Jürg
Danke für die Heimat und für alles,
was du uns geschenkt hast.

dini Brig uf Ärde