„Allerheiligen, Allerseelen…

…und dann komme ich, Jürgallein!“

Damit hatte mein Mann jeweils augenzwinkernd auf seinen Geburtstag hingewiesen, wenn er danach gefragt wurde. Natürlich hatte er dabei nicht bedacht, dass sein Geburtstag tatsächlich irgendwann zum Gedenktag wird.
Und ausgerechnet an diesem Tag haben wir ihn auch beerdigt. ❤️

Nach Allerheiligen und Allerseelen gedenke ich also heute „Jürgallein“.
Und zwar mit dem kleinen Gedicht, das ich ihm schon zum 60. Geburtstag geschrieben habe.
Heute wäre er 70 Jahre alt geworden.
Jürg war ein genialer Softwareentwickler.
Auch in seiner Freizeit tüftelte und programmierte er mit Begeisterung.
Für seine eigenen Kreationen hatte er sogar eine eigene Marke ins Leben gerufen: Birnensoft (Bireweich).*
Er hatte einen ausgesprochen Sinn für Unsinn.
Wir teilten oft denselben Humor und konnten herrlich miteinander lachen – nicht zuletzt auch über uns selbst.

Mit zunehmendem Alter brachte er allerdings schon mal das eine oder andere durcheinander.
Manchmal entstanden daraus richtig amüsante Situationen.
Eine davon war die Geschichte mit dem Schloss.

Deshalb:

Mein Götz ist eine Leuchte
doch nach 60 Jahr,
ist das, was er jetzt bräuchte,
ein neues Birnenpaar

Die eine flackert manchmal,
die andre brennt nicht klar,
doch wenn wir beide lachen,
ist alles wunderbar.

alles Gute zum Geburtstag, du lieber Schlawiner!
Möge die Erleuchtung gross sein
und die Birnen hell!
♥️♥️♥️

Birnensoft – mit Anspielung auf Microsoft und Apple
„Bireweich“ – bedeutet auf Schweizerdeutsch so viel wie „völlig unsinnig“, „blödsinnig“ oder „nicht ganz bei Trost“.

Eine kleine Gutenachtgeschichte zum Schmunzeln

Wie es so ist, wenn man mit kleinen Kindern einkaufen geht – sie sehen etwas, das sie dann unbedingt haben wollen:
«Liebe Dita, bitte, bitte! Darf ich dieses süsse Nachtlicht haben?», bettelte Emmi, meine achtjährige Enkelin. «Ich habe mir schon immer einen kleinen leuchtenden Pandabären gewünscht!»
Und dann erzählte sie mir, dass sie kürzlich mit Papa schon in hier war und Papa einfach an den Lichtern vorbei lief, ohne auf ihren Wunsch einzugehen. Ich kann das natürlich verstehen.

Nun stand ich etwas unsicher mit ihr und ihrer vierjährigen Schwester Lilith vor dem Regal und überlegte einen Moment. Da verkündete die Schwester, dass sie dann das andere, das Einhornlämpchen nehmen würde.
Aha, okay. Natürlich. Sie will auch eins.
«Nun, eure Eltern werden sich wahrscheinlich nicht so freuen, wenn ihr schon wieder neue Sachen heimbringt.»
«Meines können wir ja dann bei dir lassen, Dita», bot mir Lilith entgegenkommend an. «Wenn ich dann bei dir schlafe, ist das Nachtlämpchen schon da.»
Gute Idee, das entspannt die Lage etwas, dachte ich. Obwohl – ich möchte eigentlich genauso wenig wie die Eltern zu viele der Dinge horten. Aber ich hatte an diesem Tag das Bedürfnis, die beiden ein wenig zu verwöhnen, und kaufte die Lämpchen.
Gesagt, getan: Das eine blieb bei mir, das andere wurde fest ans Herz gedrückt und nach Hause getragen.

Ich muss gestehen, dass mir das Einhorn gefällt. Es erinnert mich nicht nur an meine süsse Enkelin, sondern es ist auch wirklich praktisch. Das Lämpchen steht meistens auf der Kommode im Korridor und spendet nachts gerade genug Licht, um den Weg zur Toilette zu finden. Und natürlich schläft das Einhorn bei uns im Bett, wenn die Mädchen bei mir sind.
Mittlerweile mag ich das Lämpchen so sehr, dass ich es gar nicht mehr hergeben möchte. Und so fragte ich Lilith letzthin mit einem Zwinkern in den Augen, ob ich es behalten dürfe.
«Aber Dita …», entgegnete sie und schaute mich ganz erstaunt an. «Natürlich darfst du es behalten. Ich habe es extra für dich gekauft!»

Halluxination

Wenn ich dieses Bild betrachte,
kriege ich gleich Halluxinationen

Auch der Stein scheint ihn zu kennen,
diesen Schmerz, den zu benennen
sonst nur jene wirklich können,
die aus Erfahrung wissen,
wie es ist mit solchen Füssen.

Der Letzte

Du warst der Letzte, 
in den ich mich verliebte,
an den ich mich so gerne schmiegte,
und der es offenbar auch schätzte.

Du warst der Letzte,
für den ich alles tat
von Herzen gab, um was er bat,
und der mich dennoch stets verletzte.

Du warst der Letzte,
dem ich mich anvertraute,
dem ich seine Worte glaubte,
und der mich rücksichtslos versetzte.

Du bist der Allerletzte.



vom Sagen

Vom Nichts-sagen-Können
zum Nichts-sagen-Dürfen,
hin zum Mut,
doch einmal was zu sagen,
und merken:
Wow – ich kann etwas sagen, und ich darf.
Und mehr noch:
Ich habe etwas zu sagen.


Aber dann kommt irgendwann die Einsicht:
Ich muss nicht alles sagen.
Beziehungsweise:
Schweigen ist manchmal gescheiter.

Je länger, je mehr.
😌

Heute geniesse ich besonders jene Momente,
die ohne Worte auskommen