
Je nach Lichteinfall sind auf dem Stein
gleich mehrere Gesichter zu erkennen.
Sogar zwei, die sich küssen
😊
vom Leben berührt – Gedichte und Geschichten

Je nach Lichteinfall sind auf dem Stein
gleich mehrere Gesichter zu erkennen.
Sogar zwei, die sich küssen
😊
Der Traum war folgender:
Kurz vor Ladenschluss wollte ich bei einer Tankstelle die Toilette benutzen. Die Angestellte hatte zwar alles schon geputzt, sie liess mich aber freundlicherweise noch schnell hinein.
Dummerweise dauerte es dann doch länger als gedacht. Als wäre das nicht schon genug gewesen, leerte ich auch noch die alten Essensreste aus meinem Rucksack in die Toilettenschüssel und betätigte anschliessend die Spülung.
Doch die Toilette – sie war aus irgendeinem Grund auch noch durchsichtig und auf Augenhöhe – wollte das alles nicht schlucken. Das Ganze sah fürchterlich aus, und ich stand fassungslos davor.
Schliesslich ging ich hinaus, da ich nichts mehr ausrichten konnte und sagte zur Angestellten:
„Kontrollieren Sie die Toilette lieber noch einmal. Ich habe sie ziemlich stark beansprucht.“
Vielleicht war es kein Zufall, dass mein Unterbewusstsein dafür ein so drastisches und gleichzeitig humorvolles Bild gewählt hat: Was lange mitgetragen wurde, musste endlich raus. Es war zwar unangenehm und chaotisch anzusehen, aber gleichzeitig unglaublich befreiend. Gerade dieses Gefühl blieb mir nach dem Traum besonders in Erinnerung – die Erleichterung, dass ich etwas, was mich schon lange belastete, hinter mir lassen konnte. Der Traum war sozusagen eine Bestätigung, dass es so gut war.
Ich hoffe, die Tankstellendame konnte damit umgehen 🙈😌
Zum Thema hier auch noch ein humorvolles Gedicht ☺️
https://brigwords.com/2018/09/01/scheiss-drauf/
Im Gedenken an Jürg
Weißt du noch vor 36 Jahren, als du mich zum ersten Mal mit zu dir nach Hause nach Liechtenstein genommen hast? Wir sind vom Baselbiet über das Toggenburg gefahren, bis nach Liechtenstein. Bevor es hinunter ins Rheintal ging, hast du beim Zollhaus oberhalb von Gams angehalten und mich gebeten auszusteigen.
Es war schon dunkel. Wir standen auf der Anhöhe und schauten hinunter auf die vielen Lichter im Tal und hinüber auf die Berge Liechtensteins. Dann legtest du deinen Arm um mich und sagtest:
„Schau, das ist mein Königreich. Ich schenke es dir!“
Und so kam es dann auch.
Du hast mir und meinen Kindern eine neue Heimat geschenkt.

Hahnenspil, 25. September 2024
Vor zwei Jahren – an deinem Todestag stand ich auf wundersame Weise
spät abends oben auf dem Berg und schaute hinab auf das Lichtermeer des Rheintales.
Ich weiss nicht mehr, was mir durch den Kopf ging.
Möglicherweise nichts.
Und dann kam plötzlich die Erinnerung zurück.
Es war mir, als legtest du deinen Arm um mich.
Und deine Worte klangen wieder an mein Ohr:
„Schau, das ist mein Königreich, ich schenk es dir!“
Seit diesem Tag
– wann immer ich auf den Berg steige
und ins Rheintal hinunterblicke –
denke ich an dich und deine Worte.
Danke.
Danke für die Heimat und für alles,
was du uns geschenkt hast.
dini Brig uf Ärde
…lasst die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn

Heute ist in Israel Jom Kippur – Versöhnungstag – der höchste, jüdische Feiertag. Das Land steht still. Kein Straßenverkehr, die Geschäfte sind geschlossen, und die meisten Menschen – auch viele nicht religiöse – fasten und halten die Ruhe ein.
Jom Kippur macht deutlich, welch hohen Stellenwert Versöhnung im menschlichen Leben hat. Auch wenn zunächst die Versöhnung zwischen Mensch und Gott im Mittelpunkt zu stehen scheint, setzt diese die Versöhnung mit den Mitmenschen doch voraus. Es geht darum, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, um Vergebung zu bitten und, wo immer möglich, Frieden miteinander zu finden.
Da ich gerade in Israel bin, ist dieser Tag für mich Anlass, innezuhalten und über mein Leben und meine Beziehungen nachzudenken. Meine Gedanken gehen dabei besonders zu meinem Mann, dessen Todestag sich bald zum zweiten Mal jährt. Ich denke heute vor allem an die Worte, die ich ihm vor seinem Abschied nicht gesagt habe – und an eine Gelegenheit zur Versöhnung, die ich nicht genutzt habe.
Ihm seien die folgenden Zeilen gewidmet – und all jenen, die sich darin wiederfinden oder sich davon angesprochen fühlen.
Gerade heute,
wenn ich an dich denke,
schmerzt es mich,
dass wir uns nicht ganz versöhnt verabschieden konnten
Es gibt vieles, das zwischen uns offen geblieben ist.
Worte, die nicht mehr gesprochen wurden.
Dinge, für die wir einander noch hätten um Vergebung bitten müssen.
Es geschah nicht aus bösem Willen.
Wir haben es einfach nicht vermocht.
Das Leben hat nicht gereicht.
Gerade heute,
wenn ich an dich denke,
trösten mich deine letzten Worte,
das Bild, welches du beschrieben hast
deine Hand
und meine Hand
in einem Kreis
Es tröstet mich, dass dieses Bild in mir bleibt
und mich daran erinnert, dass wir uns geliebt haben.
Wir haben das Beste füreinander gewollt.
Wir haben wunderbare Jahre erlebt,
auch wenn der Weg manchmal schwierig war.
Das Leben mit dir war schön.
Gerade heute
bin ich dankbar dafür.
Gerade heute,
wenn ich an dich denke,
spüre ich,
wie sehr ich Versöhnung leben möchte.
Ich möchte um Vergebung bitten,
wo ich schuldig geworden bin
und vergeben, wo ich verletzt wurde.
Ich möchte Frieden haben
mit Gott und den Menschen
Gerade heute,
wenn ich an dich denke,
habe ich Zuversicht,
dass Gott das Unversöhnte zwischen uns nicht einfach stehen lässt
Ich vertraue, dass auch uns noch ein Jom Kippur, ein Versöhnungstag bevor steht,
wo wir uns Wahrheit begegnen
und verstehen werden.
Ich glaube, dass das Unvollendete noch vollendet werden darf.
Vor meinen Augen sehe ich es,
deine Hand
und meine Hand
in einem Kreis.
Gerade heute, wenn ich daran denke,
freue ich mich darauf.
…die Reise zu seiner Schwiegerfamilie steht schon lange fest. Leider hat ein Todesfall, Krieg und Sonstiges sie bisher verhindert. Aber jetzt sollte es endlich klappen. Ich begleite ihn, damit er nicht alleine reisen muss. Bei dieser Gelegenheit wollen wir im Land auch noch wandern gehen. Darauf freue ich mich besonders. Die Koffer sind gepackt….
Hab ich schon erzählt, was eben
mir den Bach hinunter ging?
Und wie ich unverhofft alleine
ohne Gert im Flugzeug bin?
Dreimal schon gebucht, verworfen,
scheint das vierte Mal, wie schön,
endlich, endlich doch zu klappen,
Morgen schon wird’s soweit sein.
Denkste! Nein, nicht hier auf Erden!
Stunden vorher ruft er an 😳
Leider hätt er Herzbeschwerden,
so, dass er jetzt nicht reisen kann.
Nicht reisen? Macht er mit mir Witze?
Morgen gehn wir beide fort!
Ich, die ihn begleiten sollte,
was soll ich jetzt alleine dort?
Die Wanderungen in der Wüste,
Hotels und das Mietauto?
Alles fällt mit ihm ins Wasser,
und meine Laune sowieso!
Das ist wirklich schwer zu schlucken,
schwer, den „Schalter umzudrehn“.
mich zu entscheiden, doch zu reisen,
und mich darauf auch noch zu freun.
Nun, wer weiss, vielleicht wird’s besser,
als ich je zuvor gedacht.
Wenn nicht, so hab ich immerhine
noch das Beste draus gemacht.
Ich bin dann mal weg….

ein Passagier fehlt

noch weiss ich nicht,
wie ich meine Ferien verbringen werde

Aber über den Wolken scheint alles nicht mehr so schwer.
Es wird schon gut werden.
Ein Kaffee wäre jetzt einfach noch gut gewesen
(siehe vorigen Beitrag)
Übrigens- ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, dass mir der Kollege völlig egal ist. Ich habe hier einfach den Schreckmoment verarbeitet
Kann ich einen Kaffee haben,
einen kleinen Kaffee please ?
Sonst ist alles gut, ich brauche
just a coffee for my peace.
Oki Doki, ich kann warten,
die Crew ist busy im Moment.
Und das Flugzeug wackelt heftig,
was ich gar nicht lustig find.
Hello there, where is my coffee?
Bald ist Landung angesagt 😳
Just a coffee wäre super,
Zweimal hab ich schon gefragt.
Ach, der Service lässt zu wünschen
übrig bleibt mein trockner Mund.
Just a coffee für den Frieden
wäre jetzt nicht viel verlangt.
Ess ich halt den Kuchen ohne,
ohne Kaffee, sei‘s halt drum.
Dazu ein klein Gedichtlein schreiben,
so geht die Zeit im Fluge um.

Das Essen auf dem Flug war übrigens schrecklich
Ein geschmackloses Sandwich mit undefinierbarem Inhalt, ist in der Mikrowelle beinahe verbrannt 🙈
Das könnten sie sich echt sparen!
Und dafür Kaffee verteilen
☕️😀☕️
Der Blickwinkel bestimmt das Wunder:
Was wir sehen, wächst mit der Art, wie wir schauen.

Mein Bruder hat mir kürzlich offenbart, dass ihm das
Zusammensein mit mir keinen Mehrwert bringt 😢
Bruder,
ich bin mehr wert
als der Mehrwert,
den du von mir erwartest.
Brächte ich ihn,
welchen Wert würde er vermehren?
Ich bin Mensch.
Du bist Mensch.
Wertvoll,
so wie wir sind.

Solche Aussagen könnten einem wahrlich erdrücken und sich wie ein bedrohlicher Berg vor einem auftürmen.
Aber man kann den Berg auch erklimmen und „drüber“ stehen. Oben angekommen, weiter sich der Blick und was da unten eben noch bedrohlich war, verliert plötzlich seine Grösse. 😌
Du kanntest mich, mein Liebster,
du wusstest, wer ich war.
Du sahst mein stetig Werden
und Wachsen, Jahr um Jahr.
Du hast mit mir gesungen
und hast mit mir gelacht.
Du wusstest was ich liebe
und was mir Freude macht.
Du warst mein eng Vertrauter,
der auch mein Scheitern sah,
und der mich trotzdem liebte,
was immer auch geschah.
Du nanntest mich beim Namen,
den du mir selber gabst,
und der nun längst verklungen,
weil du ihn mit Dir nahmst.
Du hättest manche Tage,
wie diesen heut bedacht,
und hättest Sonnenblumen
vom Felde mitgebracht.
Kannst du wohl ermessen,
Wie schwer es manchmal ist,
dass du, der alles wusste,
nicht mehr bei mir bist?
Und dass mit dir viel Schönes
aus meinem Leben ging,
so dass ich mich schon fragte,
wer ich denn jetzt noch bin?
Ich sag: „Ich bin!“ Und: „Ja, ich werde
mit dir im Herzen weitergehn!“
Und eines Tages,
Götz, mein Lieber,
werden wir uns wiedersehn.

zum Perlenhochzeitstag ❤️❤️❤️ dini Brig uf Ärde
Beitrag zur Mitmachaktion von Ruthie
Die Sage vom traurigen Knecht
Vor langer Zeit lebte auf einem Hof ein Knecht namens Johann. Er war kein schlechter Mensch, aber er trug eine schwere Last im Herzen. Nach dem plötzlichen Verlust seiner Liebsten verfiel Johann in eine tiefe, stumme Trauer. Er sprach kaum noch ein Wort, verrichtete seine Arbeit im Stall mechanisch und zog sich von allen Menschen zurück. Sein Glaube an das Gute in der Welt war erloschen.
In einer klirrend kalten Winternacht, als der Frost das Holz des Stalls zum Knacken brachte, saß Johann allein bei den Kühen. Er öffnete für einen Moment die Stalltüre, blickte in die endlose, schwarze Nacht hinaus und rief voller Verzweiflung: „Wenn mich doch nur die Erde verschlucken würde, damit dieser Schmerz im Herzen endlich aufhört. Ich will kein Teil dieser Welt mehr sein!“
Die alten Sagen erzählen, dass in solchen Nächten die Grenze zwischen den Welten hauchdünn ist und das Schicksal jedes verzweifelte Wort auf die Goldwaage legt. Plötzlich fuhr ein tiefer, warmer Windstoß durch die Ritzen des Stalls. Es war gerade so, als hätte die Vorhersehung seine Worte gehört.
Als Johann die Stalltüre schließen wollte, spürte er, wie die Wärme seinen ganzen Körper wie eine Umarmung durchströmte. Es fühlte sich wunderbar an. Seine Hände hielten den Holzbalken der Türe umklammert.
Da wurde er gewahr, dass die Wärme allmählich durch die Finger von ihm wich. Es tat nicht weh; es war vielmehr so, als würde gleichzeitig die schwere Trauer aus seiner Brust direkt in die Fasern des Holzes fließen. Langsam, Zentimeter für Zentimeter, verschmolz sein Körper mit dem hölzernen Pfosten des Stalltors. Er wehrte sich nicht. Er schloss die Augen und fand endlich den Frieden, nach dem er sich so sehr gesehnt hatte.

Als die Bauersleute am nächsten Morgen durch die offene Stalltüre eintraten, war Johanns Schlafplatz leer. Niemand hatte ihn gehen sehen, und im Schnee gab es keine Spuren. Erst als der Bauer wieder aus dem Stall trat und das Tor schliessen wollte, entdeckte er das Abbild im Holz: Es war das Gesicht von Johann. Doch es zeigte keinen Zorn, sondern den unendlich traurigen, sehnsuchtsvollen Blick, den er an seinem letzten Abend gehabt hatte.
Seit diesem Tag, so erzählt man sich, ruht der Hof unter einem besonderen Schutz. Johann war zwar aus der Welt der Lebenden verschwunden, doch als stummer Wächter im Stalltor wacht er fortan über das Vieh und den Hof – gebannt im Holz, bis seine Trauer irgendwann ganz vergangen sein wird.
Geschichten und Sagen sind schon immer durch Zusammenarbeit entstanden. Früher saßen die Menschen in der Spinnstube zusammen: Einer hatte die Idee oder brachte ein Fundstück mit, der Nächste spann den Faden weiter, und der Dritte schmückte es mit den passenden Worten aus. Genau so haben wir das auch gemacht: KI und ich 😀