de erschti Priis

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Min Unggle het en Schiilift gha

am Hügel näb sim Huus

i bi damals nones Chind

es Schüchs gsi und es Chlis

Fahre hani zwar scho chönne,

breit und beinig uf de Schii

aber bim e Renne gwünne

wär ganz und gar unmöglich gsi

Das hani gwüsst woni verstohle

de Gschänklitisch bestuunet ha

für All wo starte hets döt Priise

schön und wunderbari gha

 

Eine het mer bsunders gfalle

aber ebe…s’isch wie s’isch

de wo gwünnt wird ohni Zwiifel

grad DAS Gschänkli neh vom Tisch

Es isch es Taschelämpli rot

es runds gsi und mit chline

wienes Mariechäferli

mit schwarze Pünktli fine

No nie hani es sones härzig

Tierli gseh zum lüchte

genau das wärs woni grad jetz

zum glücklich si no brüüchte

 

Es het mi gwüss grad animiert zum

schnäller si denn je

und so guet is halt ha chönne

bin i abe ufem Schnee

Gnützt hets aber gar nid vill

uf de Lischte wiit wit hinde

jo, die Letschti bini gsi

die Letscht vo allne Chinde

De Unggle het mi denne tröschtet:

„Lueg es het doch gwüss

au für di es chlises Gschänkli

zum Bispil dört die feine Nüss!“

 

De Tisch isch fascht scho abgruumt gsi

woni bi zuenem cho

und gseh – ungläubig- s’Chäferli

de erscht Priis lit no do!

Ganz verläge hanis gno

unds  nid so rächt verstande

dass niemer, keine usser mir

das Lämpli kuul het gfunde

Sicher ischs en Irrtum gsi

drum hanis schnäll versteckt

villicht hätt ein im nach hinein

de Irrtum no entdeckt

 

Wo’s dunkel gsi isch a däm Obe

het es überglücklichs Chind

dihei im Bett under de Decki

mit em Chäferlämpli gspillt

und so zu sich sälber gseit

was kümmeret mich e Lischte

niemert weiss es aber hüt

hani gwunne uf de Pischte

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Ulrich Schaffer | Nicht noch mehr Menschen

Ich brauche nicht noch mehr Menschen, um erfüllt zu sein.
Es reicht, mein Leben mit denen zu vertiefen,
die ihr Leben mit meinem teilen wollen.
Wir können weiter über das nachdenken, was uns angeht,
wir können neue Dimensionen erforschen
und unserer Zeit miteinander eine andere Qualität geben.
Ich möchte über das reden,
was jetzt in der zweiten Lebenshälfte,
oder im letzten Drittel oder Viertel, wichtig ist.
Auch können wir noch offener und achtsamer sein
für die wortlose Kommunikation,
für die Schwingungen, in denen unsere Seelen leben.
Vielleicht wird es auch dazugehören,
die Menschen loszulassen,
die auf verschiedene Weise ausgedrückt haben,
dass sie diese Vertiefung mit uns nicht wünschen,
weil sie ihnen nicht wichtig oder zu anstrengend ist.
Es wird schmerzen, aber es wird gut tun, frei zu sein
für den eigenen Weg.

Ich will bei denen sein,
die mich bei sich wünschen.

Ulrich Schaffer

der Steinblick

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Ich leide am Steinblick beim Wandern

vor lauter Steine

kommt mir der Weitblick abhanden

mein Auge entdeckt

Grosse und Kleine

mitunter geschickt

findet es gar

ein seltenes Paar

was Glück ist

ich meine

das freut mich schon sehr

denn manche Steine

sind alt und antik

eigentlich alle

doch manche sind‘s mehr

und eben auch schick

darum passiert es

oft wegen einem

oder der Fülle

von schönen Steinen

dass ich den Ausblick

beim Wandern verpasse

die Augen am Boden

herum wandern lasse

es holt mich der Steinblick

doch jedes Mal ein

und lässt mich des Abends

noch steinreicher sein

 

IMG_3981 (Medium)

Andenken an die Wüstenwanderung im Negev, Israel

 

 

s’Schneewitli

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Im Brockehuus han is entdeckt
s’Schneewitlibuech
es koschtbars Exemplar
genauso alt wie’n ich
und jedi Siite ufklappbar

E sones Buech hett i als Chind
gwüss veruckt gern gha
s’isch mer gsi als wien en Traum
damals, wo’nis  gseh
und drinne blätteret ha

11 (Medium)
s‘Schneewitli drüdimensional
mit sine siebe Zwärge
die bösi Häx, de schöni Prinz
hinter de siibe Bärge
en Sarg us Glas und denne zletscht
am Königshof
es Hochzytsfescht

DSC06726 (Medium)
i han‘s gliebt und s’Bescht –
jetz lit das Buech vor mir!
E Stimm seit liis:
Das chaufsch dr grad
doch denn – g‘sehni de Priis
du mini Güeti isch das tüür!
hundert Schtutz
das isch jo g‘schpunne
x-mol han is dreit ir Hand
und mi denne andersch b’sunne

I bi defür mit miner Tochter
go n’es Kaffi trinke
wägem Buech het si nur gmeint:
huuu, das würd mir stinke
sovill Gäld, es isch no fräch
für alti Büecherwar
Mami, sicher gits das gliiche
woanders no vill billigar

13 (Medium)
Dihei han is em Maa verzellt
er het’s grad sofort gspürt
dass mi de Fund
jetzt halt berüehrt
und seit denn au: „Du liebi Frau
verchopf di nid wäg some Priis
mir gönge‘s morn go hole
denn hesch das Buech
denn isch es diis!“

Am nöchschte Tag im Brockehuus
isch d‘Enttüschig gross
mis Buech isch weg
s’isch niene meh
öpper heg’s grad poschtet
churz nachdem i gange bi
so isch de Bscheid
– es het mi g’fruschtet –
vom Brockibsitzer gsi

15 (Medium)
i han mi grämt und g‘ärgert
dass i so gizig gsi
und das Buech mir nid de Wert
nid wert isch gsi
zum’s sofort mit mir heime neh
fascht brüelt hani i derwäge
und mer gschwore denn:
s‘Nöschtmol losisch uf di Stimm
und schätzisch‘s si nid gring

Am Muettertag nid lang druf abe
chunnt mi Tochter z‘Bsuech
und leit mer fascht a chli verläge
uf‘s Bett es ipackts Buech
i packes us …..s’Schneewitli!

2 (Medium)
Jetzt hett i fascht vor Freud no brüelt
das tuusigs choge  Chind
isch heimlich no am gliiche Tag
is Brocki gange gschwind
hets Büechli kauft und so sin Wert
a säbem Muettertag
ums Vielfach nomol gschteigert
das isch wohl gar kei Frag

Novembergrau

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Novembergrau hüllt sich in Schweigen 

rauhe Winde jagen sich

düstere Gedanken fragen

plagen und bedrücken mich

 

Welt, die viel zu gross geworden

Zeit, die rasend schnell vergeht

Schicksal eines jeden Menschen

Erde die sich ewig dreht

 

Leben, dass mich überwältigt

Tod, und ob es weitergeht

Kinder, die geboren werden

Zukunft die vielleicht noch wird

 

Novembergrau hüllt sich in Schweigen

schwer und träge ist das Wort

Donner rollen und der Regen

peitscht die letzten Blätter fort

 

DSC06805 (Medium)

 

 

geborgen

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48101191_m

Ich schaue hinauf
zu den Bergen
von wo mir Hilfe kommt
du Gott
bist eine feste Burg
in deiner Herberge
bin ich geborgen
du bürgst für mich
wenn ich Schutz suche
und mich berge
bei dir 

In dir Gott
sind verborgen
des Lebens Zweck und Ziel
doch du verbirgst dich nicht vor mir
die Berge verkünden
deine Macht
die Himmel offenbaren
deine Gegenwart
du schenkst mir Geborgenheit
ich berge mich
bei dir

brig

 

Mohamed

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Ich suech en Mönsch uf dere Erde

vor langer Zyt han ich in kennt

und plötzlich g’spüre ich im Herze

öppis wo ganz dringend brennt

 

vergiss mich nie, het er mir einisch

gschriibe us sim Heimetland

de Brief hani hüt wieder gfunde

und heb en zittrig i de Hand

 

er isch en Flüchtling gsi vo vilne

und gflüchtet ja, das bin au i

doch damals simmer alli zäme

mitenand diheime gsi

 

sither sind vill Johr vergange

wiit ewäg isch säbi Zyt

und vill Schöns isch bliibe hange

wo immer i mim Härze bliibt

 

und es chlopft, wenn i dra dänke

wenn ich sis Bild und sini Chind

wenn ich si alueg und mich froge

öb ich si ächt no einisch find?

 

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Mohamed Dimassi, jetzt 64 Jahre alt
und seine beiden Kinder
in Sidon, Lebanon