Ulrich Schaffer | Nicht noch mehr Menschen

Ich brauche nicht noch mehr Menschen, um erfüllt zu sein.
Es reicht, mein Leben mit denen zu vertiefen,
die ihr Leben mit meinem teilen wollen.
Wir können weiter über das nachdenken, was uns angeht,
wir können neue Dimensionen erforschen
und unserer Zeit miteinander eine andere Qualität geben.
Ich möchte über das reden,
was jetzt in der zweiten Lebenshälfte,
oder im letzten Drittel oder Viertel, wichtig ist.
Auch können wir noch offener und achtsamer sein
für die wortlose Kommunikation,
für die Schwingungen, in denen unsere Seelen leben.
Vielleicht wird es auch dazugehören,
die Menschen loszulassen,
die auf verschiedene Weise ausgedrückt haben,
dass sie diese Vertiefung mit uns nicht wünschen,
weil sie ihnen nicht wichtig oder zu anstrengend ist.
Es wird schmerzen, aber es wird gut tun, frei zu sein
für den eigenen Weg.

Ich will bei denen sein,
die mich bei sich wünschen.

Ulrich Schaffer

Herbstgrüsse

 

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Herbstblatt

Wenn die Welt kälter wird
und die Natur ansetzt zum Winterschlaf,
langsam und behäbig

wie unsere Liebe sich entwickelte,
die ihre Zeit brauchte in der Stille
der gedeihlichen Entfaltung,

wenn dann ein rotes Blatt
vor mir sich drehend niederfällt
auf mein Shirt, auf meine Brust,

dann weiß ich, es ist ein Gruß,
ein lieber Gruß von dir
und ich nehme das Blatt

und behalte es für immer.

©PP

Gedicht mit freundlicher Genehmigung von Herzkoma ausgeliehen

Das Leben ist wie eine Reise im Zug

Im Februar dieses Jahres haben unsere Eltern ihren 80igsten Geburtstag gefeiert und uns zu diesem Anlass zu einer Reise mit dem „Churchill“ eingeladen. Es war dies ein ganz besonderes Erlebnis, mit der grossen Familie und vielen Freunden im gleichen Zug unterwegs zu sein. IMG_0197 (Medium)

Zufällig habe ich im Internet die Geschichte „der Zug des Lebens“  gefunden, die ich dann den Reisenden im Zug vorlas. Drei von ihnen sind bereits nicht mehr unter uns. Ihnen zum Gedenken sei die Geschichte auch hier aufgeschrieben. Möge sie jeden berühren, der sie liest.

Der Zug des Lebens

Das Leben ist wie eine Reise im Zug: Man steigt oft ein und aus, es gibt Unfälle, bei manchem Aufenthalten angenehme Überraschungen und tiefe Traurigkeit bei anderen. Wenn wir geboren werden, und in den Zug einsteigen treffen wir Menschen, von denen wir glauben, dass sie uns während unserer ganzen Reise begleiten werden: unsere Eltern Leider ist die Wahrheit einer andere. Sie steigen bei einer Station aus und lassen uns ohne ihre Liebe und Zuneigung, ohne ihre Freundschaft und Gesellschaft zurück.

Allerdings steigen andere Personen, die für uns sehr wichtig werden, in den Zug ein. Es sind unsere Geschwister, unsere Freunde und diese wunderbaren Menschen, die wir lieben. Manche der Personen die einsteigen, betrachten die Reise als kleinen Spaziergang. Andere finden nur Traurigkeit auf ihrer Reise. Und es gibt wieder andere im Zug, die immer da und bereit sind, denen zu helfen, die es brauchen. Manche hinterlassen beim Aussteigen eine immerwährende Sehnsucht… Einige steigen ein, und wieder aus, und wir haben sie kaum bemerkt..

Es erstaunt uns, dass manche der Passagiere, die wir am liebsten haben, sich in einen anderen Wagon setzen, und uns die Reise in diesem Abschnitt alleine machen lassen. Selbstverständlich lassen wir uns nicht davon abhalten, sie zu suchen und uns zu ihrem Wagon durchzukämpfen. Leider können wir uns dann doch nicht zu ihnen setzen, da der Platz an ihrer Seite schon besetzt ist. Macht nichts, so ist die Reise: voll von Herausforderungen, Träumen, Fantasien, Hoffnungen und Abschieden… aber ohne Rückkehr.

Also, machen wir die Reise auf die bestmögliche Weise. Versuchen wir mit unseren Mitreisenden gut auszukommen, und suchen wir das Beste in jedem von ihnen. Erinnern wir uns daran, dass in jedem Abschnitt der Strecke einer der Gefährten schwanken kann und möglicherweise unser Verständnis braucht. Auch wir werden öfter schwanken und es wird immer jemanden geben, der uns versteht.

Das große Mysterium der Reise ist, dass wir nicht wissen, wann wir endgültig aussteigen werden, und genau so wenig, wann unsere Mitreisenden aussteigen werden, nicht einmal der, der gleich neben uns sitzt.

Ich glaube, ich werde wehmütig sein, wenn ich für immer aus dem Zug aussteige…Ich glaube ja. Die Trennung von einigen Freunden, die ich während der Reise traf, wird schmerzhaft sein. Meine Kinder allein zu lassen, wird sehr traurig sein. Aber ich habe die Hoffnung, dass irgendwann der Zentralbahnhof kommt, und ich habe das Gefühl, sie ankommen zu sehen, mit Gepäck, das sie beim Einsteigen noch nicht hatten. Was mich glücklich machen wird, ist der Gedanke, dass ich mitgeholfen habe, ihr Gepäck zu vermehren und wertvoller zu machen.

Meine Freunde, schauen wir darauf, dass wir eine gute Reise haben und dass sich am Ende die Mühe gelohnt hat. Versuchen wir, dass wir beim Aussteigen einen leeren Sitz zurücklassen, der Sehnsucht und schöne Erinnerungen bei den Weiterreisenden hinterlässt.

Punchinello statt Peeple

DSC02194 (Medium) (2)blankes Entsetzen packte mich heute beim Lesen des „Blick am Abend“. Nein, keine schmutzige Pädophilengeschichte, kein Flüchtlingsdrama, keine Naturkatastrophe. Es kommt schlimm… Ein Artikel über das neue Internetportal peeple, welches die Möglichkeit schafft, unsere Mitmenschen mit Sternen zu bewerten, bzw abzuwerten. Wir machen das ja schon mit vielen Sachen, Hotels, Filme, Rezepte usw. Aber jetzt geht es um den Menschen selber!  Jeder kann mitmachen, sofern er einen Facebook Account hat. Das muss man sich mal vorstellen! Spätestens jetzt muss jedem klar werden, auf welches Ziel wir mit Facebook und all diesen angeblich sozialen Vernetzungen zusteuern. Ich prophezeie das ENDE! Das Ende jeglicher Achtung und Würde, der Einmaligkeit eines jeden Menschen, das Ende des Miteinanders, des Wohlwollens und der Güte, das Ende der Nächstenliebe und des Mitgefühls. Schlichtweg….. das Ende der Menschlichkeit.

Bewertung,
Punkteverteilung – aus dem Buch „du bist einmalig“ von Max Lucad

Wer sich noch tiefer in eine Welt, wo es nur noch Sterne oder dann eben schwarze Punkte gibt, hineindenken möchte, der lese die Geschichte von Punchinello von Max LucadoWir müssen halt wieder Kinderbücher lesen, wenn wir sonst nichts mehr wissen! Und die gute Nachricht steht übrigens auch drin in diesem Buch. Ich plädiere definitiv für  Punchinello statt peeple und hoffe, dass noch eine Wende kommt…