Wenn du mich beschreiben müsstest…

Wenn du mich beschreiben müsstest
was wäre ich für dich?
Frage - oder Ausrufzeichen
Ein Punkt? Ein Komma oder Strich?
Wäre ich ein einzig Wort?
Ein kompliziertes Satzkonstrukt?
Stünde ich bei dir in Klammern
oder nur in "kleingedruckt"?
Würdest du mich zwischen Zeilen
schreiben oder als Gedicht?
Eines, dass sich reimen würde
oder dann halt eben nicht?
Schriebest du mich wie ein Lied
mit wunderbarer Melodie?
Wäre ich in einem Märchen
eventuell die Goldmarie?
Wär ich Drama oder Krimi,
nur ein gähnender Roman?
In der Zeitung ein Artikel
oder wäre ich ein Psalm?
Wär ich längst eine Legende,
ein Limerick, ein blosser Witz?
Wär ich Drehbuch ohne Ende
oder nur 'ne Randnotiz?
Wie du mich immer schreiben würdest
kursiv, in Farbe oder fett
alles könnte ich ertragen
nur nicht dies: Ein leeres Blatt

Ja zum Leben sagen

Irgendwann
irgendwo
bin ich geboren
einfach so
niemand fragte
ob ich wollte
niemand sagte
was ich sollte
aber dann
schon ziemlich bald
wusste ich
dass ich es wollte

Und ich will es immer noch
Ich möchte leben
möchte doch!

Aber - es liegt weiterhin
nicht nur an mir 
dass ich hier bin
Wohin es geht
was noch geschieht?
Ob's mir gefällt
und ob es zählt?
Gerade hier
warum nicht dort?
Vielleicht schon morgen 
bin ich fort

Viele Fragen, die da sind
für die ich keine Antwort find
Alles was ich kann
ist wollen
dem Heute
Anerkennung zollen
Ja, ich will!
Ich will es leben!

So sagte ich es mir - soeben 

der Franzl im Schilf

Wie der Mose im schilfigen Meer
sitzt Franzl im Boot und ärgert sich sehr
wegen dem Schilf
und ruft um Hilf
doch niemand achtete ihn bisher
Da kommt die Brix aus Bux vorbei
sie sieht den Franzl, hört den Schrei
ein kleiner Schubs 
und Franz sinkt glugs
samt dem Bötchen ab wie Blei
Flink und behende griff Brix alsdann
ins Wasser und fischte Boot und Mann
Der sitzt nun still
und sagt ich chill
ganz gern im Schilf mal dann und wann 
denn auch er musst eingestehn
ein Boot aus Stein wird untergehn

psychosomatisch

E jede bruucht zum Läbe Ruum
es Ziel und Läbesluscht
doch hets kei Platz für si Vision
denn wirds ihm äng ir Bruscht 

Z’grosse Druck hebt keine us
es platzt em sus dr Chrage
wenn’s schlimm chunnt, het denn ein am Schluss
no grüüsig Gschwüür im Mage

D’Seel weiss scho,  wie vill genau
was z’vill isch zum erträge
d’Schultere und de Rügge au
schmärze oft drwäge

D’Angscht die lähmt, s’isch nid zum lache
alli Glieder und Organ
si isch en Grund, wo chrank chan mache
mängi tribt sie gar in Wahn

En Andere liidet unter Stress
het eifach gnueg um d‘Ohre
do wunderets denn kein am Schluss
wenn d‘Ohre fönd a suure

Wenn’s eim nid wohl isch i der Hutt
meh chönt grad ussere fahre
wenn sie rot und bisse tuet
gits en Grund villicht – en Wahre

Deprimiert wird eventuell
wär alls für sich tuet bhalte
was ihn bedrückt – doch gseht mes denn
a sine Sorgefalte

Und wenn’s denn ein nümme schlucke cha
was s’Läbe ihm serviert
so gschehts, dass ihm – me chas verstah
de Appetit verdirbt

Ä jede weiss es nur zu guet
d’Seel wohnt in eusem Härz
vom Härz in Körper fliesst alls Bluet
aber au sin Schmärz