min erschte Flug

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Mit fünfi bin i s‘erscht mol gfloge
und ha abegluet uf d‘Wält
mit em Mami wiit wiit obe
han i Städt und Dörfer zellt 

D’Tschduwardess, die liebi Frau
het mer Farbstift und Papier
Orangesaft und Tchipsli au
uf’s Tischli gstellt am Platz bi mir

I weiss no guet und wie’s isch gsi
und wieni gstuunet ha
d’Hüüser, d‘Stroose, alli chli
und druff hets Spielzügauti gha

Obwohl, so ganz verstande
han i die Reis jo nid
und dass mer denn sind glande
isch ir Erinnerig zwiit

Es isch mir aber bliibe
de bsunders schöni Tag
Ich und s’Mami si go fliege
nach Gänf und wieder zrugg

Sit denn si füfzig Jahr vergange
j
etz sitz i drin im Autobus
näbe mir isch mini Mame
mir sind schon bald am Airport dus

Ich bin‘s jetzte, wo tuet luege
sie ar Hand zum Flugzüg bringt
dass ihre wohl isch und tuet füege
u
nd euses chline Reisli glingt

S’Flugi isch scho bald druf abe
mit eus in Süde unterwägs
dass mir zwöi das nomol erläbe
das freut mi halt wie lätz

S’Mami gseht scho nüme guet
drum tue n‘em alles brichte
vom Flugzüg, wemme useluegt
was me alls chan sichte

Hoch ob de Wulche dänk i zrugg
zrugg an die ville Jahr
mit ihre bis zum erschte Flug
e Gschicht –  ganz wunderbar

für mis Mutti zum Muettertag

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uf em Bild obe bin i mit em rote Mänteli a de Hand vom Mutti

 

Gebärdensprache – mit den Händen sprechen

Wenn ich’s mir so überlege
war das erste Wort von mir

ohne Absicht in der Sprache
die ich heute sprech mit dir

Ich stand damals an der Strasse
und erhob die rechte Hand

mein Begehren hast du
sofort ohne Zweifel grad erkannt

 Du nahmst mich mit auf eine Reise
in ein völlig fremdes Land

das ich so auf diese Weise
vorher noch nicht hab gekannt

In dem Land gibt’s keine Stimmen
einen Lärm und kein Geschrei

deine Welt ist gänzlich stille
Geräusche sind dir einerlei

 Aber deine Hände sprechen
eine Sprache wunderschön

ich war völlig hingerissen
ihnen dabei zuzuhörn

von den Lippen meines Mundes
konntest du mein Wunsch verstehn

lehr mich deine Sprache sprechen
lass uns einmal wiedersehn

 Seither reden unsere Hände
sie erzählen ohne End
was des andern Welt bedeute
und wie er die Dinge nennt

dass ich dich getroffen habe
hat mein Leben tief berührt

du hast mich mit deinen Händen
in ein neues Land geführt

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In der Schweiz leben rund 10’000 vollständig Gehörlose
Bis zu 600’000 Personen sind leicht bis hochgradig schwerhörig.

Interssante Fragen und Antworten zum Thema
auf der Webseite des schweizerischen Gehörlosenbundes sgb-fss

 

 

 

 

 

im Zug mit dir

I han di gseh
am Bahnhof stoh
kei Zwiifel
bisches du, Antonio

I red di a
bisch überrascht
du kennsch mi grad
und lachisch
echli verläge fascht

wie lang hei mir
eus nümme gseh
und überhaupt
hei mir eus je
so richtig gseh?

I gspüres grad
de Augeblick
de ghört jetz eus
mir stiige i
was für es glück
in gliiche Zug
du und ich
zmitzt i de lüüt
es isch eus gliich

I lueg di a
und stuune
was du seisch
und wie du redsch
alls a dir isch mir bekannt
dis Lachä
dini Art
ob du’s au fühlsch?
mir sind
meh als nur verwandt

de Zug chunnt a
im Bahnhof Züri
sisch nid s’letschti Mol
wo mir eus gsend
das gschpüri
i dir und mir
isch öppis blibe hange
en Teil vo eus
im andere
wird immer Sehnsucht ha
und blange

 

Für min Cousin Antonio
Mir hend eus chürzlich zuefällig am Bahnhof troffe, sind in gliiche Zug iigstiege und hend mitenand  gred,
wahrschinlich s’erschti Mol überhaupt i eusem Läbe. Es isch mer gsi…als hätt i no en Brueder becho…

 

de erschti Priis

Min Unggle het en Schiilift gha

am Hügel näb sim Huus

i bi damals nones Chind

es Schüchs gsi und es Chlis

Fahre hani zwar scho chönne,

breit und beinig uf de Schii

aber bim e Renne gwünne

wär ganz und gar unmöglich gsi

Das hani gwüsst woni verstohle

de Gschänklitisch bestuunet ha

für All wo starte hets döt Priise

schön und wunderbari gha

 

Eine het mer bsunders gfalle

aber ebe…s’isch wie s’isch

de wo gwünnt wird ohni Zwiifel

grad DAS Gschänkli neh vom Tisch

Es isch es Taschelämpli rot

es runds gsi und mit chline

wienes Mariechäferli

mit schwarze Pünktli fine

No nie hani es sones härzig

Tierli gseh zum lüchte

genau das wärs woni grad jetz

zum glücklich si no brüüchte

 

Es het mi gwüss grad animiert zum

schnäller si denn je

und so guet is halt ha chönne

bin i abe ufem Schnee

Gnützt hets aber gar nid vill

uf de Lischte wiit wit hinde

jo, die Letschti bini gsi

die Letscht vo allne Chinde

De Unggle het mi denne tröschtet:

„Lueg es het doch gwüss

au für di es chlises Gschänkli

zum Bispil dört die feine Nüss!“

 

De Tisch isch fascht scho abgruumt gsi

woni bi zuenem cho

und gseh – ungläubig- s’Chäferli

de erscht Priis lit no do!

Ganz verläge hanis gno

unds  nid so rächt verstande

dass niemer, keine usser mir

das Lämpli kuul het gfunde

Sicher ischs en Irrtum gsi

drum hanis schnäll versteckt

villicht hätt ein im nach hinein

de Irrtum no entdeckt

 

Wo’s dunkel gsi isch a däm Obe

het es überglücklichs Chind

dihei im Bett under de Decki

mit em Chäferlämpli gspillt

und so zu sich sälber gseit

was kümmeret mich e Lischte

niemert weiss es aber hüt

hani gwunne uf de Pischte

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s’Schneewitli

Im Brockehuus han is entdeckt
s’Schneewitlibuech
es koschtbars Exemplar
genauso alt wie’n ich
und jedi Siite ufklappbar

E sones Buech hett i als Chind
gwüss veruckt gern gha
s’isch mer gsi als wien en Traum
damals, wo’nis  gseh
und drinne blätteret ha

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s‘Schneewitli drüdimensional
mit sine siebe Zwärge
die bösi Häx, de schöni Prinz
hinter de siibe Bärge
en Sarg us Glas und denne zletscht
am Königshof
es Hochzytsfescht

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i han‘s gliebt und s’Bescht –
jetz lit das Buech vor mir!
E Stimm seit liis:
Das chaufsch dr grad
doch denn – g‘sehni de Priis
du mini Güeti isch das tüür!
hundert Schtutz
das isch jo g‘schpunne
x-mol han is dreit ir Hand
und mi denne andersch b’sunne

I bi defür mit miner Tochter
go n’es Kaffi trinke
wägem Buech het si nur gmeint:
huuu, das würd mir stinke
sovill Gäld, es isch no fräch
für alti Büecherwar
Mami, sicher gits das gliiche
woanders no vill billigar

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Dihei han is em Maa verzellt
er het’s grad sofort gspürt
dass mi de Fund
jetzt halt berüehrt
und seit denn au: „Du liebi Frau
verchopf di nid wäg some Priis
mir gönge‘s morn go hole
denn hesch das Buech
denn isch es diis!“

Am nöchschte Tag im Brockehuus
isch d‘Enttüschig gross
mis Buech isch weg
s’isch niene meh
öpper heg’s grad poschtet
churz nachdem i gange bi
so isch de Bscheid
– es het mi g’fruschtet –
vom Brockibsitzer gsi

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i han mi grämt und g‘ärgert
dass i so gizig gsi
und das Buech mir nid de Wert
nid wert isch gsi
zum’s sofort mit mir heime neh
fascht brüelt hani i derwäge
und mer gschwore denn:
s‘Nöschtmol losisch uf di Stimm
und schätzisch‘s si nid gring

Am Muettertag nid lang druf abe
chunnt mi Tochter z‘Bsuech
und leit mer fascht a chli verläge
uf‘s Bett es ipackts Buech
i packes us …..s’Schneewitli!

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Jetzt hett i fascht vor Freud no brüelt
das tuusigs choge  Chind
isch heimlich no am gliiche Tag
is Brocki gange gschwind
hets Büechli kauft und so sin Wert
a säbem Muettertag
ums Vielfach nomol gschteigert
das isch wohl gar kei Frag

Mohamed

Ich suech en Mönsch uf dere Erde

vor langer Zyt han ich in kennt

und plötzlich g’spüre ich im Herze

öppis wo ganz dringend brennt

 

vergiss mich nie, het er mir einisch

gschriibe us sim Heimetland

de Brief hani hüt wieder gfunde

und heb en zittrig i de Hand

 

er isch en Flüchtling gsi vo vilne

und gflüchtet ja, das bin au i

doch damals simmer alli zäme

mitenand diheime gsi

 

sither sind vill Johr vergange

wiit ewäg isch säbi Zyt

und vill Schöns isch bliibe hange

wo immer i mim Härze bliibt

 

und es chlopft, wenn i dra dänke

wenn ich sis Bild und sini Chind

wenn ich si alueg und mich froge

öb ich si ächt no einisch find?

 

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Mohamed Dimassi, heute 64 Jahre alt
und seine beiden Kinder
in Sidon, Lebanon

 

 

 

ich bin gewachsen

Noch einmal zurückgehen
an den Ort
wo mich die Angst packte
damals
alleine in der Wüste

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noch einmal
die Wand hoch klettern

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Schritt für Schritt nach oben

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noch einmal ankommen
und die Freude spüren
und die Kraft
ich bin gewachsen
über meine Angst hinaus

 

 

Grossmuetersäge

Liebe Benia,

wieder bin i wiit wäg, wie vor vier Johr, wo du gebore bisch.
Aber i weiss no de Moment, won i di s’erscht mol i de Arme ghebt han und eusi Blick sich troffe hend…do hani gwüsst, dass mir eus gärn werdet ha und dass du en Mönsch mit emene guete Härz bisch

Benja (Medium)

 

Sig gsägnet liebe Benia
wo d’au immer gosch
din Name soll dich ehre
mit jedem Johr
wo d‘ meh verstosch

du Liebende, sig bhüetet
sig gführt ar guete Hand
vom ewig grosse Vater
du bisch sin Sohn
sis einzigartig Chind

sig muetig chline Maa
was i dir härzlich wünsche
bis stark und gang din Wäg
bliib immer du
en Fründ für alli Mönsche

Dita

Benia bedeutet Sohn Gottes. Er wurde nach einer der Hauptfiguren aus dem Roman „das rote Zelt der Frauen“ von Anita Diamant benannt. Die Geschichte handelt von Dina, die im alten Testament als Tochter von Jakob erwähnt wird und von ihrer Familie. Eine grossartige Erzählung über Leben, Liebe und Leidenschaft. Zum guten Ende taucht Benia auf, ein Wohltäter und Menschenfreund. Er wird Dinas zweiter Ehemann und liebt sie über alles, trotz ihrer schwierigen Vergangenheit.

 

 

Souvenir

Die chlini Dita stoht verlore

im Lädeli grad näbedra

vom Ferielager i de Bärge

und luegt die schöne Sachen a

 

Am liebschte würd sie heime fahre

s’Lager, das isch nüt für si

gäb‘s nid das Maitli, wo si plooget

wär‘s villicht no andersch gsi

 

S‘Lädeli isch wien‘en Troscht

mit sine schöne Sache

und Dita weiss denn plötzlich au

was sie chönnti mache…

 

Ich chauf mir doch es Souvenir

vo mim Feriebatze

und Eis für alli, wo dihei

das würdet‘s sicher schätze

 

Natürlich längt das Gäld nid wiit

nur grad für’s Murmeltier

es bitz enttüüscht drückt si’s an sich

du Chlises – ghörsch jetzt mir.

 

Am Obe nimmt sie alle Muet

goht und frogt de Leiter

„chasch du mir nid…?“

„doch doch, ich chan

es bitzeli chan i“, seit er

 

Jede Tag chauft Dita jetzt, 

im Lädeli es Gschänkli

am Obe sitzt si gwöhnlich denn

bim Leiter uf em Bänkli

 

Und de git ihre immer wieder

no en Batze druf

bis eines Tages meint er denn

„Maiteli, jetzt isch Schluss!“

 

Schluss isch‘s au mit Lagerläbe

Dita isch so froh

d’Gschänkli het si alli packt

d‘Eltere sind scho do

 

Fröhlich seit sie jedem „tschüss“

jetzt cha si wieder lache

und dihei – was werdet‘s ächt

für grossi Auge mache?

 

Wenn Dita denn us ihrem Sack

die schöne Gschänkli nimmt

und jede vor Familie

vo ihre eis bechunnt?

 

De Vati ladet d‘Koffer uf

„hesch au nüt vergässe?

Mir wei fahre,“ seit er denn

„und nöime no go ässe.“

 

Dita isch versöhnt mit sich

es isch doch ganz guet gloffe

do chunnt de Lagerleiter no

und sait:

„Ei Rächnig wär no offe…“

16016959 - cute ground squirrel in banff national park, canada

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