Grossmuetersäge

Liebe Benia,

wieder bin i wiit wäg, wie vor vier Johr, wo du gebore bisch.
Aber i weiss no de Moment, won i di s’erscht mol i de Arme ghebt han und eusi Blick sich troffe hend…do hani gwüsst, dass mir eus gärn werdet ha und dass du en Mönsch mit emene guete Härz bisch

Benja (Medium)

 

Sig gsägnet liebe Benia
wo d’au immer gosch
din Name soll dich ehre
mit jedem Johr
wo d‘ meh verstosch

du Liebende, sig bhüetet
sig gführt ar guete Hand
vom ewig grosse Vater
du bisch sin Sohn
sis einzigartig Chind

sig muetig chline Maa
was i dir härzlich wünsche
bis stark und gang din Wäg
bliib immer du
en Fründ für alli Mönsche

Dita

Benia bedeutet Sohn Gottes. Er wurde nach einer der Hauptfiguren aus dem Roman „das rote Zelt der Frauen“ von Anita Diamant benannt. Die Geschichte handelt von Dina, die im alten Testament als Tochter von Jakob erwähnt wird und von ihrer Familie. Eine grossartige Erzählung über Leben, Liebe und Leidenschaft. Zum guten Ende taucht Benia auf, ein Wohltäter und Menschenfreund. Er wird Dinas zweiter Ehemann und liebt sie über alles, trotz ihrer schwierigen Vergangenheit.

 

 

Souvenir

Die chlini Dita stoht verlore

im Lädeli grad näbedra

vom Ferielager i de Bärge

und luegt die schöne Sachen a

 

Am liebschte würd sie heime fahre

s’Lager, das isch nüt für si

gäb‘s nid das Maitli, wo si plooget

wär‘s villicht no andersch gsi

 

S‘Lädeli isch wien‘en Troscht

mit sine schöne Sache

und Dita weiss denn plötzlich au

was sie chönnti mache…

 

Ich chauf mir doch es Souvenir

vo mim Feriebatze

und Eis für alli, wo dihei

das würdet‘s sicher schätze

 

Natürlich längt das Gäld nid wiit

nur grad für’s Murmeltier

es bitz enttüüscht drückt si’s an sich

du Chlises – ghörsch jetzt mir.

 

Am Obe nimmt sie alle Muet

goht und frogt de Leiter

„chasch du mir nid…?“

„doch doch, ich chan

es bitzeli chan i“, seit er

 

Jede Tag chauft Dita jetzt, 

im Lädeli es Gschänkli

am Obe sitzt si gwöhnlich denn

bim Leiter uf em Bänkli

 

Und de git ihre immer wieder

no en Batze druf

bis eines Tages meint er denn

„Maiteli, jetzt isch Schluss!“

 

Schluss isch‘s au mit Lagerläbe

Dita isch so froh

d’Gschänkli het si alli packt

d‘Eltere sind scho do

 

Fröhlich seit sie jedem „tschüss“

jetzt cha si wieder lache

und dihei – was werdet‘s ächt

für grossi Auge mache?

 

Wenn Dita denn us ihrem Sack

die schöne Gschänkli nimmt

und jede vor Familie

vo ihre eis bechunnt?

 

De Vati ladet d‘Koffer uf

„hesch au nüt vergässe?

Mir wei fahre,“ seit er denn

„und nöime no go ässe.“

 

Dita isch versöhnt mit sich

es isch doch ganz guet gloffe

do chunnt de Lagerleiter no

und sait:

„Ei Rächnig wär no offe…“

16016959 - cute ground squirrel in banff national park, canada

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Trottinett

Ganz stolz fahrt mit em Trottinett

die chlini Dita, will si wett

für s‘Mutti Milch go hole go

und sie weiss – sie cha das scho

 

de Weg isch zwar scho no chli wiit

vill wiiter as de Chindsgi liit

und drüü Liter, s’isch z‘ bedänke

sind no schwer, wemme mues länke!

 

Will s’Chessi, wo am Länker hangt

ebe uf all Site schwankt

chunnt’s genauso wie’s mues cho

Dita loht de Länker go

 

s’Trotti fahrt nämlich bereits

am Rand in d’Rinne und denn leit‘s

das arme Chind samt Milch und Trotti

ab uf d‘Stross und das gseht s’Lotti

 

Sie gseht, wie Dita brüelt und d’Träne

abe rinne, s’sich e Szene!

D’Milch rinnt au, das arme Chind,

wer isch es jetzt, wo Milch hei bringt?

 

s’Lotti chunnt scho usem Huus

sie isch au Muetter, si chunnt druus

schnäll hilft si em Chind uf d‘Bei

und drückt ihm Gäld in d’Hand, es sei,

 

seit sie, doch nid so schlimm

das cha passiere, chumm, do nimm

de Batze und gang gschwind nomol

me füllt dir s’Chessi wieder voll

 

Dita nimmt no ganz benomme

S‘Chesseli und s’Trotti zämme

und luegt ganz schüüch zur liebe Frau

d’Frau, die lacht… und Dita au

 

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verbunden

Was ist es, was ich fühle

nach vielen Jahren noch?

in mir

ich spüre es ganz deutlich

lebendig, nah und doch…

 

ist mir nicht dein Leben

längstens unbekannt

Freundin

ist’s nicht längst vergessen

was damals uns verband?

 

So oft ich an dich denke

stürmt es auf mich ein

und heut‘

in meinem Traume

riefst du mich plötzlich an:

 

Ich hielt den Hörer fest

in meiner Hand und lauschte

Stille

du sagtest gar kein Wort

nur die Verbindung rauschte

Für einen Augenblick

sah ich die Kinderschar

im Traum

die Deinen und die Meinen

als ob es gestern war

Wie liebte ich die Tage

die wir bei euch verbracht

Jahr für Jahr

dass es nicht so bliebe

hätt ich nie gedacht

Ich bat dich doch zu sprechen

doch blieb die Leitung still

schliesslich

 hab ich unterbrochen

mit mulmigem Gefühl

 

Noch Tage später war es mir

als würd im Augenblick

das Telefon

als müsste es doch klingeln

und der Traum käm noch zurück!

 

Er kam nicht, doch traf׳s mein Herz

als ich es spät erfahren

das Schweigen damals

war dein Schmerz

dein Kind – hast du verloren

 

in Verbundenheit für Tabita und Omer

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lang ist’s her…

Lang ist’s her
als wir noch spielten
unbeschwert und ohne Groll
als wir noch einander neckten
Hände hielten
uns versteckten
und uns suchten überall 

 Lang ist’s her
als eines Tages
plötzlich alles anders war
niemand konnt‘ es mir erklären
was in dich
i
n uns gefahren
irgendwie war’s unfassbar

 Lang ist’s her
in diesen Tagen
als wir noch im selben Haus
uns zu fremden Menschen wurden
sprachlos
hinter unserer Mauer
ging’n wir schweigend ein und aus

 Nur einmal war’s
und schicksalshaft
hast du Beachtung mir geschenkt
du ludst mich ein zu deinem Freund
ein Abend nur
und beide wohl
haben wir es dann bereut

 Bald darauf
als unsere Wege
sich getrennt und selten mehr
haben wir uns noch angetroffen
Welten waren
zwischen Hoffen
wünschte ich’s mir doch so sehr

 viel später war’s
als wir uns sahen
und es mich unendlich fror
deine spotten Worte trafen
widerhallten
unerträglich
und die Wut stieg mir empor

 doch gestern erst
als ich noch zürnte
fand ich ein gefror’nes  Herz
ich schaut‘ es an und es erzählte
mir von dir
dass ich erahnte
deiner Seele grossen Schmerz

 Heute ist’s
dass ich verstehe
was des Menschen grösster Feind
wenn wir nicht vergeben können
f
rieren wir
anstatt zu brennen
bis wir ganz erfroren sind

 für immer ist’s
dass ich sie halte
und sie wärmend an mich drück
die Liebe jener Kindertage
wenn wir wollen
lieber Bruder
kommt sie noch zu uns zurück

10656936 - portrait of a cheerful girl and boy hugging fun in outdoor

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ich hatte einen Traum

Ich hatte einen Traum
aus längst vergangen Tagen
jemand aus der Zukunft
wollte mir was sagen:

 Wir trafen uns im Treppenhaus
so wie damals
wie es oft geschah
sein Angesicht
uralt war es geworden
überraschte mich
erschreckend war‘s beina

Das Reden fiel ihm schwer
er brauchte eine Weile
doch ich verstand ein jedes Wort
z
wischen jeder Zeile

 Langsam fuhr er fort:
weisst du noch im alten Haus
du bist zu uns gekommen
als junge Frau
wir mochten dich
du warst uns sehr willkommen

doch deine Welt
sie drehte sich
vor allem um das Deine
du warst voll Leben
voller Ideen
und hattest viele Pläne

 bei uns, da gingst du ein und aus
mit deiner Kinderschar
ihr fröhlich Lachen
füllt‘ das Haus
ich fand es wunderbar
noch ein Frühling hoch im Alter
ach, wie war das schön
des Lebens Hoffnung
blühte auf
es würde weiter gehn

 doch dann
du hattest deine Gründe
gingst du für immer fort
und wärest nicht für einmal mehr
zu uns zurück gekehrt
auch nicht an unser Grab
als hättest du ihn ausgelöscht
den Ort, den Tag
und seine Menschen

 mit ihren guten Wünschen
s
ie haben oft an dich gedacht
und an die kleinen Kinder
schmerzvoll war’s,
sie zu verlier’n
ein Leben miteinander

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für Onkel Karl,Tante Anna und für Hansruedi

Blütenjahre

Ich hatte manchmal den Eindruck, die Tante Rosa – so nannte ich meine monatliche Regelblutung – wäre eine eigenständige Person, die in mir wohnte. Unsere Beziehung war des kurzen Zyklus wegen eine sehr Intensive. Ich nannte diese Zeit ironischerweise meine Vollblutjahre. Natürlich waren es auch die grossartigen Blütenjahre meines Lebens (kommt Blüte von Blut?)
Obwohl ich oft unter Tante Rosa‘s heftigen Auftritten zu leiden hatte, liebte ich ihr Dasein – den Rhythmus des Zyklus. Ja, ich konnte mir nicht vorstellen, wie es ohne sie wäre. Und Tante Rosa….sie schien auch gar nicht die Absicht zu haben, mich je verlassen zu wollen. Im Gegenteil, sie kam zum Schluss immer öfters vorbei und machte Aufstand, als würde sie sich dagegen wehren, dass ihre Zeit abläuft. Ich glaube, der Abschied ist uns beiden nach so vielen Jahren des Miteinanders (manchmal eben auch des Gegeneinanders) schwer gefallen.

 Wie ihre Besuche, so war dann auch ihr Weggang – heftig. Ich habe eine Zeit lang gebraucht um ihn zu verarbeiten. Es tat mir weh, sie aus meinem Haus zu weisen. Nun ist es gut. Sehr gut sogar. Nichts ist bereut.

 Mit dem Gedicht Blütenjahre möchte ich meiner geliebten Tante Rosa endlich Adieu sagen:

Als hättest du wieder nach langer Zeit
Wohnung genommen in meinem Zelt
fühle ich heute wie damals den Schmerz
dieselbe Spannung, ja Freude im Herz

Sie alle erzählen sie mir von den Jahren
in denen wir beide Verbündete waren
die erste Begegnung ich weiss noch genau
vom Mädchen wurd‘ ich auf einmal zur Frau

Jahrzehnte der Blüte schenktest du mir
den Traum von Kindern verdanke ich dir
Damals, ich hab dich geliebt und gehasst
nicht immer hat mir dein Kommen gepasst

Stets warst du es, DU hast entschieden
Und oft bist du mir viel zu lange geblieben
zu heftig warst, du zu intensiv
Genau wie ich – sehr  impulsiv

Mich hoch zu reissen war ewig dein Spiel
im Rhythmus des Zyklus, wie’s dir gefiel
um alsbald danach im Flug noch euphorisch
mich runter zu holen, dein Tun war notorisch

Mein Leben im Wechsel, mal Berg und mal Tal
manchmal so kraftvoll, manchmal ne Qual
doch dann irgendwann haben wir beide
uns arrangiert, wir waren‘s leide

zu kämpfen und schliesslich wurden wir Freunde
bis zu dem Zeitpunkt der grossen Wende
Ich konnte es fühlen, der Augenblick naht
für mich war‘s zu früh, ich war nicht parat

Ohne dich, wie soll das jetzt gehen
ich konnt’s mir nicht denken, ich wollt’s nicht verstehen
als würdest du’s wissen, ich täte mich schwe
bliebst du noch bei mir, ein paar Jahre mehr

Wohl zu den Schönsten würd ich sie zählen
wie Blüten im Herbst, sie werden mir fehlen
doch irgendwann hast du’s übertrieben
es kam der Tag und ICH hab entschieden

Ich konnte nicht mehr nach so vielen Jahren
dein dominantes Benehmen ertragen
nun war ich bereit und wies dir das Haus
ein Abschied war das..ohne Blumenstrauss

Du bist gegangen und ich hab geheult
das war‘s Tante Rosa, nichts ist bereut!
Nur jetzt, wo ich spüre, du wärst eigentlich hier
denk ich mit Wehmut, wie schön war’s mit dir

der Granatapfel, Symbol der Fruchtbarkeit

 

Granatapfel, Symbol der Fruchtbarkeit

Schlaflähmung

Horror beim Aufwachen – Menschen, die sich viele Gedanken machen, Stress erleben, schlecht abschalten können und nicht genug Schlaf bekommen sind eher empfänglich für das Phänomen Schlaflähmung. Ich wusste damals nicht, dass es sowas gibt und konnte mir deshalb keinen Reim auf das Erlebte machen. Ich dachte, ich hätte eine Begegnung der unheimlichen Art. Oder es hätte der Teufel persönlich einen ganz schlechten Aprilscherz mit mir gemacht (es war die Nacht zum ersten April).

Erst Jahre später fand ich heraus, dass ich längst nicht die Einzige bin mit Schlaflähmungserfahrungen und dass es dafür eine nachvollziehbare Erklärung gibt. Die Erinnerung an das dramatische Erlebnis ist allerding noch ganz lebendig, als wär’s gestern gewesen.

 

und es reimt sich sogar…

Ich denke immer
auch im Bett
in meinem Zimmer
nachts in den Träumen
als würde ich sonst
etwas versäumen

Das Bett ist mein Kino
im Schlaf läuft der Film
vor meinen Augen
befind ich mich drin
oft ist’s nur harmlos
manchmal auch wahr
hin und wieder
masslos sogar

Bin ich im Traum
trunken vor Glück
möcht ich am liebsten
nicht mehr zurück
doch einmal erwacht ich
gedankenleer
nichts war im Dunkel
Stille umher
und dann wurde es schwer…

Die Angst sie packte
den Geist und die Glieder
ich schrie
ja ich wollte
versuchte es wieder

Und plötzlich war’s hell
die Wände voll Fratzen
unheimlich grell
das Licht
und auf mir lag
ein Tonnengewicht

Ich spürte den Schmerz
und konnte nichts tun
jemand war da
und quälte mich
die Stimme versagte
verzweifelt und stumm
schrie ich und bat
bring mich nicht um

Sekunden, Minuten
unendlich lang
erstickend die Last
mir war so bang

Und dann – war es fort
das schreckliche Wesen
und mit ihm die Schmerzen
die Fratzen
die Last
friedliche Nacht
als wär nichts gewesen

Nur fliehn von dem Ort
dacht ich und ging
mit weichen Knien
zitternd im Dunkeln
fand ich die Tür

Und wandte den Blick
zaghaft
noch einmal zurück
mein Hals, ich fühlte den Klos
doch da war keiner
und dann –
rannte ich los

 

ich hab ein Wunder gesehen

das Telefon klingelte. Meine Tochter sagte…Mama, komm, dein Enkelkind ist da! Ich nahm die kleine Buba, meine grosse Enkelin, an der Hand und lief los…..

 

Eilend durch die dunklen Strassen
einer kalten Winternacht
hielt ich dich in meinen Armen
und du hast mich angelacht
tanzend, jauchzend, übermütig
mit dem einen Ziele nur
liefen wir einander haltend
Träumende auf weiter Flur
atemlos sind wir gekommen
u
nbeschreiblich der Moment
s
taunend, völlig mitgenommen
n
ahmst du seine kleine Hand
a
ls würde er erzählen wollen
v
on dem Orte wo er war
Schaute er in unsere Augen
w
ar’s uns allen offenbar

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