Du kanntest mich, mein Liebster,
du wusstest, wer ich war.
Du sahst mein stetig Werden
und Wachsen, Jahr um Jahr.
Du hast mit mir gesungen
und hast mit mir gelacht.
Du wusstest was ich liebe
und was mir Freude macht.
Du warst mein eng Vertrauter,
der auch mein Scheitern sah,
und der mich trotzdem liebte,
was immer auch geschah.
Du nanntest mich beim Namen,
den du mir selber gabst,
und der nun längst verklungen,
weil du ihn mit Dir nahmst.
Du hättest manche Tage,
wie diesen heut bedacht,
und hättest Sonnenblumen
vom Felde mitgebracht.
Kannst du wohl ermessen,
Wie schwer es manchmal ist,
dass du, der alles wusste,
nicht mehr bei mir bist?
Und dass mit dir viel Schönes
aus meinem Leben ging,
so dass ich mich schon fragte,
wer ich denn jetzt noch bin?
Ich sag: „Ich bin!“ Und: „Ja, ich werde
mit dir im Herzen weitergehn!“
Und eines Tages, Götz, mein Lieber,
werden wir uns wiedersehn.
Mein Mann und ich hatten uns online kennengelernt, zu einer Zeit, wo es das Internet in der heutigen Form noch gar nicht gab. Aber es gab Videotex. Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob es eine Schweizer Erfindung war. Jedenfalls war Videotex das Internet der damaligen Zeit. Mit einem entsprechenden Telefon (Multitel) standen den Benutzern bereits Shopping, Telebanking oder das Abfragen des SBB-Fahrplans und eben auch ein Chatraum zur Verfügung.
Plötzlich konnte man mit wildfremden Menschen kommunizieren. Das war faszinierend. Durch die Anonymität wurden Hemmungen abgebaut, man war offener, direkter und ungewohnt ehrlich. Die Gespräche wurden schnell persönlich. So entstand auch zwischen uns bald eine Vertrautheit, die wir zu Beginn eigentlich gar nicht gesucht hatten. Zu dieser Zeit konnte man noch keine Bilder übermitteln, wir wussten also nicht, wie der andere aussah. Es war auch gar nicht wichtig. Wir haben einfach geredet und geredet. Schon bald wurden aus den online Gesprächen Telefonate und Briefe, die hin her durch die ganze Schweiz reisten. Selbst beim Briefeschreiben kam es uns nicht in den Sinn, Fotos mitzuschicken. Es lag wie ein Zauber über unserer Freundschaft, die ganz ohne Gesichter auskam. Aber es war uns schon klar, dass wir uns verliebt hatten und es nur noch eine Frage der Zeit wäre, bis wir uns richtig kennenlernen würden. Und dann kam der grosse Tag – das erste Date! Ich war ja so aufgeregt und malte mir im Vorfeld schon aus, wie es werden würde. Vor allem die Schildkröte, von welcher er mir erzählte, malte ich mir aus. Ich wollte auch eine. Er wusste natürlich nichts davon, aber ich schrieb ihm einen Brief, in welchem ich mich bereits dafür bedankte:
Lieber Jürg
wir haben uns endlich getroffen nach den vielen Gesprächen die wir geführt haben nach den zahlreichen Briefen, die wir uns geschrieben haben musste er ja kommen – der Tag an dem wir uns sehen würden oder hab ich nur geträumt? Nein, sie ist tatsächlich auf meinem Arm die kleine Schildkröte, die du mir draufgemalt hast. Dieselbe wie dein Tattoo. Sie ist ja so süss! Ich wollte dir einfach Danke sagen dafür, und für den wunderschönen Tag Jetzt kennen wiruns!
alles Liebe deine Brig
Aber erst morgen wird es genauso gewesen sein! Ich steckte den Brief in ein Couvert, adressierte ihn, wie schon so viele zuvor und brachte ihn zur Post. Er soll ihn am Abend, wenn er von unserem Treffen nach Hause kommt, im Briefkasten vorfinden
die kleine Schildkröte auf seinem Arm, Ich wollte unbedingt auch eine haben. und damit begann eine aussergewöhnliche Liebesgeschichte 🐢❤️🐢❤️🐢
Meine Eltern sind nun beide 91 Jahre alt geworden Es geht ihnen gut und sie dürfen noch zusammen in ihrem Häuschen leben. Welch ein grosses Geschenk! Beiden habe ich ein Gedicht gewidmet . Mal auf Deudch, mal uf Schwiizerdütsch – wie es halt grad kam 😊
Liebes Mutti
Denke an die vielen Jahre, an alles, was du schon gesehn, an all die lieben, guten Menschen, die seit jeher mit dir gehn.
Denke an die schönen Zeiten, bei der Arbeit und daheim, an das, was deine Hände schufen, nichts wird je vergessen sein.
Denke an die vielen Träume, die du seit jeher hast geträumt. So mancher ist doch wahr geworden und hat deinen Weg gesäumt.
Denk an all die Augenblicke, voller Freude, voller Mut. Denk an deinen starken Glauben der dir sagt, s'wird alles gut.
Denk an Kind und Kindeskinder, die du schon „geboren“ hast. Auch die noch kommen, werden wissen, welch gute Mutter du uns warst.
Schau an des Lebens schöne Dinge, lass sie in dein Herz hinein. Ein jeder Tag birgt seine Wunder und ein bisschen Sonnenschein.
Vati dänk, so’nes Alter isch es Gschänk! Chasch no laufe, chasch no ässe, hesch no nid alles ganz vergässe. Bisch no im Huus, hesch d’Frau dernäbe. Wie vill Glück isch so’nes Läbe! Zämme gseht me euch voruss, Händli haltend. Und im Bus fahred dir fascht täglich no zum Spass und zum go poschte go. Aber was mir bsunders gfallt, isch, dass de Friede us dir strahlt. Du bisch. Bisch do. Bisch Du. Grad so. Wie’s isch, wie’s chunnt, nimmsch jede Tag nimmsch jedi Stund. Und wärs die letscht, du würsch se fiire und würsch es eifach akzeptiere. Und will nid du, und niemert do, weiss, wenn säbi Stund wird cho, so fiire mir mit dir e jedi, vo jetz a und es gilt für bedi. Du und’s Mutti, siget gsägnet! Und jede au, wo euch begägnet.
Kleine Schritte im späten Herbst. Winter wird’s bald ob du es merkst? Noch scheint die Sonne, noch ist‘s dir warm. Komm, halte dich fest an meinem Arm. Gehn wir gemeinsam, das letzte Stück. Kleine Schritte - ein kleines Glück.
Der Liebsten einen Brief zu nähen ist natürlich eine ganz originelle Idee, sich ihr anzunähern Aus der Nähe betrachtet sieht man die einzelnen Stiche gut. Man bedenke, dass er für die paar Zeilen nahezu einen ganzen Sonntagvormittag brauchte.
Er hat mir nicht nur diesen Brief genäht, sondern mir auch seine Nähmaschine geschenkt und viele schöne Jahre, in denen wir uns ganz nahe waren
Ihr Lieben, ihr Alten möcht euch behalten, euch gerne halten, möchte den Frieden der uns beschieden das grosse Glück den Augenblick einander zu haben geniessen begiessen in diesen Tagen möchte euch sagen wie sehr ich euch liebe….