das Brett

Die Einen haben’s vor dem Kopf

die Andern unterm Suppentopf

schwarz hängt’s manchmal an der Wand

macht uns dies und das bekannt

manche Frauen sind mitunter

genauso flach und leiden drunter

sie tragen’s jedoch elegant

mit Leichtigkeit in einer Hand

samt Essen und dem Wein zum Gast

und auch zurück wenn’s ihm nicht passt

während Andern es viel Geld

bedeutet ja die ganze Welt

spielen viele um die Wette

auf dem legendären Brette

und dann gibt es auch die Schnellen

die auf des Meeres grossen Wellen

reiten oder steil am Hang

fahren um den ersten Rang

erwähnenswert wär nicht zuletzt

wie’s die Oma hat benützt

zum Wäsche schrubben damals noch

welch schwere Arbeit war das doch

und heute dient’s dem Mann zur Zier

im Gegensatz zum Bauch voll Bier.

 

Ich persönlich brauch es täglich

ohne es wär es nicht möglich

so viel Früchte kleinzukriegen

Kräuter hin und her zu wiegen

Zwiebeln schneiden und zerhacken

auch mal was vom Finger zwacken

Gemüse scheibeln bis es reicht

mit dem Brettchen geht es leicht!

 

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Noteingang

Der Mensch hat sich für alle Fälle
abgesichert, dass er schnelle
von dem Ort, wo er grad drinne
raus kommt und kein Schaden nehme.
Notausgang ist das Patent
dass von klein auf jeder kennt
Nun wär‘s aber auch ganz nett
wenn man‘s umgekehrt auch hätt
einen Noteingang für alle
die im eint‘ und andren Falle
einfach weg von draussen müssen
um nicht das Leben einzubüssen.
Deshalb tät ich laut plädieren
öffne jeder seine Türen
dass, wenn’s draussen hässlich wird
keiner umkommt oder stirbt.
Wer weiss es denn, ob nicht durch diese
Türen Glück und Segen fliesse
Selbst wenn die Not auch halb so gross
wirf die Türe nicht ins Schloss

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gibt mir Zeit…

Ich hab noch nie im Leben ein echtes Haus gebaut
noch habe ich mir selber ein eignes Bier gebraut
ich hab noch keinen Abschluss der Uni hingekriegt
ach hätt ich schon die Spitze des höchsten Berg berührt

Ich kann nicht musizieren, dazu fehlt mir der Takt
ich kann nicht wirklich malen, schon gar nicht einen Akt
ich hab noch nie mit Löwen gerangelt und gespielt
mit meinen Kurzgeschichten noch keinen Preis erzielt

Ich weiss nicht viel vom Kosmos und wie die Sterne stehn
ich hab noch nie im Stadion ein Fussballspiel gesehn
beim Schachspiel hab ich niemals, auch einen nur besiegt
ich bin noch nie geflogen, gleich wie ein Vogel fliegt

So viel möcht ich erleben, so wenig Zeit bleibt noch
für alle meine Träume auf dieser Welt und doch
den einen Traum, den leb ich, der mehr als alles wiegt
und dessen tiefe Quelle auf ewig nie versiegt

Die Menschen nur zu lieben, bedingungslos und echt
Mitmensch sein für jene, die mit mir gehn ist recht
Oh Gott, gib mir die Zeit, und dass der Tag nicht flieht
nicht ohne dass ich weiss – ich habe heut geliebt

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tabu

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lasst bloss den Hund begraben

dort wo er ruht, in Ruh

wir wollen ihn nicht hören

haltet die Ohren zu!

 

Heilig ist die Wahrheit

unantastbar gross

jetzt bellt sie wieder drohend

der Hund, der Hund ist los!

 

Gebt ihm einen Maulkorb

erschlägt ihn, wo er ist

er gräbt an unsern Pfeilern

dieses freche Biest

 

Stemmet die Fassade

es könnte sonst geschehn

dass in nackter Blösse

wir alle untergehn

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erstens kommt es anders…

Erstens kommt es anders
zweitens als man denkt
ist nicht für alle Menschen
ein Satz der lustig klingt

 Wichtig scheint mir aber
wenn‘s ernst wird ab und zu
sich nicht gleich erhängen
nur alles mit der Ruh 

Weil drittens gibt es immer
ein Weg der gangbar ist
wenn man mit Lieb und Wahrheit
seine Schritte misst

Manch einer blickt dann viertens
mit Dankbarkeit zurück
 Im Leben kommt’s oft anders
und oft zu unserem Glück

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Text und Foto: © Brigitt Meier

Gloggeglüüt

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Wenn d‘Glogge lüüte um Mitternacht
ergrifft mi es wundersam G‘fühl,
es isch mer als würd di ganzi Wält
bliibe stoh vor dem heilige Spiel. 

De Klang treit mi grad wie uf Flügel devo,
vergangeni Täg chöme zrugg.
Im Turm juble alli Glogge im Chor
vor Dankbarkeit, Liebi und Glück

 Au s‘Schwere und das, won‘i nid verstand,
isch ighüllt im Gloggeglüüt.
Friede leit sich um mi wie‘nes Gwand,
wiit weg vo de Welt und de Lüüt 

Und denne wirds still…

bum…bum…bum…

Mis Herz schloot mit, mit em Schlag a de Uhr,
fascht pochet’s vor Ehrfurcht e chli.
D’Sterne ziehn’d a de himmlische Flur,
säg Gott, wo führt Zuekunft eus hi?

 D‘Antwort chunnt grad, vom Turm ghöri d’Stimm,
begleitet vo hellem Kang;
d’Glogge lüüte s’Verspräche is Land:
„Vertraue, dass ich mit dir gang!

 Aaglähnt am Chirchturm stand i no chli,
lueg ufe zum Sternemeer.
Dört obe isch alles bewahrt wo isch gsi,
und alls, wo wird si no vill mehr
.

 

innehalten, Augen schliessen und
dem Glockengeläute zum neuen Jahr lauschen

Ich wünsche allen Lesern von Herzen ein gutes, neues Jahr

das grosse Wiedersehen

Es gibt unvergessliche Momente im Leben, an die man sich immer und immer wieder gerne erinnert.

Ein solcher Moment war das Wiedersehen meiner beiden Töchter, nachdem sie sich mehr als ein Jahr nicht mehr gesehen hatten. Die Ältere weilte für ihre Ausbildung zweieinhalb Jahre in den Philippinen. Das Wiedersehen sollte eine Überraschung werden.  Den Moment hatten wir minutiös vorbereitet, damit wir den Augenblick mit der Kamera festhalten konnten. Der Überraschten mag dies in diesem emotionalen Moment nicht gefallen haben, aber heute ist es DAS Video, das wir alle lieben!

Die ältere Tochter traf ein paar Tage früher als geplant in der Schweiz ein, damit sie an der Diplomfeier ihrer jüngeren Schwester teilnehmen konnte. Dass diese es schaffte, den Flug umzubuchen, verrieten wir der Jüngeren nicht. Es sollte eine freudige Überraschung werden, nachdem sie schon traurig war, dass ihre Schwester nicht zur Diplomfeier zurück sein würde.

Natürlich hat sie sich trotzdem auf den besonderen Tag der Diplomübergabe gefreut. Wir Eltern waren mit ihr schon unterwegs zur Feier nach Zürich. Wir waren alle gut gelaunt. Die Tochter pinselte noch an ihrem Make up herum, ich hantierte fleissig mit der Kamera, was das Gegenüber mit der Zeit nervte. Aber ich musste ja bereit sein, weil ihre weit hergereiste Schwester, wie abgemacht, bei der nächsten Station zusteigen würde. Und das wird gleich soweit sein. Noch ahnt das glückliche Kind nicht, wer hinter ihr steht und eben fragen wird, ob der Platz neben ihr noch frei ist….

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um den Moment mitzuerleben  kannst du  hier klicken.

die Putzfrau

Eine Putzfrau kann von wegen
ihrer Arbeit schon zum Segen
werden für geplagte Leute
und von denen gibt es heute
wahrlich viele, was verständlich
freut die Frau, die putzt, unendlich
plagen tun auch sie nicht minder
dies und jenes, Geld und Kinder
ohne Job wär ziemlich misslich
ihre Lage und verdriesslich
darum ist nun der Geplagte
wie ich es von ihr schon sagte
ohne Zweifel auch ein Segen
schon alleine und deswegen
Plagen hin und Plagen her…

...sei jeder ein Gesegneter!
Putzfrau_l

Bildquelle: https://de.123rf.com/

abends im Zug

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Blick ich am Abend noch schnell in die Zeitung
zwanzig Minuten, sicher nicht mehr
vergeht wie im Fluge
die Reise im Zuge
kein Stau und kein Autoverkehr

 Manchmal  nehm ich zum Vornherein grad
mein iPad zur Hand und schreibe
Gedichte zum Schmunzeln
Geschichten zum Runzeln
und allerhand lustige Reime

 Und kommt dann der Barmann erlaub ich mir gar
ne Pause mit einem Kaffee
mein Lieblingslavazza
serviert grad am Plazza
mit Sicht auf den Züricher See

 Derweil mein Nachbar schräg gegenüber
greift nach dem Blick neben mir
was steht schon im Blatt drin
mehrheitlich Unsinn
zu schade blickt er nicht zu mir

 Ich reis nämlich oft und recht gern mit der Bahn
u
nd liebe es auch zu reden
mit freundlichen Fremden
auch solchen in Hemden
doch red ich noch lang nicht mit jedem

 Schweifen mitunter meine Gedanken
plötzlich weit weg in Träumen davon
wie schön dort zu weilen
muss nirgends hin eilen
einfach nur sein bis zur Zielstation

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