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Tante Rosa war für mich mehr als nur die monatliche Regelblutung. Sie war der Inbegriff meiner fruchtbaren Jahre und manchmal hatte ich den Eindruck, dass sie gar eine eigenständige Person war, die in mir wohnte. Unsere Beziehung war der Sachlage wegen eine intensive. Manchmal habe ich diese Zeit meines Lebens ironisch Vollblutjahre genannt. Natürlich waren sie vor allem meine Blütenjahre (kommt Blüte von Blut?)

der Granatapfel, Symbol der Fruchtbarkeit

der Granatapfel, Symbol der Fruchtbarkeit

 

Obwohl ich oft unter Tante Rosa‘s heftigen Auftritten zu leiden hatte, liebte ich ihr Dasein, den Rhythmus des Zyklus. Ja, ich konnte mir nicht vorstellen, wie es ohne sie wäre. Und Tante Rosa….sie schien auch gar nicht die Absicht zu haben, mich je verlassen zu wollen. Im Gegenteil, sie kam zum Schluss immer öfters vorbei und machte Aufstand, als würde sie sich dagegen wehren, dass ihre Zeit abläuft. Ich glaube, der Abschied ist uns beiden nach so vielen Jahren des Miteinanders (manchmal eben auch des Gegeneinanders) schwer gefallen.

 Wie ihre Besuche, so war dann auch ihr Weggang – heftig. Ich habe eine Zeit lang gebraucht um ihn zu verarbeiten. Es tat mir weh, sie aus meinem Haus zu weisen. Nun ist es gut. Sehr gut sogar. Nichts ist bereut.

 Mit dem Gedicht Blütenjahre möchte ich meiner geliebten Tante Rosa endlich Adieu sagen.