s’Schneewitli

Im Brockehuus han is entdeckt
s’Schneewitlibuech
es koschtbars Exemplar
genauso alt wie’n ich
und jedi Siite ufklappbar

E sones Buech hett i als Chind
gwüss veruckt gern gha
s’isch mer gsi als wien en Traum
damals, wo’nis  gseh
und drinne blätteret ha

11 (Medium)
s‘Schneewitli drüdimensional
mit sine siebe Zwärge
die bösi Häx, de schöni Prinz
hinter de siibe Bärge
en Sarg us Glas und denne zletscht
am Königshof
es Hochzytsfescht

DSC06726 (Medium)
i han‘s gliebt und s’Bescht –
jetz lit das Buech vor mir!
E Stimm seit liis:
Das chaufsch dr grad
doch denn – g‘sehni de Priis
du mini Güeti isch das tüür!
hundert Schtutz
das isch jo g‘schpunne
x-mol han is dreit ir Hand
und mi denne andersch b’sunne

I bi defür mit miner Tochter
go n’es Kaffi trinke
wägem Buech het si nur gmeint:
huuu, das würd mir stinke
sovill Gäld, es isch no fräch
für alti Büecherwar
Mami, sicher gits das gliiche
woanders no vill billigar

13 (Medium)
Dihei han is em Maa verzellt
er het’s grad sofort gspürt
dass mi de Fund
jetzt halt berüehrt
und seit denn au: „Du liebi Frau
verchopf di nid wäg some Priis
mir gönge‘s morn go hole
denn hesch das Buech
denn isch es diis!“

Am nöchschte Tag im Brockehuus
isch d‘Enttüschig gross
mis Buech isch weg
s’isch niene meh
öpper heg’s grad poschtet
churz nachdem i gange bi
so isch de Bscheid
– es het mi g’fruschtet –
vom Brockibsitzer gsi

15 (Medium)
i han mi grämt und g‘ärgert
dass i so gizig gsi
und das Buech mir nid de Wert
nid wert isch gsi
zum’s sofort mit mir heime neh
fascht brüelt hani i derwäge
und mer gschwore denn:
s‘Nöschtmol losisch uf di Stimm
und schätzisch‘s si nid gring

Am Muettertag nid lang druf abe
chunnt mi Tochter z‘Bsuech
und leit mer fascht a chli verläge
uf‘s Bett es ipackts Buech
i packes us …..s’Schneewitli!

2 (Medium)
Jetzt hett i fascht vor Freud no brüelt
das tuusigs choge  Chind
isch heimlich no am gliiche Tag
is Brocki gange gschwind
hets Büechli kauft und so sin Wert
a säbem Muettertag
ums Vielfach nomol gschteigert
das isch wohl gar kei Frag

Mohamed

Ich suech en Mönsch uf dere Erde

vor langer Zyt han ich ihn kennt

und plötzlich g’spüre ich im Herze

öppis wo ganz dringend brennt

 

Vergiss mich nie, het er mir einisch

gschriibe us sim Heimetland

de Brief hani hüt wieder gfunde

und heb en zittrig i de Hand

 

Er isch en Flüchtling gsi vo vilne

und „gflüchtet“ ja, das bin au i

doch damals simmer alli zäme

mitenand diheime gsi

 

Sither sind vill Johr vergange

wiit ewäg isch säbi Zyt

und vill Schöns isch bliibe hange

wo immer i mim Härze bliibt

 

Und es chlopft, wenn i dra dänke

wenn ich sis Bild und sini Chind

wenn ich si alueg und mich froge

öb ich si ächt no einisch find?

 

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Mohamed Dimassi, heute 64 Jahre alt
und seine beiden Kinder
in Sidon, Lebanon

 

 

 

Grossmuetersäge

Liebe Benia,

wieder bin i wiit wäg, wie vor vier Johr, wo du gebore bisch.
Aber i weiss no de Moment, won i di s’erscht mol i de Arme ghebt han und eusi Blick sich troffe hend…do hani gwüsst, dass mir eus gärn werdet ha und dass du en Mönsch mit emene guete Härz bisch

Benja (Medium)

Sig gsägnet liebe Benia
wo d’au immer gosch
din Name soll dich ehre
mit jedem Johr
wo d‘ meh verstosch

du Liebende, sig bhüetet
sig gführt ar guete Hand
vom ewig grosse Vater
du bisch sin Sohn
sis einzigartig Chind

sig muetig chline Maa
was i dir härzlich wünsche
bis stark und gang din Wäg
bliib immer du
en Fründ für alli Mönsche

Dita

Benia bedeutet Sohn Gottes. Eine der Hauptfiguren aus dem Roman „das rote Zelt der Frauen“ von Anita Diamant heisst Benia. Die Geschichte handelt von Dina, die im alten Testament als Tochter von Jakob nur kurz erwähnt. Es wird erzählt, dass ihre nicht standesgemässe Liebe von ihren Btüdern  brutal gerächt wurde.
Mehr weiss man nicht über Dina. 

Anita Diamant hat das Thema aufgenommen iund daraus ein  grossartiges Epos über Leben, Liebe,, Schmerz  und Leidenschaft geschrieben.  Zum guten Ende der in alttestamentarischer Sprache erzählten Geschichte taucht Benia auf, ein Wohltäter und Menschenfreund. Er wird Dinas zweiter Ehemann und schenkt ihr seine ganze Liebe und eine Heimat.

uf dr Stäge

Eine Nachbarin meinte einmal,
dass ich einen Psychiater brauche
weil ich so oft die Treppe rauf und runter gehe
bevor ich das Haus verlasse

Uf dr Stäge 

 Es isch de zwölfti Mai am Morge
i mues zum Arzt und spöter no
sött i dies und jenes bsorge
bis am Mittag schaff‘is scho

 Will’s no chüel isch nimm i gschiider
schwupp…no mini Jacke mit
im Stägehuus
do chunnts mer wieder
jo genau, das hani nit
dr Lippestift zum d‘Lippe pfläge
und scho bini wieder dobe
lueg umenand
er isch doch ebe do no gläge
uf em Gstell
ar Chuchiwand?
I suech im Bad, er isch nid dött
villicht no do?
I renne ume, bliibe stoh
jede morge s’gliiche Drama
eigentlich sött i jetzt go 

Isch er ächt im Zimmer bliibe
hanen dört z‘letscht anegleit?
Jo würklich, er lit uf em Bode
sicher isch er abegheit
aber jetzt kei Zyt verliere
Lippe schmiere
Stift in Sack
und Stägen ab
zur Usgangstüre 

De Nochber isch au grad uf Wäge
er seit „Hallo“ und hebt de Huet
i triff ihn gwöhnlich uf de Stäge
rüef em no noche:
machs denn guet

 Uf em letschte Stägetritt
en Griff in Täsche…Jemmersnei
s‘Telifon isch no dihei!
Ohni das chan i nid furt
also wieder zrugg im Spurt
Stäge ufe
Stäge abe
use und zum Velo trabe
Stop!…….oh nei!
de Schlüssel isch au no dihei

 i muess doch s‘Velo chöne b‘schlüsse
aber  jetzt  bigoscht pressierts
nomol ufe!
nomol  abe!
langsam chumeni no z’schnuufe
und vorusse…. giessts

 Das dörf doch gar nid wohr si
Shit!
also mues de Schirm no mit!
S‘füfte Mol renn i scho abe
langsam g‘spür is i de Wade
jetzt aber schnäll und ab ufs Rad
Hugo Hüü, i bi parat!

 Do chunnt de Nochber wieder z‘renne
zrugg zum Huus, es isch kei Frag
er hebi öppis no vergässe
das passier ihm jede Tag

„Jo das kenn i“, säg i lachend
uf em Rad en Schwänker machend
Hugo los, kei Zyt verliere
mer müend jetz grad es bitz pressiere!

Es längt mer grad zur rächte Zyt
zum Doktershuus, s’isch nid so wiit
I park de Hugo, öffne d’Tür
gang d’Stägen uf…

Halt! Ei Momänt
es isch mer fascht
wie cha das si?
isch hüt am Änd?
min Hugo, nei!
Hüt isch erscht de elfti Ma

wie viele Male geht ihr denn die Treppe rauf und runter
oder wie oft kommt es vor, dass ihr nochmals zurück geht,
bevor ihr definitiv das Haus verlässt?

 

Souvenir

Die chlini Dita stoht verlore

im Lädeli grad näbedra

vom Ferielager i de Bärge

und luegt die schöne Sachen a

 

Am liebschte würd sie heime fahre

s’Lager, das isch nüt für si

gäb‘s nid das Maitli, wo si plooget

wär‘s villicht no andersch gsi

 

S‘Lädeli isch wien‘en Troscht

mit sine schöne Sache

und Dita weiss denn plötzlich au

was sie chönnti mache…

 

Ich chauf mir doch es Souvenir

vo mim Feriebatze

und Eis für alli, wo dihei

das würdet‘s sicher schätze

 

Natürlich längt das Gäld nid wiit

nur grad für’s Murmeltier

es bitz enttüüscht drückt si’s an sich

du Chlises – ghörsch jetzt mir.

 

Am Obe nimmt sie alle Muet

goht und frogt de Leiter

„chasch du mir nid…?“

„doch doch, ich chan

es bitzeli chan i“, seit er

 

Jede Tag chauft Dita jetzt, 

im Lädeli es Gschänkli

und zobe sitzt si denn

bim Lagerleiter uf em Bänkli

 

Und de git ihre immer wieder

no en Batze druf

bis eines Tages meint er denn

„Maiteli, jetzt isch Schluss!“

 

Schluss isch‘s au mit Lagerläbe

Dita isch so froh

d’Gschänkli het si alli packt

d‘Eltere sind scho do

 

Fröhlich seit sie jedem „tschüss“

jetzt cha si wieder lache

und dihei – was werdet‘s ächt

für grossi Auge mache?

 

Wenn Dita denn us ihrem Sack

die schöne Gschänkli nimmt

und jede vor Familie

vo ihre eis bechunnt?

 

De Vati ladet d‘Koffer uf

„hesch au nüt vergässe?

Mir wei fahre,“ seit er denn

„und nöime no go ässe.“

 

Dita isch versöhnt mit sich

es isch doch ganz guet gloffe

do chunnt de Lagerleiter no

und sait:

„Ei Rächnig wär no offe…“

16016959 - cute ground squirrel in banff national park, canada

Bildquelle: https://de.123rf.com/

 

Tinnitus

Tinnitus, du chlini Muus

hocksch mer in de Ohre

und wenn‘s dusse ruhig wird

fosch drin afa suure

chlini Muus, i chas nid ha

chasch nid bitte höre?

mich tuet das Grüsch i mine Ohre

unwahrschinlich störe

s‘Müüsli seit, los guet du Mönsch

de Ohreschmalz würd nütze

putz dine Ohre lieber nümm

das chläbrig Züüg tuet schütze

Gesagt getan und siehe da

s’Müüsli het nid glooge

sither schloof i zobe i

ohni Grüsch

chan‘s sälber fascht nid gloobe

de Feufer und s’Weggli

De Feufer und s‘Weggli
beides goht nid
und nimmt‘s eine doch
het en Andere nüt

Mängisch dunkt‘s mi
uf dere Wält
isch das s‘ einzig Ziel
me will s‘Brot und au s‘Gäld

 Wie wär‘s denn Lüüt
wenn mir würde teile
alli hetted
es würd öppis heile 

Mir wäre nid arm
und mir wäre nid riich
mir wäre verschide
und doch alli gliich

 Denn niemert bruucht meh
als es Dach überem Chopf
en Arbet wo Spass macht
und z‘Ässe im Topf

 oder nid?

 Denn wär no Zyt
fürenand wo würd bliibe
zum Mönsch si und und läbe
zum‘s Läbe fiire

12647523 - child who breaks a piece of bread with your hands

Bildquelle: https://de.123rf.com/

Trottinett

Ganz stolz fahrt mit em Trottinett
die chlini Dita, will si wett
für s‘Mutti Milch go hole go
und sie weiss – sie cha das scho

de Weg isch zwar scho no chli wiit
vill wiiter as de Chindsgi liit
und drüü Liter, s’isch z‘ bedänke
sind no schwer, wemme mues länke!

Will s’Chessi, wo am Länker hangt
ebe uf all Site schwankt
chunnt’s genauso wie’s mues cho
Dita loht de Länker go

s‚Trotti fahrt nämlich bereits
am Rand in d’Rinne und denn leit‘s
das arme Chind samt Milch und Trotti
ab uf d‘Stross und das gseht s’Lotti

Sie gseht, wie Dita brüelt und d’Träne
abe rinne, s’sich e Szene!
D‘ Milch rinnt au, das arme Chind,
wer isch es jetzt, wo Milch hei bringt?

s’Lotti chunnt scho usem Huus
sie isch au Muetter, si chunnt druus
schnäll hilft si em Chind uf d‘Bei
und drückt ihm Gäld in d’Hand, es sei,

seit sie, doch nid so schlimm
das cha passiere, chumm, do nimm
de Batze und gang gschwind nomol
me füllt dir s’Chessi wieder voll

Dita nimmt no ganz benomme
S‘Chesseli und s’Trotti zämme
und luegt ganz schüüch zur liebe Frau
d’Frau, die lacht… und Dita au

19352387 - kids play theme

Bildquelle: https://de.123rf.com/

 

bim Huttdokter

Schnätzel schnätzel Büggeli
am Büchli und am Rüggeli
eis am Chopf und villicht no
das grosse, gruuslige am Po
alls mues wäg und er chas guet
dr Dokter Fühne hets im Bluet
er macht all Fraue wieder schön
mit em Laser und em Föhn
es chunnt guet, me cha sich freue
gmüetlich uf em Schrage leue
nid verschrecke wenn’s denn zerscht
rot usluegt und ziemli wüescht
mit de Zyt heilt alles ab
d’Hutt wird rosig schön und glatt
nur, jünger wird meh nid devo
irgendwo
wachse immer Büggeli no

58144787 - birthmark on skin. mole closeup

Hier wäre noch die Übersetzung ins Hochdeutsch

 

 

Reimemaschine

Me git es Wort in d’Reimmaschine
und sofort tüend denn die erschine
wo vo wäge ihrem Klang
zäme passe wiene’n Gsang
und denn bruuchts no es paar meh
dass‘ es Gschichtli drus cha geh
am Aafang weiss me nid genau
wo’s eim ane füehrt und au
öb’s denn Sinn macht mit de Zyt
zwingend isch es ebe nit
Hauptsach es het Witz und Chuscht
und plötzlich het meh richtig gluscht
no meh dra z’dichte und z’verzelle
genau das wär’s woni hät welle
versuechs doch mal und wenn de findsch
es isch würklich nid so chindsch
bitte schick mers, will i schlicht
e Sammlig ha will vo Gedicht