…um fliegen zu können

Bild aus dem Buch „Frau Meier, die Amsel“
von Wolf Erlbruch
empfehlenswerte Lektüre für alle, die fliegen lernen wollen
Leben berührt – Gedichte und Geschichten
…um fliegen zu können

Bild aus dem Buch „Frau Meier, die Amsel“
von Wolf Erlbruch
empfehlenswerte Lektüre für alle, die fliegen lernen wollen
Reue gehört wohl zu den unangenehmsten Gefühlen, die der Mensch empfinden kann. Und doch gehört sie zu den Eigenschaften, die uns zu wahren Menschen machen.
Wikipedia beschreibt die Reue folgendermassen:
Reue ist das Gefühl der Unzufriedenheit, der Abscheu, des Schmerzes und Bedauerns über das eigene fehlerhafte Tun und Lassen, verbunden mit dem Bewusstsein (oder der Empfindung) von dessen Unwert und Unrecht sowie mit dem Willensvorsatz zur eventuellen Genugtuung und Besserung.
Die hebräische Sprache bringt die Bedeutung der Reue ganz besonders zum Ausdruck. Reue leitet sich von der Wortwurzel חרט (charat) ab, welche soviel wie eingravieren bedeutet. Echte Reue חרטה (charata) ist ein einschneidendes Erlebnis. Gleich einer Gravur gräbt sich die Reue schmerzvoll und unauslöschlich in des Menschen Herz ein. Doch sie hilft ihm auf diese Weise auch, den gleichen Fehler nicht mehr zu begehen.
Charat bedeutet zudem auch weich machen, glätten. Reue möchte letztendlich dahin führen, dass des Menschen Herz weich wird.
Mögen unsere Herzen weich und wohlwollend werden!

my world is beautiful!
Ich hatte einen Traum
aus längst vergangen Tagen
jemand ausser Zeit und Raum
wollte mir was sagen:
Wir trafen uns im Treppenhaus
so wie damals
wie es oft geschah
sein Angesicht
uralt war es geworden
überraschte mich
erschreckend war‘s beinah
Das Reden fiel ihm schwer
er brauchte eine Weile
doch ich verstand ein jedes Wort
zwischen jeder Zeile
Und langsam fuhr er fort:
weisst du noch im alten Haus
du bist zu uns gekommen
junge Frau
wir mochten dich
du warst uns sehr willkommen
Doch deine Welt
sie drehte sich
vor allem um das Deine
du warst voll Leben
voll Ideen
und hattest viele Pläne
Bei uns, da gingst du ein und aus
mit deiner Kinderschar
Ihr fröhlich Lachen
füllt‘ das Haus
ich fand es wunderbar
Nochmals wurde es uns Frühling
im Alter durften wir noch sehn
neues Leben
und die Freude
ja, es würde weiter gehn
Doch dann
du hattest deine Gründe
gingst du für immer fort
und wärest nicht ein einzig Mal
zu uns zurück gekehrt
auch nicht an unser Grab
Als hättest du ihn ausgelöscht
den Ort, den Tag
und seine Menschen
sie haben oft an dich gedacht
mit ihren guten Wünschen
Und an deine Kinder
schmerzvoll war’s,
sie zu verlier’n
das Leben miteinander

für Onkel Karl,Tante Anna und für Hansruedi
Wie gut, dass ich es noch habe, mein Poesiealbum! Der Eintrag, der mich damals am meisten berührte und es heute noch tut ist jener von meiner Mutter:

Es wird Zeit, nachdem nun ein ganzes Schulhaus den Fudigix© praktiziert, das Copyright darauf zu erheben. Wer hätte gedacht, dass der Schabernack, den sich meine Schwester und ich einst im übermütigen Mädchenalter ausdachten, Schule macht…
Begriffserklärung für Nichtschweizer:
Fudi ist der schweizerische Ausdruck für Gesäss
Gix kann man am ehesten mit Gequietsche oder einem kurzen Schrei übersetzen
Der Übermut des Augenblicks
gebar uns einst den Fudigix©
er ist zwar frech und etwas schamlos
im Gross und Ganzen jedoch harmlos
nur eine Regel gilt’s zu halten
keinen Gix mit fremden Leuten!
und so gehts:
Wenn zwei auf einer Treppe stehn
und gemeinsam aufwärts gehen
steckt der eine wenn’s ihm g’fallt
seinen Finger in den Spalt
vom Gesäss des Vordermann (mit Frau geht au )
und bevor der gixen kann
ruft der Täter voll des Glücks
laut und lachend Fudigix©
doch auch hier – man sei besonnen
wer zuletzt lacht, hat gewonnen

Und ja, etwas ganz Wichtiges hier klicken hat meine Tochter noch dazu bemerkt
Bildquelle: https://de.123rf.com/

Ich bin einen Weg gegangen, den ihr nicht kennt
ich versuchte zu verstehen, was ihr längst zu wissen meint
ich schaute hin, wo ihr euch abwendet
ich hörte zu, wo ihr die Ohren zuhaltet
ich umarmte, wo ihr Abstand nehmt
ich wurde berührt von dem, was euch erschreckt
ich fand die Wahrheit inmitten von dem, was ihr Lüge nennt
ich bin gewachsen, ihr habt mich klein gemacht
ich bin reich geworden, ihr nennt es Verlust
ich bin glücklich, ihr wisst nicht warum
ich wollte es teilen aber da war kein Bedarf
ich habe mich geoutet
jetzt bin ich out
Bildquelle: https://de.123rf.com/
whatever you do, where ever you go, you leave a trace of your love…

Ich hatte manchmal den Eindruck, die Tante Rosa – so nannte ich die monatliche Regelblutung – wäre eine eigenständige Person, die in mir wohnte. Die Beziehung zu ihr war des kurzen Zyklus wegen eine sehr Intensive. Ich nannte diese Zeit ironischerweise Vollblutjahre. Natürlich waren es auch die grossartigen Blütenjahre meines Lebens (kommt Blüte von Blut?)
Obwohl ich oft unter Tante Rosa‘s heftigen Auftritten zu leiden hatte, liebte ich ihr Dasein – den Rhythmus des Zyklus. Ja, ich konnte mir nicht vorstellen, wie es ohne sie wäre. Und Tante Rosa….sie schien auch gar nicht die Absicht zu haben, mich je verlassen zu wollen. Im Gegenteil, sie kam zum Schluss immer öfters vorbei und machte grossen Aufstand, als würde sie sich dagegen wehren, dass ihre Zeit abläuft. Ich glaube, der Abschied ist uns beiden nach so vielen Jahren des Miteinanders (manchmal eben auch des Gegeneinanders) schwer gefallen.
Wie ihre Besuche, so war dann auch ihr Weggang – heftig. Ich habe eine Zeit lang gebraucht um ihn zu verarbeiten. Es tat mir weh, sie aus meinem Haus zu weisen. Nun ist es gut. Sehr gut sogar. Nichts ist bereut.
Mit dem Gedicht Blütenjahre möchte ich meiner geliebten Tante Rosa gebührend Adieu sagen:
Als hättest du wieder nach langer Zeit
Wohnung genommen in meinem Zelt
fühle ich heute wie damals den Schmerz
dieselbe Spannung, ja Freude im Herz
Sie erzählen mir von den Jahren
in denen wir beide Verbündete waren
die erste Begegnung ich weiss noch genau
vom Mädchen wurd‘ ich auf einmal zur Frau
Jahrzehnte der Blüte schenktest du mir
den Traum von Kindern verdanke ich dir
Damals, ich hab dich geliebt und gehasst
nicht immer hat mir dein Kommen gepasst
Stets warst du es, DU hast entschieden
Und oft bist du viel zu lange geblieben
zu heftig warst du, zu intensiv
Genau wie ich – extrem impulsiv
Mich hoch zu reissen war ewig dein Spiel
im Rhythmus des Zyklus, wie’s dir gefiel
um alsbald danach im Flug noch euphorisch
mich runter zu holen, dein Tun war notorisch
Mein Leben im Wechsel, mal Bergfahrt, mal Tal
manchmal so kraftvoll, manchmal ne Qual
doch dann irgendwann haben wir beide
uns arrangiert, wir waren‘s leide
zu kämpfen und schliesslich wurden wir Freunde
bis zu dem Zeitpunkt der grossen Wende
Ich konnte es fühlen, der Augenblick naht
für mich war‘s zu früh, ich war nicht parat
Ohne dich, wie soll das jetzt gehen
ich konnt’s mir nicht denken, ich wollt’s nicht verstehen
als würdest du’s wissen, ich täte mich schwe
bliebst du noch bei mir, ein paar Jahre mehr
Wohl zu den Schönsten würd ich sie zählen
wie Blüten im Herbst, sie werden mir fehlen
doch irgendwann hast du’s übertrieben
es kam der Tag und ICH hab entschieden
Ich konnte nicht mehr nach so vielen Jahren
dein dominantes Benehmen ertragen
nun war ich bereit und wies dir das Haus
ein Abschied war das..ohne Blumenstrauss
Du bist gegangen und ich hab geheult
das war‘s Tante Rosa, nichts ist bereut!
Nur jetzt, wo ich spüre, du wärst eigentlich hier
denk ich mit Wehmut, wie schön war’s mit dir

Granatapfel, Symbol der Fruchtbarkeit
was mir so nahe geht
und ich nicht sagen kann
weil‘s keiner hören mag
erdrückt mich

dass du mich reden lässt
und danach fragst
was mich bewegt
beglückt mich