alles zu seiner Zeit

Während ich zum Fenster hinausschaue
und den Regen beobachte, wie er niederprasselt
während ich den Donnern lausche
die vom Himmel herunter rollen
frag ich mich, wo du wohl bist.
Überhaupt  frag ich mich
wie wird alles da draussen überleben?

Die Blüte, welche sich dem Licht entgegenstreckt
dem Wind und dem Regen trotzend
der ihr ins Gesicht peitscht.
Doch sie weiss:

„Es ist meine Zeit,“

und hell leuchtend
bricht sie durch das düstere Grau des Morgens

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April, April

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Aprille gsprängt, Aprille gsprängt,

de Joggeli het in d‘ Gülle glängt!

war unsereines Freudessang

wenn der Scherz perfekt gelang

doch Schadenfreude ist es nicht

denn schaden tut man eigentlich

keinem, auch wenn’s später klar

das Gehörte ist nicht wahr.

Man weiss das schon und passt deswegen

auf, auf die, die reinzulegen

uns versuchen mit viel List

und Humor, weil’s Sitte ist.

Gelingt der Streich, dann darf man sicher

sich d’rob freuen mit Gekicher

und am besten ist’s wenn’s dann

auch der Hereingelegte kann.

Ich dachte mal, wie wär’s verdreht

und hab die Sache umgekehrt.

Als ich an besagtem Tage

überlegte wie ich’s sage

zwar die Wahrheit, etwas schrill

in Witz verpackt – April, April!

war das nicht schlecht, denn jeder dachte,

es kann nicht sein, was die da machte.

Leider war’s dann nicht mehr witzig

und die Gemüter stiegen hitzig

als ich später offenbarte,

dass ich sie trotz allem narrte

und ich sagte –  Hand aufs Herz

es war eben gar kein Scherz.

Und die Moral von der Geschichte:

Egal, was einer dir berichte

an diesem Tag, frag lieber nach

und schütze dich vor Ungemach

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Jerusalem

Dein Name ist’s
der mich berührt
die Schönheit deiner Mauern
allgegenwärtig ist was längst
Jahrtausende vergangen
du trägst die Hoffnung
gold’ne Stadt
was von Anfang an bestimmt
eine Zukunft
für die Menschen
die bei dir zuhause sind
deine Tore werden weit
für alle die dich lieben
du bist die Stadt
die ewig bleibt
dein König bring‘ uns Frieden

59299128 - jerusalem city old town street in israel

lang ist’s her…

Lang ist’s her
als wir noch spielten
unbeschwert und ohne Groll
als wir noch einander neckten
Hände hielten
uns versteckten
und uns suchten überall 

 Lang ist’s her
als eines Tages
plötzlich alles anders war
niemand konnt‘ es mir erklären
was in dich
in uns gefahren
irgendwie war’s unfassbar

 Lang ist’s her
in diesen Tagen
als wir noch im selben Haus
einander fremd und feinde wurden
wortlos
– nur die Wände murrten –
ging’n wir schweigend ein und aus

 Nur einmal war’s
und schicksalshaft
schenktest du mir deine Zeit
und ludst mich ein zu deinem Freund
Ein Abend nur
und beide wohl
haben wir es sehr bereut

 Bald darauf
als unsere Wege
sich getrennt, war’s selten mehr
dass wir uns noch angetroffen
zwischen Welten
fern und hoffen
denn du fehltest mir so sehr

 Viel später war’s
als wir uns sahen
und es mich unendlich fror
deine spotten Worte trafen
mich zutiefst
mit Messer, scharfen
und die Wut stieg mir empor

 Doch gestern erst
als ich noch zürnte
fand ich ein gefror’nes Herz
ich schaut‘ es an und es erzählte
mir von uns
so dass ich ahnte
deiner Seele grossen Schmerz

 Heute ist’s
dass ich verstehe
was des Menschen ärgster Feind
wenn wir nicht vergeben können
frieren wir
anstatt zu brennen
bis wir ganz erfroren sind

 Für immer ist’s
dass ich sie halte
und sie wärmend an mich drück
die Liebe jener Kindertage
wenn wir wollen
lieber Bruder
kommt sie noch zu uns zurück

10656936 - portrait of a cheerful girl and boy hugging fun in outdoor

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ringel ringel Reihe

lasst uns mal alles aufreihen….

 das Leben besteht darin,
sich einzureihen 

ringel ringel Reihe 

schon früh lernt man
sich in eine Reihe zu stellen
und geduldig zu warten
b
is man an der Reihe ist
es geht schön reihum
dabei sollte man
ja nicht aus der Reihe tanzen
sonst stimmt die Reihenfolge nicht
und überhaupt
es würde alles aus den Reihen geraten
darum
bleibt man besser in Reih und Glied stehen
Reihe für Reihe
und vielleicht schafft man es sogar mal
in die vordersten Reihen
da, wo die Reiher sitzen
falls man nicht vorher ausgereiht wird

ringel ringel Reihe

mir ist das alles reiherhaft
ich kriegs nicht auf die Reihe
warum lass ich die nicht einfach
in einer Reihe stehen?
die können mich doch reihenweise

 es lebe die fREIHEeit

 

verzeihe mir Gott…


Gespräch mit Gott am Ende eines bewegten Jahres:

Verzeih mir Gott, wenn Zweifel sich regen
wenn Tat und Wahrheit sich mir widerlegen
wenn ich Traditionen
uralte Religionen
kritisch betrachte des Inhaltes wegen

Verzeihe mir Gott, wenn ich ihn sprenge
den Rahmen so vieler Zwänge
Menschen Gedanken
der Mächtigen Schranken
und mich befreie aus ihrer Enge

 Verzeih mir Gott, wenn ich es wage
und stell selbst den Glauben in Frage
wenn’s einer nicht kann
zu glauben, was dann?
Bist du nicht ein Gott voller Gnade?

Verzeihe mir Gott, wenn ich dich lasse
zu sein der du bist, den ich nicht fasse
in Raum und Zeit
und Ewigkeit
sind wir nur Teil deiner Grösse

Verzeihe mir Gott, wenn ich betrachte
der Menschen Wege, und wenn ich sie achte
gross ist die Welt
und du, der sie hält
und jeden von uns zum Leben erdachte

Verzeihe mir Gott, wenn ich glaube
wenn ich der Hoffnung erlaube
dass du deine Hände
jedem am Ende
reichst, dass er immerdar bleibe

 

 

Ich hatte einen Traum

Ich hatte einen Traum
aus längst vergangen Tagen
jemand ausser Zeit und Raum
wollte mir was sagen:

Wir trafen uns im Treppenhaus
so wie damals
wie es oft geschah
sein Angesicht
uralt war es geworden
überraschte mich
erschreckend war‘s beinah

Das Reden fiel ihm schwer
er brauchte eine Weile
doch ich verstand ein jedes Wort
z
wischen jeder Zeile

Und langsam fuhr er fort:
weisst du noch im alten Haus
du bist zu uns gekommen
junge Frau
wir mochten dich
du warst uns sehr willkommen

Doch deine Welt
sie drehte sich
vor allem um das Deine
du warst voll Leben
voll Ideen
und hattest viele Pläne

Bei uns, da gingst du ein und aus
mit deiner Kinderschar

Ihr fröhlich Lachen
füllt‘ das Haus
ich fand es wunderbar

Nochmals wurde es uns Frühling
im Alter durften wir noch sehn
neues Leben
und die Freude
ja, es würde weiter gehn

Doch dann
du hattest deine Gründe
gingst du für immer fort
und wärest nicht ein einzig Mal
zu uns zurück gekehrt
auch nicht an unser Grab

Als hättest du ihn ausgelöscht
den Ort, den Tag
und seine Menschen
sie haben oft an dich gedacht
mit ihren guten Wünschen

Und an deine Kinder
schmerzvoll war’s,
sie zu verlier’n
das Leben miteinander

DSC06827 (Medium)

für Onkel Karl,Tante Anna und für Hansruedi

ich bin einen Weg gegangen…

57920236 - lonely woman in a park in autumn

Ich bin einen Weg gegangen, den ihr nicht kennt
ich versuchte zu verstehen, was ihr längst zu wissen meint
ich schaute hin, wo  ihr euch abwendet
ich hörte zu, wo ihr die Ohren zuhaltet
ich umarmte, wo ihr Abstand nehmt
ich wurde berührt von dem, was euch erschreckt
ich fand die  Wahrheit inmitten von dem, was ihr Lüge nennt
ich bin gewachsen, ihr habt mich klein gemacht
ich bin reich geworden, ihr nennt es Verlust
ich bin glücklich, ihr wisst nicht warum
ich wollte es teilen aber da war kein Bedarf
ich habe mich geoutet
jetzt bin ich out

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Blütenjahre

Ich hatte manchmal den Eindruck, die Tante Rosa – so nannte ich die monatliche Regelblutung – wäre eine eigenständige Person, die in mir wohnte. Die Beziehung zu ihr war des kurzen Zyklus wegen eine sehr Intensive. Ich nannte diese Zeit ironischerweise Vollblutjahre. Natürlich waren es auch die grossartigen Blütenjahre meines Lebens (kommt Blüte von Blut?)
Obwohl ich oft unter Tante Rosa‘s heftigen Auftritten zu leiden hatte, liebte ich ihr Dasein – den Rhythmus des Zyklus. Ja, ich konnte mir nicht vorstellen, wie es ohne sie wäre. Und Tante Rosa….sie schien auch gar nicht die Absicht zu haben, mich je verlassen zu wollen. Im Gegenteil, sie kam zum Schluss immer öfters vorbei und machte grossen Aufstand, als würde sie sich dagegen wehren, dass ihre Zeit abläuft. Ich glaube, der Abschied ist uns beiden nach so vielen Jahren des Miteinanders (manchmal eben auch des Gegeneinanders) schwer gefallen.

 Wie ihre Besuche, so war dann auch ihr Weggang – heftig. Ich habe eine Zeit lang gebraucht um ihn zu verarbeiten. Es tat mir weh, sie aus meinem Haus zu weisen. Nun ist es gut. Sehr gut sogar. Nichts ist bereut.

 Mit dem Gedicht Blütenjahre möchte ich meiner geliebten Tante Rosa gebührend Adieu sagen:

Als hättest du wieder nach langer Zeit
Wohnung genommen in meinem Zelt
fühle ich heute wie damals den Schmerz
dieselbe Spannung, ja Freude im Herz

Sie erzählen mir von den Jahren
in denen wir beide Verbündete waren
die erste Begegnung ich weiss noch genau
vom Mädchen wurd‘ ich auf einmal zur Frau

Jahrzehnte der Blüte schenktest du mir
den Traum von Kindern verdanke ich dir
Damals, ich hab dich geliebt und gehasst
nicht immer hat mir dein Kommen gepasst

Stets warst du es, DU hast entschieden
Und oft bist du viel zu lange geblieben
zu heftig warst du, zu intensiv
Genau wie ich – extrem  impulsiv

Mich hoch zu reissen war ewig dein Spiel
im Rhythmus des Zyklus, wie’s dir gefiel
um alsbald danach im Flug noch euphorisch
mich runter zu holen, dein Tun war notorisch

Mein Leben im Wechsel, mal Bergfahrt, mal Tal
manchmal so kraftvoll, manchmal ne Qual
doch dann irgendwann haben wir beide
uns arrangiert, wir waren‘s leide

zu kämpfen und schliesslich wurden wir Freunde
bis zu dem Zeitpunkt der grossen Wende
Ich konnte es fühlen, der Augenblick naht
für mich war‘s zu früh, ich war nicht parat

Ohne dich, wie soll das jetzt gehen
ich konnt’s mir nicht denken, ich wollt’s nicht verstehen
als würdest du’s wissen, ich täte mich schwe
bliebst du noch bei mir, ein paar Jahre mehr

Wohl zu den Schönsten würd ich sie zählen
wie Blüten im Herbst, sie werden mir fehlen
doch irgendwann hast du’s übertrieben
es kam der Tag und ICH hab entschieden

Ich konnte nicht mehr nach so vielen Jahren
dein dominantes Benehmen ertragen
nun war ich bereit und wies dir das Haus
ein Abschied war das..ohne Blumenstrauss

Du bist gegangen und ich hab geheult
das war‘s Tante Rosa, nichts ist bereut!
Nur jetzt, wo ich spüre, du wärst eigentlich hier
denk ich mit Wehmut, wie schön war’s mit dir

der Granatapfel, Symbol der Fruchtbarkeit

Granatapfel, Symbol der Fruchtbarkeit