vom Alter

A dere Rüebe gseht me guet
wie’s Alter eim verändere tuet
I ha si tagelang gschtudiert
und was i gseh ha gnau notiert

Scho gli am Afang het’s mer gschalte
die Rüebe loot sich nid lang halte
was schön isch gwachse, riif und buschber
isch bald emol nümm ganz so chnuschper
Gliich gohts em Mönsch, chum isch er gross
zerfallt er wieder gnadelos 

zerscht bäumt er sich no uf dergäge
und mutiert gar fascht derwäge
Wenn ein sich do nid ständig pflägt
und es bitzeli zu sich luegt
denn artet’s us ganz uf di Schnelle
es wachse Hoor wo si nit selle
Es wachse überhaupt mängs Sache
wo eim denn chönnte Sorge mache

doch denn git’s Teil, die schrumpfen au
sowohl mim Maa als au bi’r Frau
Me gseht’s denn guet und me verstoht
dass jetzte langsam abwärts goht
me cha au mache was me will
irgendwenn nützts nümme vill

Sälbscht wemme no gnueg Wasser trinkt
d’Füechtigkeit im Körper sinkt
si sinkt und er vertröchnet ganz

denn isch es Zyt Mönsch
nimm Dischtanz

Schweizerdeutsche Worte: buschber – wohlauf

18 Kommentare zu „vom Alter

  1. Liebe Brigitta,

    ich finde Dein Rübengedicht echt genial.
    Du bist ja nicht nur eine Steineversteherin, sondern schaust auch den Pflanzen auf den Leib.
    Menschen sehen im Alter sehr oft der einschrumpelnden Rübe ähnlich. Nur ist es uns vergönnt, wenn wir die Erfahrungen unseres Lebens zu schätzen wissen, einen ganz besonderen Ertrag mitzunehmen. Manchen Einschumpelnden spürt man auch an, welcher Art und Qualität dieser Ertrag sein könnte.
    Dein Ertrag ist bestimmt Dein Verstehen von steinischem und pflanzlichem Leben. Ich glaube, wenn Mutter Erde Deine Gedichte liest, fühlt sie sich geehrt und verstanden ebenso wie alle Wesen, die an dem Werden und Vergehen von Steinen und Pflanzen mitwirken.
    Ich finde einfach klasse, wie Du die Gesetze des Lebens an Steinen und Plfanzen rüberbringst!

    liebegrüßevonjohannes

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, lieber Johannes für deine lieben Worte! Du ehrst mich immer und das bedeutet mir viel. Viel wichtiger als Gesetze verstehen ist den Nächsten zu lieben und zu ehren. Danke vielmals!

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    1. Dayenu, würde da der Jude sagen und meint damit, es wäre genug gewesen. Dayenu ist ein Ausdruck grosser Dankbarkeit an Gott, der über alles Verstehen dem Volk Israel in seiner Not geholfen und es aus Ägypten herausgeführt hat.
      Dayenu ist auch, dass wir über diese Erde wandeln dürfen, fruchtbar sein dürfen, wie du es sagst.
      Meine Frage: Ob dies wohl Gott genug ist?
      Ich spüre da mehr als Dayenu und ich freue mich darauf. 🙂
      Liebe Grüsse
      Brig

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