der Hühnergott (Juniverse)

Ich sei ein Huhn, sagt oft mein Götze
Wenn ich wieder einmal plötze
ohne Blickkontroll zur Seite
über eine Strasse schreite
Deshalb, weil es schon geschah,
dass mir ein Auto viel zu nah
schenkte er als Amulett
mir einen dicken Hühnergott
der – er hofft ja, dass es nütze
mich vor dem Überfahren schütze

Hier fahre ich das erste Mal mit dem Hühnergott ( er hängt am Rücken)
ohne Kontrollblick über die Strasse und siehe

der Lastwagenfahrer hält an ,
winkt mir freundlich zu und lässt mich passieren!

und schliesslich…
gelange ich sicher auf die andere Strassenseite!

Was für ein Gott!
Er liebt seine Hühner!

🐓🐓😂😂😂🐓🐓


auf dem Balkon (Juniverse)

Mein Beitrag zur Mitmachaktion „Juniverse“ von Silbenton.

Heute zum Thema Balkon:

Hier ist ER gestanden
mit Blick über die Stadt
und war von dem ergriffen
was er bewirket hat
Und immer noch stehn Menschen
ergriffen an dem Ort
in ihnen lebt sein Traum
in der Erfüllung fort

Einer von den Menschen, die berührt waren, mal an dem Ort stehen zu dürfen
wo Theodor Herzl gestanden hat – auf dem Balkon seines Zimmers im Hotel drei Könige in Basel
während des ersten Zionistenkongresses im Jahre 1897.
Nach dem Kongress soll er gesagt haben: „In Basel habe ich den Judenstaat gegründet“.
Der berühmte Balkon müsste jener ob dem Glasvorbau gewesen sein,
den man sogar betreten darf, wenn das Zimmer nicht besetzt ist.
Meinem Freund aus Israel war es Ehre genug, im Hintergrund zu stehen,
dennoch liess er es sich nicht nehmen ,die berühmte Pose Herzls einzunehmen.
Sein Andenken bleibt unvergessen.

Segelboot (Juniverse)

Juniverse“ ist eine Mitmachaktion von Silbenton. Für jeden Tag im Juni gibt es ein Thema, zu dem in beliebiger Form gedichtet werden darf

Mein Beitrag zum heutigen Thema Segelboot:

Aus Stein baut man kein Segelboot
es käme ja sogleich in Not
und sänke bald weil es so schwer 
selbst wenn es schwümm im toten Meer 

Das Boot habe ich in den Bergen gefunden, wo es in einem Meer von Steinen segelte…

vom Teilen

Die Freude ist doppelt 
und halb ist das Leid
wenn man mit andern 
das Leben teilt

Bedenke jedoch
das geflügelte Wort
und teile dein Herz nicht 
mit jedem sofort

Geteilt ist nicht immer
geteilt in dem Sinne
dass jeder davon
etwas Gutes gewinne

Nicht jeder ehrt es
und plötzlich entzweit
zerteilt sich was eben 
mit dir noch vereint 

Es macht sich davon
teilt sich da, teilt sich dort
und ein kostbarer Teil 
deines Herzens ist fort

Schwiige isch nid immer Gold

Manchmal wird das Schweigen zwischen Menschen so laut
dass einer sich die Ohren zuhalten muss


Im Dorli drin schwigts eländ lutt
sit me ihm het gseit
dass me ebe schwiige wett
will mes nid vertreit

Ja, was denn? Was vertreit me nit?
Isch’s öppe d’Wohret, säg?
Derbi wärs aller höchschti Zyt
und s’Gspröch der einzig Wäg

Dr einzig Wäg um sich z‘verstoh
isch d’Tatsach zerscht z‘verträge
dass ein nid s‘Gliiche fühlt wie du
und d’Gfühl – dörf jede säge

Villicht hesch dich no gar nie traut
vo eigne Gefühl z’verzelle
und s’Rede isch dir nid vertraut
au wenn’s no gärn hetsch welle

Doch het e jedes Gfühl en Grund
und jede Grund si Gschicht
drum loss es zue zur rächte Stund
bevor gar alls zerbricht

Irgendeinisch isch es z‘schpoot
und s‘git vom ewig Schwiige
ä Tinnitus wo nüm vergoht
wo immer luut wird bliibe

Was eimol isch gsi

Was eimol isch gsi
und denn lang nümm,
isch plötzlich wieder
dis Lache, di Stimm
Du bisch es, isch’s möglich
nach so langer Zyt
gsehn ich dich wieder,
dass es so öppis git!
Vertraut und doch neu,
zwüsche nöch und no fern
gschpüre mer bedi,
mir hend eus no gern

für meinen Schulschatz
(mit Blume in der Hand)
den ich nach 45 Jahren wieder getroffen habe

und wo ist die Brig?

Traum vo dr Erkenntnis

Gott hett hütte i de Nacht
bim Dorli churz es Bsüechli gmacht
und hett ihm gseit: „Los emol zue,
ei Sach git mir eifach kei Rueh.
Es goht um d’Schöpfig – weisch, de Bricht,
in Wohrheit isch es nur ä Gschicht.
Es het vor Adam und sir Frau
scho Zyte geh und Mönsche au.
I ha dr das nur welle säge
und dass di nid verchopfsch drwäge.“

S’Dorli het drab scho chli gschmunzlet
doch plötzlich hett es d’Stirne grunzlet,
denn uf eimol wird ihm klar,
wie tüüf die Botschaft und wie wahr.
Am Änd isch’s anders, als mer meine
und wüsse tuets jo eh e keine.
Nur – isch wäge däm die Gschicht
nid eifach falsch, sie het scho Gwicht.
Zwüsche de Ziile stoht vill meh
als me mängisch grad will gseh

Das het jetzt s’Dorli welle säge, und ja
verchopf die ruhig chli drwäge

verchopfe – sich zuviel Gedanken machen