Vergebung ist gut, Versöhnung ist besser

Ohne Vergebung kommen wir in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen nicht weit. Konflikte passieren und wollen gelöst werden. Wer nicht vergeben kann und die Schuld immer beim anderen sucht, belastet nicht nur den Nächsten, sondern vor allem sich selbst.
Allerdings kann auch ein bitterer Nachgeschmack zurückbleiben, wenn die andere Person nicht in den Vergebungsprozess mit hineingenommen werden kann und die Vergebung einseitig bleibt. Es fällt dann schwerer, einen Schlussstrich unter alles zu ziehen, selbst wenn man dem Gegenüber verziehen hat.

Ich kann es aus Erfahrung sagen, dass ein Konflikt erst dann vollständig aus der Welt geschafft ist, wenn sich beide Seiten aussprechen können und es zu einer Versöhnung kommt.  Es ist sogar möglich, dass er im Nachhinein als wertvoll für die Beziehung empfunden wird.

Ein solcher Ausgang eines Konflikts ist der Allerschönste. Aber auch dann, wenn die Beziehung nicht mehr fortgesetzt werden möchte, ist es befreiend, wenn beide Parteien sich aussprechen und versöhnen können.

Menschen, die einander vergeben haben und versöhnt sind, sprechen nicht mehr mit Bitterkeit über ihre Konflikte, sondern sie erzählen mit Freude über die Lösung, die sie dafür gefunden haben.

Ich möchte euch mit eben dieser Freude eine Geschichte erzählen:

Es waren zwei ganz unterschiedliche Welten, die damals aufeinanderprallten. Zwei Frauen, ich – eine junge, fröhliche, sprühend voller Lebensfreude und Nira, Israelin, etwas älter und bitter geworden, welche aus sicherer Distanz misstrauisch alles und jeden betrachtete.

Was uns beide Frauen zusammen brachte, war die hebräische Sprache. Ich war diejenige, welche die Sprache erlernen wollte.  Deshalb fragte ich Nira um privaten Sprachunterricht an und so geschah es, dass wir uns regelmässig trafen. Wir hatten beide Spass dabei – zu lehren und zu lernen, und mit der Zeit entstand sogar eine Art Freundschaft zwischen uns. Wir verbrachten allmählich mehr Zeit zusammen, unternahmen gemeinsame Wanderungen und unterhielten uns über dies und jenes. Der Höhepunkt unserer Freundschaft war eine gemeinsame Reise nach Israel.

Allerdings blieb immer ein Stück Mauer zwischen uns bestehen. Je mehr ich versuchte, diese abzubrechen, desto mehr bemühte sich Nira, sie aufrecht zu halten. Zwar konnten wir uns mittlerweile in Hebräisch unterhalten, aber wir verstanden uns trotzdem je länger je weniger. Die unterschiedlichen Lebensanschauungen wurden mehr und mehr zum Stolperstein. Mein Optimismus prallte immer öfters mit Nira’s negativem Denken zusammen. Kritik gabs hier, Kritik gabs dort. Eigentlich war nichts gut, ausser es war perfekt.
Ich war alles andere als perfekt und konnte es ihr nie recht machen. Langsam verlor ich meine Freude in ihrer Gegenwart. Es war mir, als würde meine gute Laune sie geradezu zum Jammern anstacheln. Immer öfters wurde ich zum Ziel verletzender Kritik

Der Tag kam, wo ich den Kontakt abbrach. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, denn ich wollte Nira wirklich eine Freundin sein. Aber ich wollte mich auch nicht mehr der ständigen Kritik aussetzen müssen.
Die Tatsache über die nicht gelungene Freundschaft beschäftigte mich lange Zeit und stimmte mich traurig

Seitdem begegnete ich Nira nur noch sporadisch im Dorf. Wir grüssten uns, fragten wie es geht. Aber mehr liess ich nicht mehr zu, wenngleich ich spürte, dass Nira mich jeweils freundlich anlächelte. Die Ablehnung, die ich in der Vergangenheit von ihr immer wieder erfuhr, war in mir gegenwärtig.

Ein paar Jahre später begegneten wir uns unerwartet wieder. Ich war auf dem Weg zum Seniorenheim, als ich Nira in sich zusammen gefallen in einem Rollstuhl sitzend vor dem Eingang erkannte.

Wir sahen uns an und in diesem Moment geschah etwas Wunderbares. Ich  – sichtlich erschrocken über die Situation, in welcher sich Nira befand –  spürte, wie sich etwas in meinem Herzen auftat. Da war plötzlich eine Welle von Liebe und Annahme in mir, ich spürte Hilflosigkeit und Demut zugleich. Es war mir, als würde der Raum um uns weit und darob kamen wir ins Gespräch.

In unserer gemeinsamen Sprache miteinander sprechend, war es, als würden wir einander plötzlich verstehen. Beide haben wir in den vergangenen Jahren Dinge erlebt, die uns reifer und weicher werden liessen.

Nun war es Nira, die eine Bitte an mich hatte: Besuche mich, rede in meiner Muttersprache mit mir. Das würde mir guttun. Und ich antwortete freudig: Ja, ich besuche dich.

Das war vor einem Jahr. In einer Woche reisen wir (Nira ist es immer noch ein wenig missmutig und eklig drauf😊) zusammen nach Israel. Keine von uns hätte gedacht, dass uns das nochmals passieren würde.

Versöhnung macht alles besser!

Drückt uns die Daumen für die nicht ganz einfache Reise und dass es für Nira, die eigentlich doch sehr mutig ist, ein unvergesslich schöner 70. Geburtstag im Kreise ihrer Familie wird und sie ihren hochbetagten Vater in ihrem Heimatdorf im Süden Israels nochmals in die Arme schliessen kann.

Ergänzung:
Im Frühjahr 2023 reisten Nira und ich ein zweites Mal nach Israel. Sie ist meine liebe Freundin geworden. Für die schöne Zeit, die wir versöhnt miteinander erleben durften, bin ich unendlich dankbar.
Nira ist am 21. Februar 2024 nach langer Krankheit und voller Gram über das Geschehen am 7. Oktober 2023 gestorben
Ihr Andenken ist ein Segen für mich.

Menage à Trois

«Wer von euch Beiden schläft heute Nacht bei mir?»
Etwas belustigt wirft sie die Frage in die Runde. Nie im Leben hätte sie gedacht, einmal in eine solche Situation zu geraten. Die beiden Männer allerdings auch nicht. Es ist das erste Mal, dass er bei ihnen zu Hause übernachten würde.
„Natürlich soll ER bei dir schlafen“. sagt ihr Mann. „Er ist nur für ein paar Tage da. Geniesse die Zeit mit ihm!“

Alles ist anders geworden seit jenem Abend im Wohnzimmer, als sie wieder einmal versuchte, ihren Mann ins Reich der Sinnlichkeit zu entführen. Für einmal entschied sie sich, ein hübsches Dessous anzuziehen, mit romantischen Spitzen, obwohl das überhaupt nicht ihr Stil war. Vielleicht hilft es ja, dachte sie bei sich selbst. 
Seit sie ein Paar sind, war es stets sie, welche die Initiative zum Liebesspiel ergriff und den führenden Part innehatte. Anfangs störte sie sich nicht daran. Es machte ihr sogar Spass, diese Rolle zu haben. Aber mit den Jahren wurde es offensichtlich, dass er nie von sich aus zu ihr kommen würde. Im Gegenteil, es schien ihm je länger je schwerer zu fallen, sich auf solche Momente einzulassen. 
Gespräche halfen nicht viel, beide fühlten sich danach jeweils extrem hilflos. Er konnte ihr nicht erklären, warum er keine Lust verspürte, und sie konnte es nicht verstehen. Wie ein dunkler Schatten legte sich das Thema auf ihre sonst so glückliche Ehe. 


Es war ein schöner Abend im Juli. Herrlich war die laue Luft nach der Hitze des TagesDie Türe zur Terrasse stand offen und ein leichter Wind bewegte die Vorhänge
In ihrer ungewöhnlichen Aufmachung hatte sie es sich auf der Couch gemütlich gemacht. Sie verbrachte bereits einen netten Nachmittag und war dementsprechend guter Laune. Über ihr Vorhaben musste sie ein wenig schmunzeln…es war wirklich nicht so ihr Ding, aber sie freute sich dennoch und konnte es kaum erwarten, bis er nach Hause kommen würde. Immer wieder änderte sie ihre Sitzposition, versuchte sich in ihrem Dessous optimal in Szene zu setzen.
Und dann kam er. Wie jeden Abend rief er ihr bereits unter der Türe ein fröhliches „Hallo“, zu, welches sie ebenso fröhlich von ihrer Couch aus erwiderte. Die mitgebrachte Post in der Hand, stand er alsdann im Wohnzimmer, lächelte ihr verstohlen zu, legte die Zeitungen auf den Tisch und begab sich in die Küche, mit der Bemerkung:
 „Erst mal ein Bier!“
Hätte sie ihn nicht aufgehalten und mit einem Augenzwinkern eingeladen, sein Bier doch bei ihr auf der Couch zu trinken, wäre er damit schnurstracks auf der Terrasse verschwunden.
Nun aber schaute er sie verlegen an. Er verstand den Wink ja nur zu gut. Er überlegte kurz, stellte das Bier hin und verschwand in seinem Zimmer.
Was hatte er vor?
Als er zurückkam, war er nur noch mit einer altmodischen Badehose bekleidet, die er weit über dem Wohlstandsbäuchlein zugeschnürt hatte. Er stellte sich witzig vor sie hin und meinte: „Wenn du dich verkleidest, dann mache ich das doch auch!“
Verdattert und mit offenstehendem Mund starrte sie ihn an. Es verschlug ihr nicht nur die Sprache, sondern auch jegliche Hoffnung auf einen romantischen Abend.
«Nein, so funktioniert es nicht. Und nichts wird je funktionieren!»
Eigentlich wussten sie es schon lange, aber beide hatten sie Angst, es auszusprechen. Was würde passieren, wenn sie einander offen sagen würden, was sie dachten und fühlten?
Und dann schoss es einfach aus ihr heraus, als er sich, selber überrascht über die Wirkung seines Auftrittes, neben ihr auf die Couch setzte: „Wir würden besser als Bruder und Schwester zusammen leben, nicht wahr?“ Er nickte nur und starrte hilflos ins Leere.
 „Ja, warum machen wir es dann nicht?“
Er dreht seinen Kopf und schaut sie fast ungläubig an: „Ja, meinst du?“ 
„Ja, meine ich!“
Und dann geschah etwas Unerwartetes. Zwei Menschen blickten sich aufrichtig in die Augen. Der Raum wurde plötzlich weit, das Reden leicht, ja, fast beschwingt. Der Abend schien auf einmal doch noch vielversprechend zu werden.
Wie zwei Verschworene sassen sie auf der Couch und malten sich eine neue Zukunft aus. Heimlich und leise entliessen sie sich gegenseitig als Mann und Frau und sprachen einander die Freiheit zu, wieder „Single“ zu sein. Dass SIE nicht Single bleiben würde, lag auf der Hand, aber es berührte sie dennoch sehr, dass er von sich aus das Thema anschnitt und ihr wohlwollend eine Liebesbeziehung mit jemand anderem zugestand. Gleichzeitig versprachen sie sich, als beste Freunde immer füreinander und für die Familie da zu sein. 
Es kam ihnen vor wie ein Abenteuer, was sie da im Geheimen ausheckten.

Weder sie noch er wusste, ob es auch funktionieren würde. Doch für diesen Moment lagen sie überglücklich nebeneinander auf der Couch. Schon lange hatten sie sich nicht mehr so nahe und so verbunden gefühlt. Voller Hoffnung umarmten sie den Augenblick und – als würden sie ihre Entscheidung besiegeln wollen, küssten sie sich innig.
Die letzten Sonnenstrahlen drangen durch die leicht gekippten Jalousien und tauchten das Wohnzimmer in ein warmes, zauberhaftes Licht. Es war gerade, wie wenn der Himmel seinen Segen dazu geben wollte..

„Nein, ich schlafe in meinem Zimmer, es ist gar kein Problem. Ich bin schliesslich Gast bei euch!“  erwiderte der Besucher beschwichtigend.
Es war eine verrückte Situation.Wie gerne hätte sie beide Männer in die Arme genommen und sie fest an sich gedrückt. Aber sie tat es nicht, und schliesslich zog sie sich alleine in ihr Schlafzimmer zurück.

Es war noch früh, durchs offene Fenster drang die kühle Morgenluft. Sie drehte sich um und kuschelte sich nochmals in die Decke. Bald würde ihr Mann rüberkommen und ihr den Kaffee ans Bett bringen, wie er es immer tut. Zusammen würden sie den Tag beginnen, dies und jenes besprechen, bevor er zur Arbeit fuhr.

Später an diesem Morgen unter der Haustüre, winkte sie ihm nochmals zu und liess dann die Türe leise ins Schloss fallen. Die Hand noch auf der Türklinke, hielt sie kurz inne. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Sie war glücklich. 
Dann drehte sie sich um, ging zur Küche und setzte das Wasser auf. Er mag lieber Tee und gerne mit viel Milch. 
Gleich wird sie an die Türe des Gästezimmers klopfen, den Tee neben ihm auf den Nachttisch stellen und ihn sanft wecken. Der Tag wird nur ihnen gehören.

Der Junge aus China

Er war sozusagen mein erster „Sohn“. Viele würden noch folgen, aber das wusste ich damals noch nicht….

Y war sein Name. Seine Mutter war Ärztin. Er erzählte immer wieder von ihr und schwärmte von der chinesischen Medizin, welche ihresgleichen auf Erden sucht. Jedes Nahrungsmittel sei Medizin und damit kuriere und halte sich der Chinese ganz natürlich gesund. 
Der Junge war sichtlich stolz auf seine Mama. In seinem Gepäck waren dann auch etliche mütterliche Ratschläge in Form von diversen Superfoods mitgekommen, die er uns allerdings bei seinem Abschied allesamt hinterliess. Er selbst schätzte McDonalds, Kebab, Pizzen und anderen Junkfood, das fanden wir sehr schnell heraus, und vielleicht wurde er auch deshalb eines Tages krank. Jedenfalls erwachte ich in dieser Nacht, weil es im Zimmer nebenan ganz fürchterlich hustete. Weit weg von seiner Heimat und seiner Ärztemama fühlte ich mich für den jungen Mann verantwortlich, wenigstens, wenn es um seine Gesundheit ging. Ich wollte nachsehen, was mit ihm los war und klopfte an seine Zimmertür. Offenbar war er schon länger wach. Er sass etwas hilflos auf dem Bettrand und schaute mich mit grossen Augen an, als ich ihn nach seinem Befinden fragte.  Es hatte es ihn richtig erwischt. Neben dem Husten klagte er auch über starke Kopfschmerzen. Der Anblick mobilisierte meine mütterliche Fürsorge endgültig. Ich bot ihm an, Tee zu kochen, was er dankbar annahm, während er mich immer noch gross anguckte. Ich drehte mich um und ging in die Küche, setzte Wasser auf und suchte in meiner Apotheke nach Schmerztabletten. „Der Junge geht mir morgen nicht arbeiten“, dachte ich bei mir selber, nahm den Hustentee und den Honig aus dem Schrank und die grösste Tasse, die ich fand und schon bald duftete es würzig nach Kräutern. Ich fühlte mich extrem kompetent und zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Fast ergriff mich etwas von der Art einer strengen, aber wohlwollenden Krankenschwester. Mein Tee wird ihm gut tun. Ich brachte ihm die Tasse mit dem heissen Hustentee und ein Glas Wasser inklusive Kopfwehtablette ans Bett, bat ihn eindringlich, die Tablette zu nehmen und den Tee gemächlich zu schlürfen und fragte, ob er auch eine heisse Bettflasche möchte. Er schaute mich nur mit diesem sonderbaren Blick an. „Eh ….nein danke“,  stotterte er verlegen. Ob er denn sonst noch was bräuchte, fragte ich , aber er stammelte nur etwas von „Mama geschrieben“ und „Medikamente schicken“. „Ah…ok, dann versuche doch jetzt zu schlafen, und ich gehe auch wieder ins Bett. Morgen schauen wir dann weiter“. Grosse Augen und tschüss.
Naja, es gibt halt nichts Besseres als die Mama in einem solchen Moment.
Aber nun husch zurück ins Bett, noch schnell Pipi machen, Hosen rauf, Blick in den Spiegel….oh mein Gott! Wie sehe ich aus! Von wegen kompetente Krankenschwester! Ich hatte ja völlig vergessen, dass ich am Abend zuvor ein verdächtiges Kribbeln in den Lippen spürte und diese vorsichtshalber dick mit Zahnpasta bestrich, um einen evtl. Ausbruch von Fieberbläschen schon im Keime zu ersticken. So schlief ich dann ein, auf dem Bauch, mit offenem Mund, was dazu führte, dass der herausfliessende Speichel die Zahnpastaschicht auf den Lippen aufweichte und gleich in seinem Fluss die Backe hinunter mitnahm. Beim umdrehen auf die andere Seite habe ich das alles noch schön verteilt.
Deshalb also hat mich der Junge immer so angestarrt! Ach war das lustig! Ich lachte mich zu Bett und schlief fröhlich ein.
Das Beste war, der Ausbruch der Fieberbläschen hat nicht stattgefunden und unser Mitbewohner war am nächsten Tag wieder gesund 🙂

Mit der Wäsche ist das auch immer so eine Sache. Am liebsten würde ich das für meine  männlichen Mitbewohner erledigen. Ich mache es nämlich nicht ungern und dann habe ich  auch Ansprüche – dunkle und helle Wäsche bitte getrennt, die Weisse sowieso, und dann mit dem Bügeln…bitte Bügeleisen nicht über aufgeklebte Applikationen gleiten lassen. sie kleben nachher auf dem Eisen, und nicht mehr auf dem T-Shirt.

Ich biete also meinen Wäsche und Bügeldienst freiwillig an. Der Chinese war sich allerdings nicht schlüssig, ob er die Wäsche in die Obhut einer Frau, die nicht seine Mama war, geben sollte. Ich spürte, dass ihm das nahe ging, also liess ich ihn seine Wäsche selber machen und zeigte ihm auch den Wäscheständer im anderen Zimmer,  wo er die nassen Kleider aufhängen konnte.  Die Waschmaschine hatte er wohl benützt, aber Wäsche sah ich nirgends aufgehängt Nach zwei Tagen des Wunderns schaute ich in seinem Zimmer nach, ob ich dort nicht seine Wäsche fände. In der Tat…sie lag auf einem Haufen am Boden in der Ecke und feuchtete vor sich hin. Ich nahm sie mit und seitdem ist das Eis gebrochen, ich darf sie immer waschen, aufhängen und bügeln

Mein Mann ist allerdings nicht immer glücklich über den Umstand, dass ich allen Männern die Wäsche mache. Offenbar kann ich seine Socken nicht von den Socken der Gäste unterscheiden und so geschieht es manchmal dass ich seine  Socken den Mitbewohnern aufs Bett lege. Erstaunlich ist ja, dass diese oft auch nicht wissen, wie ihre Socken aussehen und am Schluss reisen sie samt den Socken meines Mannes ab.
Seitdem es nun einige Male so passiert ist, habe ich ein besonderes Auge auf die Socken und im Zweifelsfalle entscheide ich mich für meinen Mann….seine Sockenschublade ist im Moment gut gefüllt.

Wenn sich unser Chinese in Bewegung setzte, machte er das mit schnellen kleinen Schritten und dabei hoben sich seine Füsse nur leicht vom Boden ab. Er  schwebte fast über das Parkett. So schien es uns jeweils, wenn er um die Ecke ins Wohnzimmer getippelt kam. Allerdings lag dort ein kleiner Teppich. Es kam vor, dass der Teppich von den Füssen des Chinesen aufgegabelt wurde und sich um seine Beine herumschlang. Der Chinese schüttelte ihn im Weitertippeln dann jeweils elegant ab und liess ihn auf einem Haufen zurück. Der Vorgang war jedes Mal aufs neue spannend 🙂

Er war es auch, der ganz erstaunt war, dass es in der Schweiz Slums gibt. Das war, als wir an den Schrebergärten vorbei zum Bahnhof liefen. Und dann dachte er auch, dass alle Küchenabdeckungen aus Stein sind, wie bei ihm zuhause. Das hatte zur Folge, dass die Kunststoffabdeckung anfing, Blasen zu werfen, als er die heisse Kaffeekanne draufstellte. Wir mussten die ganze Platte ersetzen. Seither müssen unsere Mitbewohner eine Haftpflichtversicherung haben. Y war natürlich bei weitem nicht der einzige Chinese, der bei uns zu Gast war.

Unvergesslich bleiben die beiden Chinesinnen, welche sich per Couchsurfing für ein paar Tage bei uns angemeldet haben. Am Tag ihrer Ankunft wurde ich allerdings richtig krank.. Ich konnte ihnen natürlich nicht mehr absagen. Aber es war mir klar, dass ich nicht Gastgeberin sein konnte. Sie müssten einfach selber schauen. Mir war elend zumute.

Noch unter der Türe informierte ich sie über mein plötzliches Erkranken und bat sie, mein Unwohlsein zu entschuldigen, ich könne ihnen nicht einmal ein Abendessen kochen. Sie mögen doch einfach selber schauen.

Die Ältere der Beiden überblickte die Situation sofort und sagte, ich brauche mich um nichts zu kümmern, ordnete mir Bettruhe an und ging schnurstracks in die Küche, um mir eine Hühnersuppe zu kochen. Wie die Beiden sich so schnell zurecht fanden und woher sie die Zutaten für die Suppe nahmen, ist mir immer noch ein Rätsel. Ich habe auch völlig vergessen, sie auf die Abdeckung in der Küche aufmerksam zu machen und das diese schlecht heisse Pfannen vertrüge.  Die Sorge war umsonst. Bessere Hausfrauen hätte ich mir nicht wünschen können. Die beiden Frauen kümmerten sich rührend um mich und um alle, die noch in unserem Haus waren. Ihre Wanderpläne haben sie über den Haufen geworfen. Statt dessen blieben sie die drei Tage bei mir.

Es ist nicht verwunderlich, dass man unter solchen Umständen schnell wieder gesund wird. Bald fühlte ich mich besser und verbrachte mit den beiden Ladies eine wunderbare Zeit.
Eines der besten Couchsurfing Erlebnisse überhaupt.

Dank der Fürsorge meiner Gäste und der kräftigen Hühnersuppe ging es mir sofort wieder besser!

Träume, als wäre nichts unmöglich

Seit vielen Jahren träume ich davon, ein kleines Gasthaus zu haben. Jedoch  habe ich weder die Mittel dazu noch das Knowhow, um ein solches Projekt zu realisieren. Aber ich wäre ohne Zweifel die ideale Gastgeberin, die gute Fee im Hause, welche mit Freude dafür sorgen würde, dass sich alle Gäste wohlfühlen. Ich sage das auch nicht einfach so dahin. Ich lebe meinen Traum ja, wenn auch nur im kleinen Rahmen. Seit einigen Jahren biete ich bei mir zuhause Privatzimmer mit Frühstück an. Die Begegnungen mit Menschen aus der ganzen Welt bedeuten mir viel. Ich möchte nicht eine davon missen. Es ist einfach ganz unglaublich, welche aussergewöhnliche Menschen ich in den letzten Jahren bei mir beherbergen durfte.
Zum Beispiel war da kürzlich der Spanier, mit dem fremden Herzen in seiner Brust. Oder der junge Mann, der bei uns seine Pilgerreise nach Neuseeland gestartet hatte, der fröhliche Brasilianer, der mir nach einer gemeinsamen Wanderung die Füsse massierte, der alte , sehr schüchterne Chinese, der noch nie im Ausland war und ausgerechnet bei uns landete und nach vier Tagen glücklich von dannen zog, die alte Dame aus Amerika, die splitternackt in der Küche stand und entsetzt aufschrie, als ich rein kam, und dann der orthodoxe Israeli, der noch nie im Schnee spazierte, promt ausrutschte und dann nicht mehr gehen wollte, weil sein Allerwertester schmerzte. Oder das Liebespärchen, dass sich bei uns traf, damit der Anfahrtsweg für beide nicht so weit war 😉
Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden. Ich sage ja immer, ich mache jedes Jahr eine Weltreise  und kann dabei nachts in meinem Bett schlafen. Die Welt ist bei mir zuhause!

Nun ist es bald zwei Jahre her, dass in unserer Nachbarschaft die Bagger auffuhren und anfingen die Erde abzutragen. Neugierig fragte ich einen der Arbeiter, was hier denn gebaggert würde.

„Wir bauen ein Hotel.“

„Wow!  Wer baut hier denn ein Hotel gleich vor meiner Türe?“

Der Name der Firma war schnell gegoogelt und fast noch schneller sass ich darauf hin im Büro des Bauherrn. Er hörte meinem Reden (erster Abschnitt nochmals lesen) aufmerksam zu. „Ich würde gerne in ihrem Hotel mitarbeiten“, sagte ich zum Schluss.
Der Herr stand lächelnd auf, ging zum Schrank, nahm die Baupläne heraus und breitete sie vor mir auf dem Tisch aus. Ich durfte sie mir ansehen und er erzählte mir von seinem Projekt. 

Seit dieser ersten Begegnung ist natürlich viel geschehen. Das Hotel wuchs und nahm Gestalt an, das Konzept wurde wohl ein paar Mal geändert und die Pläne wieder angepasst, so wie es manchmal geschieht bei der Verwirklichung eines Projekts.

Aber das Angebot, im Hotel mitzuarbeiten blieb immer bestehen. Als man mich im September fragte, ob ich nun mit einsteigen möchte, sagte ich zu, obwohl sich auch bei mir einiges verändert hatte und ich nicht wusste, wie ich nun alles unter einen Hut bringen würde.
Aber die Dinge haben sich wunderbar gefügt. Nicht nur, dass ich die Arbeitszeit wählen durfte, es stellte sich heraus, dass ich auch fast alle im Team kannte.
Meine Vorgesetzte würde die Kollegin sein, mit welcher ich 11 Jahre das Sprachencafe Buchs geführt hatte! Das war eine grosse und schöne Überraschung! Wer hätte gedacht, dass  wir wiederum zusammen arbeiten würden! Da wusste ich, das kann nur gut kommen! 



Endspurt vor der Eröffnung

23 Studios und 3 Wohnungen mussten hergerichtet werden Wir Frauen haben uns mächtig ins Zeug gelegt, damit die ersten Gäste am 1. November einziehen konnten. Dabei lernten wir jede Ecke im Haus und jeden Griff unserer neuen Arbeit kennen. Das Hotel ist dadurch – das darf man schon sagen – ein bisschen Unseres geworden 🙂

Das BoHo im Herzen des Rheintals!


Mittlerweile ist das BoHo – so nennt sich das Wohnhotel – fast ausgebucht. 
Ich liebe meine Arbeit, ich liebe es, für unsere Gäste da zu sein.
Mein Traum ist in Erfüllung gegangen.

23 moderne und gemütliche Studios mit grossem Balkon
voll ausgestattete Küche
und geräumigem Bad
Herzlich wollkommen im BoHo!

im Massenlager

Jeder, der sich auf eine mehrtägige Bergtour begibt, ist sich der einfachen Übernachtungen in den Berghütten bewusst. Oft gibt es nur einen Raum mit Massenlager. Im Sommer sind die Schlafplätze meist allesamt ausgebucht. Ein Kopfkissen und eine Wolldecke schön ordentlich auf jeder Matratze hingelegt, lädt den müden Wanderer dennoch ein, sein Haupt niederzulegen und sich auszuruhen

Wie Sardinen liegt man nebeneinander, eingepackt im Schlafsack, Oropax in den Ohren und eine Taschenlampe daneben, falls die Blase mitten in der Nacht drückt…
Wer müde genug ist, schläft wie ein Säugling in den herrlichen Alpenmorgen hinein.
Andere drehen sich mehr wach als schlafend auf den dünnen Matratzen von einer Seite zur anderen und sind heilfroh, wenn die Sonne ihre ersten Strahlen über die Bergspitzen schickt. Noch lange vor dem Frühstück sind sie draussen vor der Hütte, warten auf den Sonnenaufgang und lauschen der erwachenden Bergwelt. Ich gehöre auch zu dieser Gruppe. Der Sonnenaufgang gehört zu den unvergesslichen und schönsten Augenblicken einer Bergtour.

Neben mir schlief eine ältere Frau. Sie war gehörlos, wie auch die anderen von unserer Wandergruppe. Die Gehörlosen haben es ja gut. Das Schnarchen der schon selig Schlafenden lässt sie völlig kalt.

Plötzlich hörte ich im Halbschlaf ein Rufen: „Mama, Mama, ich habe Angst! Es ist so dunkel!“

Ich brauchte einen Moment, um festzustellen, woher das Rufen kam. Es war die Frau neben mir, die vor Angst zitterte und immer wieder nach ihrer Mutter rief.

Sanft berührte ich ihre Schulter und griff nach der Taschenlampe, um im Lichtkegel mit ihr reden zu können. 

Sie können ohne Licht nicht schlafen, erklärte sie mir, sie hätte Angst im Dunkeln. Ich platzierte die Taschenlampe so, dass ihre Umgebung etwas erleuchtet war ohne die Nachbarn zu stören und ermutigte sie, nun die Augen zu schliessen und versuchen zu schlafen. Selber legte ich mich so hin, dass ich ihr die Hand reichen konnte. Sie drückte sie ganz fest.
Während ich ihre Hand hielt, beruhigte sie sich zusehends und bald war sie eingeschlafen.

Ich lag noch ein ganzes Weilchen wach. Ihr Hilferuf hat mich eigenartig berührt. Niemand sonst hatte etwas mitbekommen, aber uns beide machte das Erlebnis für den Rest der Wanderwoche zu Verbündeten…

Dammahütte über dem Göscheneralpsee
Sonnenaufgang in den Bergen

beste Nachbarn

Wir wohnen seit vielen Jahren Tür an Tür und gehen beieinander ein und aus. Wenn wir Zeit haben, trinken wir einen Kaffee oder machen auch mal Essen zusammen. Aber meistens ist es so, dass wir etwas Kleines brauchen voneinander. Meine Nachbarin hat garantiert Knoblauch und Zwiebeln auf Vorrat…ich habe Käse und Eier. Im Notfall ist das ganz praktisch.
Ich führe ihre Hundedame aus, wenn sie arbeiten muss und sie zieht mir das Bügeleisen aus der Steckdose, wenn ich ihr von unterwegs aufgeregt anrufe , dass ich es wieder vergessen habe.
Zudem hat sie den schönsten Balkon auf ihrer Seite des Blocks. Ich habe den Schönsten auf meiner Seite. Wir mögen beide Blumen, meine Nachbarin und ich. Und wir mögen einander.

Eines Tages fiel mir auf, dass sie schon lange nichts mehr von mir brauchte. Und überhaupt wirkte sie plötzlich kurz angebunden, wenn wir uns zufällig im Treppenhaus trafen.
Mir war dabei nicht wohl und deshalb fragte ich sie bei der nächsten Gelegenheit geradeaus: „Bist du mir böse?“
„Ja, ich bin verärgert über dich“, antwortete sie ebenso geradeaus.

Ich bat sie, mir zu erzählen, was sie ärgerte.
Da wurde mir klar, dass ich mich in einer Sache zwischen ihr und einer Drittperson unnötigerweise eingemischt habe. Dies hat sie sehr verletzt. Im Zuge dessen brachte sie noch ein paar andere Situationen zur Sprache, in welchen ich ihr offenbar zu nahe trat.

Ich war ziemlich schockiert. Es war nie meine Absicht, mich einzumischen oder sie zu verletzen. Ich dachte wir wären ziemlich vertraut und mein Verhalten wäre ok gewesen. Ich habe mir nichts dabei gedacht…und was die anderen Situationen betraf – wir machten doch ab und zu mal Spässe zusammen, warum war es jetzt plötzlich nicht mehr lustig?
Es ist eben so – wenn man meint, sich gut zu kennen, überschreitet man gerne mal die Grenzen. Und das habe ich ganz klar gemacht. Mir war nun ganz wichtig, sie zu entlasten. Sie war verletzt und verunsichert und das tat mir furchtbar leid.

Ich entschuldigte mich.
Ich entschuldigte mich nochmals.
Ich fuhr zum Blumenladen und brachte ihr einen Strauss ihrer Lieblingsblumen.
Ich umarmte sie und sagte ihr, dass sie meine beste Nachbarin ist und dass ich sehr gerne habe.
Von ganzem Herzen.

Dieses Ereignis ist nun schon eine Weile her. Wir sind immer noch beste Nachbarn. Nachbarn, die auch wissen, wie man einen Konflikt lösen kann.

so, und nun sollte ich noch mit der Hundedame spazieren gehen…

meine Söhne

Für einmal kommt ein etwas längerer Beitrag von mir zum Thema Gäste beherbergen. Einige von euch wissen ja, dass unser Zuhause auch ein kleines Hotel ist. Ein Generika Hotel, wie mein Mann kürzlich einem Apotheker erklärte. Aber so ganz stimmt das nicht. Es ist ziemlich anders…

Gäste beherbergen ist meine grosse Leidenschaft. Es ist wie wenn ich jeden Sommer eine Weltreise machen und trotzdem im eigenen Bett schlafen kann. In den letzten Jahren habe ich so unzählig viele, wunderbare Menschen kennen gelernt. Ein paar von ihnen werde ich nie mehr vergessen. Sei es, weil ich mich so gut mit ihnen verstanden habe oder weil sie einfach auf ihre Art besonders waren. Zu diesen Gästen zählen definitiv die jungen Männer und Studenten, welche das erste Mal auf sich alleine gestellt eine grosse Reise machen oder wegen ihrem Studium für ein paar Monate die Heimat verlassen. Ich nenne sie „meine Söhne“ weil sie dazu tendieren, mich zu ihrer Mama zu machen. 

Eben war wieder ein „Sohn“ bei uns. Er wuchs irgendwo in der amerikanischen Prärie auf. Bevor der Junge da war, ahnte ich es schon – Ich krieg einen Jungen. Ich sass mit einem Freund beim Kaffee, da kamen in schneller Folge verzweifelte Nachrichten per SMS. Er wisse nicht, wie er vom Flughafen zu uns komme. Es gäbe keinen direkten Zug. Wie man denn umsteigen müsse? Er sei noch nie Eisenbahn gefahren. Später musste ich feststellen, dass er auch sonst viele Sachen noch nie gemacht hatte. 

Mit zwei riesigen Überseekoffern, einem normal grossen Koffer, einem Rucksack und mit Taschen bepackt stand unser Gast dann spät abends vor der Türe. Ein Taxi hatte ihn hergebracht.
Ich war froh, dass er da war und gleichzeitig sprachlos ob dem vielen Gepäck. Kein Wunder, fand er das Umsteigen mit der Bahn schwierig. Er aber grinste übers ganze Gesicht, sichtlich erleichtert, dass er es vom Flughafen hierher geschafft hatte.

Wir schleppten die Koffer in den zweiten Stock. Zum Glück konnte ich ihm das grosse Zimmer anbieten. Ich liess ihn erst mal ankommen und begab mich auf den Balkon. Ich musste auch ankommen in der neuen Situation und atmete tief durch.
Später klopfte ich an seine Zimmertüre, um mich zu versichern, dass alles ok ist. Ich nahm zur Kenntnis, dass der Inhalt der Koffer nun den gesamten Boden des Zimmers bedeckte und mittendrin sass ein glücklicher Junge.
Für die nächsten drei Wochen wird hier also unser neuer Sohn aus Amerika wohnen.

Ich wollte es mir nicht im Detail vorstellen und war froh, dass ich die nächsten beiden Tage nicht Zuhause sein würde. Bevor ich mich verabschiedete, versicherte ich ihm, dass ICH und nur ICH fürs Putzen und Waschen zuständig sei und dass ich sein Zimmer regelmässig „besuchen“ würde. Man hat ja so seine Erfahrungen als Mutter….da gibt es nämlich Jungs, die nicht daran denken, dass Fenster mal zu öffnen, oder jene, die ihre Wäsche zu einem Komposthaufen verkommen lassen, Essensreste tagelang horten und wenn’s hoch kommt auch mal in den Abfallkübel  pinkeln, alles schon dagewesen.

Ich war nicht lange weg, da rief mein Mann an und berichtete, dass der Junge einkaufen gegangen sei. Den Inhalt von zwei grossen Einkaufstaschen wollte er nun in unseren schweizerischen Kühlschrank hineinstopfen, welcher ja zur Sommerzeit schon einiges von unseren Einkäufen lagern musste. Mein Mann wollte mich informieren, dass er dem jungen Mann gesagt habe, er solle die Sachen, die er nicht sofort brauche einfrieren.
Ich war bereits wieder zuhause, da wollte sich der Junge etwas aus dem Tiefkühler nehmen. Er hatte übrigens ALLES eingefroren. Als er den Tiefkühlschrank öffnete, fiel ein Kopfsalat heraus und zersplitterte auf dem Boden in tausend Stücke. Er sah mich verdutzt an und ich sagte schmunzelnd, er solle doch die «Scherben» zusammennehmen und schnell noch ein Smoothie davon machen.

Ich lud ihn zum Essen ein. Er meinte, dass er fremdes Essen schlecht vertrage, aber probieren täte er es schon. Gesagt getan. Er probierte und liess den Rest auf dem Teller liegen. Dafür musste ich dann am Nachmittag seine brasilianischen Käsebällchen kosten und bewundern. Papa hätte ihm das Rezept beigebracht. Er war voll bei der Sache und am Schluss von unten bis oben mit Mehl bestäubt. Die Küche, der Boden, die Schränke, das Mehl und der Teig waren einfach überall. Auch der Teppich im Wohnzimmer hatte Teig abbekommen. 80 Bällchen hatte er gebacken. Was er nicht selber verdrücken konnte, haben wir gegessen und den Rest noch bei den Nachbarn verteilt. Die Dinger waren erstaunlich gut.

Ein spezielles Programm für seine Ferien hatte der Junge nicht. Er wollte vor allem ein Mädchen treffen, welches er im Internet kennen lernte. Sie wohnte im Dorf nebenan und bereitete sich gerade für die Abschlussprüfungen vor. Sie hatte also gar keine Zeit für ihn.
Die meiste Zeit verbrachte der Junge auf seinem Zimmer. Ich fand das eigenartig. Da kommt man für drei Wochen in die Schweiz und verbringt die meiste Zeit in einem Gästezimmer. Selbst ins Badezimmer schien er nie zu gehen.
Einmal kam er in die Küche um mich zu fragen, ob ich die Zutaten für sein neues Rezept verfügbar hätte. Zufällig hatte ich. Und siehe da, als ich am Abend mit meiner Enkelin an der Hand müde nach Hause kam, war ein Fest in der Küche. Es roch nach Kohl und verbranntem Reis. Der Amerikaner schwang fröhlich den Kochlöffel, das Mädchen
 war auch da und half ihm, so gut es konnte. Sein Zimmer hatte er für das romantische Dinner passend hergerichtet. Der Schreibtisch wurde zum Esstisch, das Bett zur Esstischbank, der Nachttisch zum Servierboy und die Nachttischlampe ersetzte die Kerzen.
Sein Zimmer war übrigens auch sein Badezimmer. Da waren neben Rasierer, Zahnbürste und Kamm unzählige Flaschen und Dosen mit Kosmetikprodukten schön säuberlich auf der Kommode aufgereiht. Gewöhnlich ist der Teppich nach dem Aufenthalt von Spraydosen liebenden Gästen rutschig von all den Parfüms und Haarfestigern, die er absorbieren musste und die Kommode klebrig. Deshalb bat ich den Jungen, die Kosmetiksachen ins Badezimmer auf das Tablar zu stellen, welches ich ihm  anfangs gezeigt hatte und fortan seine „Toilette“ dort abzuhalten.
Leider musste ich ihm bei einem meiner Reinigungsbesuche auch sagen, dass Blut und andere Flecken nicht aufs Bett und auch nicht auf den Teppich gehören und wenn, dann nur für sehr kurze Zeit!

Aber nun zurück zum Geschehen in der Küche. Natürlich dürfen unsere Gäste auch mal selber Gäste mitbringen. Ich fände es aber nett, wenn man mich zuerst fragt. Aber Söhne denken wohl, dass es die Mama freuen wird, wenn die Freundin spontan mit nach Hause kommt.
Nun muss er von meinen Gesichtsausdruck abgelesen haben, dass ich mich nicht freue. Mit einem versöhnlichen Lächeln lud er mich zum Essen ein, während er in einer Hand die Reispfanne hielt und mit dem Löffel versuchte, den verbrannten Reis mit Kohl vom Boden wegzukratzen um noch eine Portion für mich zusammenzukriegen.
Ich schaute verzweifelt meine kleine Buba an und sie mich. Eigentlich hatten wir abgemacht, dass wir uns noch ein paar Pancakes  brutzeln werden.
Es war mir zu viel. Sein Mädchen schien zu verstehen, dass da ein Mutter/Sohn Konflikt besteht und es wohl besser ist, sich zu verabschieden.
Am nächsten Tag hat sich auch der Junge verabschiedet. Er hätte sich den Aufenthalt bei uns anders vorgestellt, meinte er. Das Mädchen und seine Familie haben ihn adoptiert. Am Ende der drei Wochen traf ich zufällig die ganze Familie mit dem Jungen am Bahnhof. Natürlich haben wir sie gegrüsst und das Mädchen hat uns ihren Eltern vorgestellt. Oh…da hat der Papa mir aber vorgejammert, von wegen dem Bub und dass der noch viel lernen müsse und dass er ja hoffe, der Junge käme heil in China an, wo er die nächsten zwei Monate verbringen wolle. Bei wem denn? Bei irgendwelchen Leuten, die er im Internet kennenlernte…

Andere «Söhne» sind durchaus länger bei uns geblieben. Man hat sich jeweils schnell ans miteinander wohnen gewöhnt und mit den einen hatten wir  sogar ein freundschaftliches Verhältnis. Als Mutter von drei Töchtern hatte ich auf diese Weiseimmer mal wieder Gelegenheit zu erfahren wie es ist, wenn Jungs im Hause sind.

Wieder andere Söhne blieben nur für eine oder zwei Nächte. Zum Beispiel der Russensohn. Ein guterzogener Junge! Etwas schüchtern, aber sehr höflich. Er gefiel mir gut. Kaum war er hier, bat er mich um Nadel und Nähfaden. Er müsse seine Hosen nähen und deutete mit der Hand auf die Stelle zwischen den Beinen genau im Schritt. Ich sah mir den Schaden an. Es war ein recht grosser Riss.
„Ich denke, den nähen wir besser mit der Maschine.“
Er war sichtlich erleichtert über das Angebot. Also, Maschine her, Faden aussuchen, einrichten, hinsetzen und los geht’s!
«Ja, aber jetzt bräuchte ich noch die Hose, mein Freund!».
Er schaute mich verdutzt an und und ich konnte sehr gut sehen, wie sein Gehirn arbeitete. Sollte er sich nun im Zimmer umkleiden oder wie sollte er nun meiner Bitte nachkommen? Dann liess er kurzerhand die Hose runter und reichte sie mir. Das muss man sich mal vorstellen. Ich nahm sie entgegen, als wäre es die normalste Sache der Welt und legte die zu nähende Stelle unter die Maschine. Die Hose war noch ganz warm von seiner Körperwärme. Er setzte sich zu mir, nur mit den Unterhosen bekleidet und schaute interessiert zu. Ich muss gestehen, es war ein heiliger Moment und ich liebte es, in diesem Augenblick seine Mama zu sein.

 

das grosse Wiedersehen

Es gibt unvergessliche Momente im Leben, an die man sich immer und immer wieder gerne erinnert.

Ein solcher Moment war das Wiedersehen meiner beiden Töchter, nachdem sie sich mehr als ein Jahr nicht mehr gesehen hatten. Die Ältere weilte für ihre Ausbildung zweieinhalb Jahre in den Philippinen. Das Wiedersehen sollte eine Überraschung werden.  Den Moment hatten wir minutiös vorbereitet, damit wir den Augenblick mit der Kamera festhalten konnten. Der Überraschten mag dies in diesem emotionalen Moment nicht gefallen haben, aber heute ist es DAS Video, das wir alle lieben!

Die ältere Tochter traf ein paar Tage früher als geplant in der Schweiz ein, damit sie an der Diplomfeier ihrer jüngeren Schwester teilnehmen konnte. Dass diese es schaffte, den Flug umzubuchen, verrieten wir der Jüngeren nicht. Es sollte eine freudige Überraschung werden, nachdem sie schon traurig war, dass ihre Schwester nicht zur Diplomfeier zurück sein würde.

Natürlich hat sie sich trotzdem auf den besonderen Tag der Diplomübergabe gefreut. Wir Eltern waren mit ihr schon unterwegs zur Feier nach Zürich. Wir waren alle gut gelaunt. Die Tochter pinselte noch an ihrem Make up herum, ich hantierte fleissig mit der Kamera, was das Gegenüber mit der Zeit nervte. Aber ich musste ja bereit sein, weil ihre weit hergereiste Schwester, wie abgemacht, bei der nächsten Station zusteigen würde. Und das wird gleich soweit sein. Noch ahnt das glückliche Kind nicht, wer hinter ihr steht und eben fragen wird, ob der Platz neben ihr noch frei ist….

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um den Moment mitzuerleben  kannst du  hier klicken.

Fieberbläschen für lange Zeit loswerden

Alle, die davon betroffen sind, werden mit mir einig gehen – Fieberbläschen sind unnötig, unästhetisch und schmerzhaft. Leider ist es so, dass wenn man den Virus einmal erwischt hat, ihn nicht mehr los wird. Er schlummert irgendwo im Körper, um dann ungefragt und im dümmsten Moment die Lippen mit Blasen zu übersähen und anschwellen zu lassen (je voller die Lippen, desto krasser das Resultat). imagesDie Blasen platzen dann irgendwann auf und die austretende Flüssigkeit ist hochansteckend, die Lippen schmerzen bei jedem Versuch, etwas zu essen und in Gesellschaft hat man das Gefühl, dass einem alle entsetzt auf den Mund starren. Der Betroffene wird zu einer von allen und von sich selbst bemitleideten Kreatur.

Ich jedenfalls hab mir leid getan. Die Bläschen kamen, wenn der Fotograf seinen Besuch in der Schule anmeldete,  wenn ich Geburtstag feierte,  ich mich vorstellen sollte, mich auf ein Date freute, wenn ich zur Hochzeit eingeladen war oder gerade in den Ferien weilte. Meine Mutter sagte immer, „das Zeug muss raus!“ und schmierte mir die Lippen jeweils dick mit schwarzer Teersalbe ein, die ich dann von der Wunde fast nicht mehr wegkriegte.

Es verwundert daher nicht, dass ich schon beim ersten leichten Kribbeln in den Lippen, das drohende Ereignis, koste es was es wolle, abzuwenden versuchte. Von den angepriesenen Hausmittelchen, Cremes und Pflaster gibt es nichts , was ich  nicht schon ausprobiert hätte. Manchmal konnte ich das Unglück damit aufhalten, aber oft passierte es dann etwas später doch mit einem verstärkten Ausbruch. Wenn die erste Schwellung schon sichtbar ist, kann man den Virus kaum mehr zurück drängen. Ein paar Cremes helfen zwar, den Verlauf des Ausbruchs zu mildern, aber man muss trotzdem hindurch und es dauert jedes Mal zehn bis 14 Tage, bis die Bläschen völlig abgeheilt sind. Die Cremes sind sehr teuer und zum Teil agressiv.  Und man muss sie natürlich  immer dabei haben, denn wie ich schon sagte, der Virus kommt, wenn man es nicht erwartet. Ich hatte früher immer ein ganzes Waffenarsenal dabei, wenn ich das Haus verliess. Eine teure Creme und dann noch alle Hausmittelchen wie Honig, Zahnpasta, Kohle, Teebaumöl, usw….

Nun ist das alles Vergangenheit. Seit ich dem Ratschlag einer Apothekerin folge, habe ich Ruhe von den Dingern. In den letzten zwei Jahren erlebte ich nur noch einmal einen ganz schwachen Ausbruch. Nicht der Rede wert. Und wenn ich wieder ein Kribbeln spüre, dann nehme ich den Ratschlag sofort hochdosiert ein. Ansonsten mache ich hin und wieder eine Kur damit. Es funktioniert und tut dem Körper erst noch gut. Aminosäure L-Lysin, Zink und Vitamin C. Alles zusammen in hoher Dosis (!) Stärkt das Immunsystem ungemein! Plus Lippenpflege natürlich. Und lange Sonneneinstrahlung vermeiden, viel schlafen und kein Stress! Lieber einen Spaziergang machen und sich des Lebens freuen! So sollte es klappen, die Fieberbläschen für lange Zeit loszuwerden. Ich wünsche es allen, die darunter zu leiden haben.

Bekanntlich kann auch Zahnpasta unter Umständen einen Ausbruch verhindern, aber man sollte es nicht übertreiben. Lies dazu die folgende Geschichte hier clicken der Junge aus China.

Pardon, ich bin schlank

manche Menschen haben ein verzehrtes Bild
zu schlank?

Es ist mir eben wieder passiert. Man hat mir gesagt, ich sei zu schlank. Ich kann nichts dafür. Bitte versteht, dass ich es nicht extra mache. Ich war schon immer schlank und das wird sich auch in Zukunft kaum ändern lassen. Und ich gefalle mir. Auch habe ich gehört, dass Schlank sein sehr gesund sei.

Aber es ist offenbar nicht einfach für andere, damit zu leben. Menschen begutachten und kommentieren meine Figur immer wieder auf eine negative Art und Weise. Man muss sich das Mal vorstellen!

Hier nur ein Beispiel von vielen:

Eine Frau hat mich schon länger nicht mehr gesehen und bei meinem Besuch besorgt bemerkt, dass ich extrem abgenommen hätte. Ich habe sie beschwichtigt (hab ja schon Übung darin) und ihr freundlich erklärt, dass ich etwas weniger wiege als wie in jungen Jahren, aber mich sehr wohl fühle. „Ob ich denn genug esse? „ fragte sie ungeachtet meiner Antwort.
Ja, mein Gott….was denken denn die Leute! Klar esse ich genug! Ich liebe das Essen! Aber man sollte es dann auch nicht übertreiben, oder?
„Vielleicht steckt eine Krankheit dahinter?“ forschte die Dame weiter.
Nun werde ich schon etwas ungeduldig. Bei mir selber denke ich: Warum stellen die bloss solche Fragen?
„Nein, es ist keine Krankheit dahinter. Schlank sein ist gesund. Ich fühle mich enorm fit. Und ich gehe auch zu den Vorsorgeuntersuchungen.“

Fast erlag ich der Versuchung, ins Detail zu gehen…aber geht‘s eigentlich noch? Muss ich mich vor meinen Mitmenschen für mein Schlank sein rechtfertigen, indem ich ihnen vorrechne, welche Untersuchungen ich jährlich machen lasse?

Nun, sie liess mich dann in Ruhe, denn schliesslich konnte sie mit eigenen Augen sehen, dass ich die fünfstündige Wanderung, die wir anschliessend als Gruppe machten, im Regen und ohne Zusammenbruch überstand und nach dem Mittagessen auch noch von ihrem Kuchen zwei grosse Stücke verdrücken konnte plus Kaffee und Tee. Nebenbei….ich war die einzige Frau in der Gruppe, die zweimal zulangte.

Ich fühlte mich gut nach dieser Wanderung und freute mich auf die geplante Fahrradtour am nächsten Tag. Die 42 Kilometer absolvierte ich in knapp zweieinhalb Stunden, mit einer Pommes frites Pause dazwischen. Kuchen obendrauf und noch ein Getreideriegel als Stärkung für die zweite Hälfte!

Ich war nicht wenig stolz über meine sportliche Leistung. Am Abend überfiel mich eine gesunde Müdigkeit. Ich kochte mir ein leichtes Nachtessen und liess mich anschliessend ins Bett fallen. Am nächsten Tag erwartete ich eine Freundin zum Kaffee. Der tiefe Schlaf hat gut getan. Ich fühlte mich topfit. Ich überraschte meine Freundin mit einem feinen Birchermüesli und Brötchen zum obligaten Kaffee. Der Tag versprach ein Schöner zu werden, die Stimmung dementsprechend gut! Auch bei der Freundin. Sie freute sich offenbar, mich zu sehen, hatte sich aber kaum gesetzt und schon musste ihr meine schlanke Figur besorgniserregend aufgefallen sein: „Mir dir stimmt etwas nicht, du wirst immer dünner!“ (Sie ist eine von denen, die wiederholt diese Bemerkungen machen).

„Nein, das stimmt nicht!“, meine Antwort duldete keine Widerrede.
Der Ton in meiner Stimme war zugegeben etwas unpassend, nachdem wir eben das Amen vom Tischgebet gesagt hatten. Und sie konnte ja nicht wissen, dass ich mir nur vor zwei Tagen denselben Satz schon anhören musste.
Erregt fuhr ich fort: „Ich bin nicht dünn und ich werde auch nicht immer dünner!“
Meine Freundin hörte mir gar nicht zu:
„Isst du überhaupt? Wie findest du dich, wenn du in den Spiegel schaust?“
Das war zuviel.
„Natürlich esse ich…ich esse sogar viel! Und ich kann es nicht mehr hören, dass alle sagen ich sei zu dünn! Ich wiege seit Jahren gleichviel, manchmal sogar etwas mehr und das ist nun mal überhaupt kein Untergewicht bei meiner Grösse. Ich habe eine beneidenswerte Figur für mein Alter und langsam glaube ich, ihr seid alle nur neidisch auf mich! Und ja, ich gucke in den Spiegel und finde mich schön, sogar mein kleines Bäuchlein gefällt mir “ fuhr ich fort, „ aber das tönt wohl lächerlich in deinen Ohren, oder?“
Das wirkte. Die Freundin war sprachlos ob meiner Reaktion, korrigierte sich dann und fand selber, dass ich blendend aussah. Etwas betreten sass sie mir gegenüber. Sie versuchte krampfhaft, dass Thema zu wechseln, um ihre Verlegenheit zu überspielen.

Ich muss gestehen, dass ich den „Sieg“ genoss und genüsslich ins Honigbrot biss. Sie hingegen kostete nur ein bisschen von dem selbstgemachten Müsli, lobte es in höchsten Tönen, meinte aber, dass sie nicht mehr essen könne…..jaja….da haben wir’s wieder! Ausgerechnet jene, die sich sorgen, dass ich nicht genug esse, tun, als wäre jeder Bissen des Guten zuviel! Dabei ist weder sie noch die Dame vom Vortag übergewichtig. Beide haben eine tolle Figut.
Und auch die anderen, die zum Kreis der sich um mich Sorgenden gehören, sind keineswegs dicke, unattraktive Frauen. Was also veranlasst sie, immer wieder Bemerkungen zu meinem Gewicht zu machen?

Was veranlasst die Menschen überhaupt, Mitmenschen zu kritisieren, sie zu begutachten und negativ zu kommentieren?
Wie wäre es, wenn man anstatt zu kritisieren, das Gute und Starke in den Mitmenschen hervorhebe und sie erfreuen und ermutigen würde?

Würde es nicht viel mehr glücklichere Menschen geben? Schlank sein hin oder her.