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manche Menschen haben ein verzehrtes Bild

zu schlank?

Es ist mir eben wieder passiert. Man hat mir gesagt, ich sei zu schlank. Ich kann nichts dafür. Bitte versteht, dass ich es nicht extra mache. Ich war schon immer schlank und das wird sich auch in Zukunft kaum ändern lassen. Und ich gefalle mir. Auch habe ich gehört, dass Schlank sein sehr gesund sei.

Aber es ist offenbar nicht einfach für andere, damit zu leben. Menschen begutachten und kommentieren meine Figur immer wieder auf eine negative Art und Weise. Man muss sich das Mal vorstellen!

Hier nur ein Beispiel von vielen:

Eine Frau hat mich schon länger nicht mehr gesehen und bei meinem Besuch besorgt bemerkt, dass ich extrem abgenommen hätte. Ich habe sie beschwichtigt (hab ja schon Übung darin) und ihr freundlich erklärt, dass ich etwas weniger wiege als wie in jungen Jahren, aber mich sehr wohl fühle. „Ob ich denn genug esse? „ fragte sie ungeachtet meiner Antwort.
Ja, mein Gott….was denken denn die Leute! Klar esse ich genug! Ich liebe das Essen! Aber man sollte es dann auch nicht übertreiben, oder?
„Vielleicht steckt eine Krankheit dahinter?“ forschte die Dame weiter.
Nun werde ich schon etwas ungeduldig. Bei mir selber denke ich: Warum stellen die bloss solche Fragen?
„Nein, es ist keine Krankheit dahinter. Schlank sein ist gesund. Ich fühle mich enorm fit. Und ich gehe auch zu den Vorsorgeuntersuchungen.“

Fast erlag ich der Versuchung, ins Detail zu gehen…aber geht‘s eigentlich noch? Muss ich mich vor meinen Mitmenschen für mein Schlank sein rechtfertigen, indem ich ihnen vorrechne, welche Untersuchungen ich jährlich machen lasse?

Nun, sie liess mich dann in Ruhe, denn schliesslich konnte sie mit eigenen Augen sehen, dass ich die fünfstündige Wanderung, die wir anschliessend als Gruppe machten, im Regen und ohne Zusammenbruch überstand und nach dem Mittagessen auch noch von ihrem Kuchen zwei grosse Stücke verdrücken konnte plus Kaffee und Tee. Nebenbei….ich war die einzige Frau in der Gruppe, die zweimal zulangte.

Ich fühlte mich gut nach dieser Wanderung und freute mich auf die geplante Fahrradtour am nächsten Tag. Die 42 Kilometer absolvierte ich in knapp zweieinhalb Stunden, mit einer Pommes frites Pause dazwischen. Kuchen obendrauf und noch ein Getreideriegel als Stärkung für die zweite Hälfte!

Ich war nicht wenig stolz über meine sportliche Leistung. Am Abend überfiel mich eine gesunde Müdigkeit. Ich kochte mir ein leichtes Nachtessen und liess mich anschliessend ins Bett fallen. Am nächsten Tag erwartete ich eine Freundin zum Kaffee. Der tiefe Schlaf hat gut getan. Ich fühlte mich topfit. Ich überraschte meine Freundin mit einem feinen Birchermüesli und Brötchen zum obligaten Kaffee. Der Tag versprach ein Schöner zu werden, die Stimmung dementsprechend gut! Auch bei der Freundin. Sie freute sich offenbar, mich zu sehen, hatte sich aber kaum gesetzt und schon musste ihr meine schlanke Figur besorgniserregend aufgefallen sein: „Mir dir stimmt etwas nicht, du wirst immer dünner!“ (Sie ist eine von denen, die wiederholt diese Bemerkungen machen).

„Nein, das stimmt nicht!“, meine Antwort duldete keine Widerrede.
Der Ton in meiner Stimme war zugegeben etwas unpassend, nachdem wir eben das Amen vom Tischgebet gesagt hatten. Und sie konnte ja nicht wissen, dass ich mir nur vor zwei Tagen denselben Satz schon anhören musste.
Erregt fuhr ich fort: „Ich bin nicht dünn und ich werde auch nicht immer dünner!“
Meine Freundin hörte mir gar nicht zu:
„Isst du überhaupt? Wie findest du dich, wenn du in den Spiegel schaust?“
Das war zuviel.
„Natürlich esse ich…ich esse sogar viel! Und ich kann es nicht mehr hören, dass alle sagen ich sei zu dünn! Ich wiege seit Jahren gleichviel, manchmal sogar etwas mehr und das ist nun mal überhaupt kein Untergewicht bei meiner Grösse. Ich habe eine beneidenswerte Figur für mein Alter und langsam glaube ich, ihr seid alle nur neidisch auf mich! Und ja, ich gucke in den Spiegel und finde mich schön, sogar mein kleines Bäuchlein gefällt mir “ fuhr ich fort, „ aber das tönt wohl lächerlich in deinen Ohren, oder?“
Das wirkte. Die Freundin war sprachlos ob meiner Reaktion, korrigierte sich dann und fand selber, dass ich blendend aussah. Etwas betreten sass sie mir gegenüber. Sie versuchte krampfhaft, dass Thema zu wechseln, um ihre Verlegenheit zu überspielen.

Ich muss gestehen, dass ich den „Sieg“ genoss und genüsslich ins Honigbrot biss. Sie hingegen kostete nur ein bisschen von dem selbstgemachten Müsli, lobte es in höchsten Tönen, meinte aber, dass sie nicht mehr essen könne…..jaja….da haben wir’s wieder! Ausgerechnet jene, die sich sorgen, dass ich nicht genug esse, tun, als wäre jeder Bissen des Guten zuviel! Dabei ist weder sie noch die Dame vom Vortag übergewichtig. Beide haben eine tolle Figut.
Und auch die anderen, die zum Kreis der sich um mich Sorgenden gehören, sind keineswegs dicke, unattraktive Frauen. Was also veranlasst sie, immer wieder Bemerkungen zu meinem Gewicht zu machen?

Was veranlasst die Menschen überhaupt, Mitmenschen zu kritisieren, sie zu begutachten und negativ zu kommentieren?
Wie wäre es, wenn man anstatt zu kritisieren, das Gute und Starke in den Mitmenschen hervorhebe und sie erfreuen und ermutigen würde?

Würde es nicht viel mehr glücklichere Menschen geben? Schlank sein hin oder her.