Novembergrau

Novembergrau hüllt sich in Schweigen 

rauhe Winde jagen sich

düstere Gedanken fragen

plagen und bedrücken mich

 

Welt, die viel zu gross geworden

Zeit, die rasend schnell vergeht

Schicksal eines jeden Menschen

Erde die sich ewig dreht

 

Leben, dass mich überwältigt

Tod, und ob es weitergeht

Kinder, die geboren werden

Zukunft die vielleicht noch wird

 

Novembergrau hüllt sich in Schweigen

schwer und träge ist das Wort

Donner rollen und der Regen

peitscht die letzten Blätter fort

DSC06805 (Medium)

 

Mohamed

Ich suech en Mönsch uf dere Erde

vor langer Zyt han ich ihn kennt

und plötzlich g’spüre ich im Herze

öppis wo ganz dringend brennt

 

Vergiss mich nie, het er mir einisch

gschriibe us sim Heimetland

de Brief hani hüt wieder gfunde

und heb en zittrig i de Hand

 

Er isch en Flüchtling gsi vo vilne

und „gflüchtet“ ja, das bin au i

doch damals simmer alli zäme

mitenand diheime gsi

 

Sither sind vill Johr vergange

wiit ewäg isch säbi Zyt

und vill Schöns isch bliibe hange

wo immer i mim Härze bliibt

 

Und es chlopft, wenn i dra dänke

wenn ich sis Bild und sini Chind

wenn ich si alueg und mich froge

öb ich si ächt no einisch find?

 

IMG_3266
Mohamed Dimassi, heute 64 Jahre alt
und seine beiden Kinder
in Sidon, Lebanon

 

 

 

ich bin gewachsen

Noch einmal zurückgehen
an den Ort,
wo mich die Angst packte.
Damals,
alleine in der Wüste.

E37D06E2-4101-4ADB-9687-8FC7E04B1B54
Noch einmal
die Wand hoch klettern.

68BC7438-07C0-4A47-8E6C-85651B59A02D
Schritt für Schritt

E96F1532-99B7-4690-BD38-9C49164C25E7
Noch einmal ankommen.
Totale Freude spüren.
Und die Kraft.
Ich bin gewachsen
über meine Angst hinaus.

Wüste, wie bist du schön…

Wie bist du schön,
unendlich weit,
Wüstenland,
du kennst keine Zeit.
Die Stille spricht
das einzige Wort,
es flutet mein Herz
und trägt mich fort.
Auf Flügeln hinauf
zu deinen Höhn,
Welch eine Freiheit
dort oben zu stehn.
Oh Seele, umarme
dein grosses Glück,
begreife das Wunder,
den Augenblick.
Und stehst du am Abgrund,
bewahr deinen Gang,
auf Wüstenpfaden
den Gipfeln entlang.
Schau stets zum Himmel,
du Menschenkind,
es bleiben ewig,
die glücklich sind.
02D33756-4162-4A91-B1F8-86E933CE7FC0

Grossmuetersäge

Liebe Benia,

wieder bin i wiit wäg, wie vor vier Johr, wo du gebore bisch.
Aber i weiss no de Moment, won i di s’erscht mol i de Arme ghebt han und eusi Blick sich troffe hend…do hani gwüsst, dass mir eus gärn werdet ha und dass du en Mönsch mit emene guete Härz bisch

Benja (Medium)

Sig gsägnet liebe Benia
wo d’au immer gosch
din Name soll dich ehre
mit jedem Johr
wo d‘ meh verstosch

du Liebende, sig bhüetet
sig gführt ar guete Hand
vom ewig grosse Vater
du bisch sin Sohn
sis einzigartig Chind

sig muetig chline Maa
was i dir härzlich wünsche
bis stark und gang din Wäg
bliib immer du
en Fründ für alli Mönsche

Dita

Benia bedeutet Sohn Gottes. Eine der Hauptfiguren aus dem Roman „das rote Zelt der Frauen“ von Anita Diamant heisst Benia. Die Geschichte handelt von Dina, die im alten Testament als Tochter von Jakob nur kurz erwähnt. Es wird erzählt, dass ihre nicht standesgemässe Liebe von ihren Btüdern  brutal gerächt wurde.
Mehr weiss man nicht über Dina. 

Anita Diamant hat das Thema aufgenommen iund daraus ein  grossartiges Epos über Leben, Liebe,, Schmerz  und Leidenschaft geschrieben.  Zum guten Ende der in alttestamentarischer Sprache erzählten Geschichte taucht Benia auf, ein Wohltäter und Menschenfreund. Er wird Dinas zweiter Ehemann und schenkt ihr seine ganze Liebe und eine Heimat.

Herbstgrüsse

 

IMG_2522

Herbstblatt

Wenn die Welt kälter wird
und die Natur ansetzt zum Winterschlaf,
langsam und behäbig

wie unsere Liebe sich entwickelte,
die ihre Zeit brauchte in der Stille
der gedeihlichen Entfaltung,

wenn dann ein rotes Blatt
vor mir sich drehend niederfällt
auf mein Shirt, auf meine Brust,

dann weiß ich, es ist ein Gruß,
ein lieber Gruß von dir
und ich nehme das Blatt

und behalte es für immer.

©PP

Gedicht mit freundlicher Genehmigung von Herzkoma ausgeliehen

Ewigkeit

Gottes Werk
und all sein Planen
des Lebens Anfang
und sein Ziel
wer erfasst es
wer kann es  erahnen
wer versteht
des Menschen Daseins Sinn

Und doch
ist es das Leben
das uns liebt
und das uns tief bewegt
und die Sehnsucht
dass es ewig währet
hat Gott in unser Herz gelegt

frei nach Kohelet 3,11