nie zu vergessen, dass man eins war!


zwischen den Bildern liegen 50 Jahre
Leben berührt – Gedichte und Geschichten
nie zu vergessen, dass man eins war!


zwischen den Bildern liegen 50 Jahre
Ich liebe es, das kleine Dörfchen
mitten in dem Frenkental
Ich freue mich an seinen Hügeln
und den Weiden, jedesmal
Ich liebe ihn, den Duft des Waldes
und der Wiesen nebenan
wo die Schlüsselblumen blühen
wie sie’s damals auch getan
Ich liebe sie, die alten Häuser
in vielen hab ich schon geweilt
Geschichten die sie mir erzählen
aus meiner schönen Kinderzeit
Ich liebe sie, die lange Strasse
auf welcher ich zur Schule ging
wo ich oft anstatt zu laufen
bunte Schmetterlinge fing
Ich liebe sie, die alten Bäume
die wohl hundert Jahr schon stehn
und – wenngleich sie auch schon knorrig
jeden Frühling wieder blühn
Ich liebe sie, diejen’gen Menschen
die aus jener frühen Zeit
mir ein Gefühl von Heimat geben
etwas wie Geborgenheit
Ich liebe sie, die alten Zeiten
oft geschiehts und ich bin fort
auch in Gedanken reis ich gerne
immer wieder an den Ort
Wie oft
bin ich zurückgekommen
hoffend
dass ich noch etwas
Heimat fände
und jedes Mal
benommen
bin ich umgekehrt
in meine Welt
dort in der Fremde

Schlüsselblumen auf den Wiesen meiner Kindheit

Mit fünfi bin i s‘erscht mol gfloge
und ha abegluet uf d‘Wält
mit em Mami wiit wiit obe
han i Städt und Dörfer zellt
D’Tschduwardess, die liebi Frau
het mer Farbstift und Papier
Orangesaft und Tchipsli au
uf’s Tischli gstellt am Platz bi mir
I weiss no guet und wie’s isch gsi
und wieni gstuunet ha
d’Hüüser, d‘Stroose, alli chli
und druff hets Spielzügauti gha
Obwohl, so ganz verstande
han i die Reis jo nid
und dass mer denn sind glande
goht ir Erinnerig zwiit
Es isch mir aber bliibe
de bsunders schöni Flug
Ich und s’Mami si go fliege
nach Gänf und wieder zrugg
Sit denn si füfzig Jahr vergange
jetz sitz i drin im Autobus
näbe mir isch mini Mame
mir sind schon bald am Airport dus
Ich bin‘s jetzte, wo tuet luege
sie ar Hand zum Flugzüg bringt
dass ihre wohl isch und tuet füege
und euses chline Reisli glingt
S’Flugi isch scho bald druf abe
mit eus in Süde unterwägs
dass mir zwöi das nomol erläbe
das freut mi halt wie lätz
S’Mami gseht scho nüme guet
drum tue n‘em alles brichte
vom Fänschter, wemme useluegt
und was me alls chan sichte
Hoch ob de Wulche dänk i zrugg
zrugg a jedes Jahr
mit ihre bis zum erschte Flug
e Gschicht – ganz wunderbar
für mis Mutti zum Muettertag

uf em erschte Bild bin i mit em rote Mänteli a de Hand vom Mutti
Min Unggle het en Schiilift gha
am Hügel näb sim Huus
i bi damals nones Chind
es schüchs gsi und es chlis
Fahre hani zwar scho chönne,
breit und beinig uf de Schii
aber bim e Renne gwünne
wär ganz und gar unmöglich gsi
Das hani gwüsst woni verstohle
de Gschänklitisch bestuunet ha
für all wo starte hets döt Priise
schön und wunderbari gha
Eine het mer bsunders gfalle
aber ebe…s’isch wie s’isch
dä wo gwünnt wird ohni Zwiifel
grad DAS Gschänkli neh vom Tisch
Es isch es Taschelämpli rot
es runds gsi und mit chline
wienes Mariechäferli
mit schwarze Pünktli fine
No nie hani es sones härzig
Tierli gseh zum lüchte
genau das wärs woni grad jetz
zum glücklich si no brüüchte
Es het mi gwüss grad animiert zum
schnäller si denn je
und so guet is halt ha chönne
bin i abe ufem Schnee
Gnützt hets aber gar nid vill
uf de Lischte wiit wit hinde
jo, die Letschti bini gsi
die Letscht vo allne Chinde
De Unggle het mi denne tröschtet:
„Lueg es het doch gwüss
au für di es chlises Gschänkli
zum Bispil dört die feine Nüss!“
De Tisch isch fascht scho abgruumt gsi
won i bi zuenem cho
und gseh – ungläubig- s’Chäferli
de bescht Priis lit no do!
Ganz verläge han en gno
unds nid so rächt verstande
dass niemer, keine usser mir
das Lämpli kuul het gfunde
Sicher ischs en Irrtum gsi
drum hanis schnäll versteckt
villicht hätt ein im nach hinein
de Irrtum no entdeckt
Wo’s dunkel gsi isch a däm Obe
het es überglücklichs Chind
dihei im Bett under de Decki
mit em Chäferlämpli gspillt
und so zu sich sälber gseit
was kümmeret mich e Lischte
niemert weiss es aber hüt
hani gwunne uf de Pischte

Die chlini Dita stoht verlore
im Lädeli grad näbedra
vom Ferielager i de Bärge
und luegt die schöne Sachen a
Am liebschte würd sie heime fahre
s’Lager, das isch nüt für si
gäb‘s nid das Maitli, wo si plooget
wär‘s villicht no andersch gsi
S‘Lädeli isch wien‘en Troscht
mit sine schöne Sache
und Dita weiss denn plötzlich au
was sie chönnti mache…
Ich chauf mir doch es Souvenir
vo mim Feriebatze
und Eis für alli, wo dihei
das würdet‘s sicher schätze
Natürlich längt das Gäld nid wiit
nur grad für’s Murmeltier
es bitz enttüüscht drückt si’s an sich
du Chlises – ghörsch jetzt mir.
Am Obe nimmt sie alle Muet
goht und frogt de Leiter
„chasch du mir nid…?“
„doch doch, ich chan
es bitzeli chan i“, seit er
Jede Tag chauft Dita jetzt,
im Lädeli es Gschänkli
und zobe sitzt si denn
bim Lagerleiter uf em Bänkli
Und de git ihre immer wieder
no en Batze druf
bis eines Tages meint er denn
„Maiteli, jetzt isch Schluss!“
Schluss isch‘s au mit Lagerläbe
Dita isch so froh
d’Gschänkli het si alli packt
d‘Eltere sind scho do
Fröhlich seit sie jedem „tschüss“
jetzt cha si wieder lache
und dihei – was werdet‘s ächt
für grossi Auge mache?
Wenn Dita denn us ihrem Sack
die schöne Gschänkli nimmt
und jede vor Familie
vo ihre eis bechunnt?
De Vati ladet d‘Koffer uf
„hesch au nüt vergässe?
Mir wei fahre,“ seit er denn
„und nöime no go ässe.“
Dita isch versöhnt mit sich
es isch doch ganz guet gloffe
do chunnt de Lagerleiter no
und sait:
„Ei Rächnig wär no offe…“

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Lang ist’s her
als wir noch spielten
unbeschwert und ohne Groll
als wir noch einander neckten
Hände hielten
uns versteckten
und uns suchten überall
Lang ist’s her
als eines Tages
plötzlich alles anders war
niemand konnt‘ es mir erklären
was in dich
in uns gefahren
irgendwie war’s unfassbar
Lang ist’s her
in diesen Tagen
als wir noch im selben Haus
einander fremd und feinde wurden
wortlos
– nur die Wände murrten –
ging’n wir schweigend ein und aus
Nur einmal war’s
und schicksalshaft
schenktest du mir deine Zeit
und ludst mich ein zu deinem Freund
Ein Abend nur
und beide wohl
haben wir es sehr bereut
Bald darauf
als unsere Wege
sich getrennt, war’s selten mehr
dass wir uns noch angetroffen
zwischen Welten
fern und hoffen
denn du fehltest mir so sehr
Viel später war’s
als wir uns sahen
und es mich unendlich fror
deine spotten Worte trafen
mich zutiefst
mit Messer, scharfen
und die Wut stieg mir empor
Doch gestern erst
als ich noch zürnte
fand ich ein gefror’nes Herz
ich schaut‘ es an und es erzählte
mir von uns
so dass ich ahnte
deiner Seele grossen Schmerz
Heute ist’s
dass ich verstehe
was des Menschen ärgster Feind
wenn wir nicht vergeben können
frieren wir
anstatt zu brennen
bis wir ganz erfroren sind
Für immer ist’s
dass ich sie halte
und sie wärmend an mich drück
die Liebe jener Kindertage
wenn wir wollen
lieber Bruder
kommt sie noch zu uns zurück

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