der Steinblick

Ich leide am Steinblick beim Wandern
vor lauter Steine
kommt mir der Weitblick abhanden
mein Auge entdeckt
grosse und kleine
mitunter geschickt
findet es gar
ein seltenes Paar
was Glück ist, ich meine
das freut mich schon sehr
denn manche Steine
sind alt und antik
eigentlich alle
doch manche sind‘s mehr
und eben auch schick
darum passiert es
oft wegen einem
oder der Fülle
von schönen Steinen
dass ich den Ausblick
beim Wandern verpasse
die Augen am Boden
herum wandern lasse
es holt mich der Steinblick
doch jedes Mal ein
und lässt mich des Abends
noch steinreicher sein

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Andenken an die Wüstenwanderung im Negev, Israel

s’Schneewitli

Im Brockehuus han is entdeckt
s’Schneewitlibuech
es koschtbars Exemplar
genauso alt wie’n ich
und jedi Siite ufklappbar

E sones Buech hett i als Chind
gwüss veruckt gern gha
s’isch mer gsi als wien en Traum
damals, wo’nis  gseh
und drinne blätteret ha

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s‘Schneewitli drüdimensional
mit sine siebe Zwärge
die bösi Häx, de schöni Prinz
hinter de siibe Bärge
en Sarg us Glas und denne zletscht
am Königshof
es Hochzytsfescht

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i han‘s gliebt und s’Bescht –
jetz lit das Buech vor mir!
E Stimm seit liis:
Das chaufsch dr grad
doch denn – g‘sehni de Priis
du mini Güeti isch das tüür!
hundert Schtutz
das isch jo g‘schpunne
x-mol han is dreit ir Hand
und mi denne andersch b’sunne

I bi defür mit miner Tochter
go n’es Kaffi trinke
wägem Buech het si nur gmeint:
huuu, das würd mir stinke
sovill Gäld, es isch no fräch
für alti Büecherwar
Mami, sicher gits das gliiche
woanders no vill billigar

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Dihei han is em Maa verzellt
er het’s grad sofort gspürt
dass mi de Fund
jetzt halt berüehrt
und seit denn au: „Du liebi Frau
verchopf di nid wäg some Priis
mir gönge‘s morn go hole
denn hesch das Buech
denn isch es diis!“

Am nöchschte Tag im Brockehuus
isch d‘Enttüschig gross
mis Buech isch weg
s’isch niene meh
öpper heg’s grad poschtet
churz nachdem i gange bi
so isch de Bscheid
– es het mi g’fruschtet –
vom Brockibsitzer gsi

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i han mi grämt und g‘ärgert
dass i so gizig gsi
und das Buech mir nid de Wert
nid wert isch gsi
zum’s sofort mit mir heime neh
fascht brüelt hani i derwäge
und mer gschwore denn:
s‘Nöschtmol losisch uf di Stimm
und schätzisch‘s si nid gring

Am Muettertag nid lang druf abe
chunnt mi Tochter z‘Bsuech
und leit mer fascht a chli verläge
uf‘s Bett es ipackts Buech
i packes us …..s’Schneewitli!

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Jetzt hett i fascht vor Freud no brüelt
das tuusigs choge  Chind
isch heimlich no am gliiche Tag
is Brocki gange gschwind
hets Büechli kauft und so sin Wert
a säbem Muettertag
ums Vielfach nomol gschteigert
das isch wohl gar kei Frag

Novembergrau

Novembergrau hüllt sich in Schweigen 

rauhe Winde jagen sich

düstere Gedanken fragen

plagen und bedrücken mich

 

Welt, die viel zu gross geworden

Zeit, die rasend schnell vergeht

Schicksal eines jeden Menschen

Erde die sich ewig dreht

 

Leben, dass mich überwältigt

Tod, und ob es weitergeht

Kinder, die geboren werden

Zukunft die vielleicht noch wird

 

Novembergrau hüllt sich in Schweigen

schwer und träge ist das Wort

Donner rollen und der Regen

peitscht die letzten Blätter fort

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ich bin gewachsen

Noch einmal zurückgehen
an den Ort,
wo mich die Angst packte.
Damals,
alleine in der Wüste.

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Noch einmal
die Wand hoch klettern.

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Schritt für Schritt

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Noch einmal ankommen.
Totale Freude spüren.
Und die Kraft.
Ich bin gewachsen
über meine Angst hinaus.

Herbstgrüsse

 

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Herbstblatt

Wenn die Welt kälter wird
und die Natur ansetzt zum Winterschlaf,
langsam und behäbig

wie unsere Liebe sich entwickelte,
die ihre Zeit brauchte in der Stille
der gedeihlichen Entfaltung,

wenn dann ein rotes Blatt
vor mir sich drehend niederfällt
auf mein Shirt, auf meine Brust,

dann weiß ich, es ist ein Gruß,
ein lieber Gruß von dir
und ich nehme das Blatt

und behalte es für immer.

©PP

Gedicht mit freundlicher Genehmigung von Herzkoma ausgeliehen

Ewigkeit

Gottes Werk
und all sein Planen
des Lebens Anfang
und sein Ziel
wer erfasst es
wer kann es  erahnen
wer versteht
des Menschen Daseins Sinn

Und doch
ist es das Leben
das uns liebt
und das uns tief bewegt
und die Sehnsucht
dass es ewig währet
hat Gott in unser Herz gelegt

frei nach Kohelet 3,11

schrecklich und schön

Während ich über die Berge laufe
und die wunderschöne Natur betrachte
sind meine Gedanken bei jenen
die um ihr Leben laufen
vor der Naturkatastrophe
und ausser Atem sind
während ich die frische Bergluft einatme
und mich sicher fühle
auf dem Weg nach Hause
während sie ihr Zuhause verlieren
gerade in diesem Augenblick

P1070037 (Medium)

uf dr Stäge

Eine Nachbarin meinte einmal,
dass ich einen Psychiater brauche
weil ich so oft die Treppe rauf und runter gehe
bevor ich das Haus verlasse

Uf dr Stäge 

 Es isch de zwölfti Mai am Morge
i mues zum Arzt und spöter no
sött i dies und jenes bsorge
bis am Mittag schaff‘is scho

 Will’s no chüel isch nimm i gschiider
schwupp…no mini Jacke mit
im Stägehuus
do chunnts mer wieder
jo genau, das hani nit
dr Lippestift zum d‘Lippe pfläge
und scho bini wieder dobe
lueg umenand
er isch doch ebe do no gläge
uf em Gstell
ar Chuchiwand?
I suech im Bad, er isch nid dött
villicht no do?
I renne ume, bliibe stoh
jede morge s’gliiche Drama
eigentlich sött i jetzt go 

Isch er ächt im Zimmer bliibe
hanen dört z‘letscht anegleit?
Jo würklich, er lit uf em Bode
sicher isch er abegheit
aber jetzt kei Zyt verliere
Lippe schmiere
Stift in Sack
und Stägen ab
zur Usgangstüre 

De Nochber isch au grad uf Wäge
er seit „Hallo“ und hebt de Huet
i triff ihn gwöhnlich uf de Stäge
rüef em no noche:
machs denn guet

 Uf em letschte Stägetritt
en Griff in Täsche…Jemmersnei
s‘Telifon isch no dihei!
Ohni das chan i nid furt
also wieder zrugg im Spurt
Stäge ufe
Stäge abe
use und zum Velo trabe
Stop!…….oh nei!
de Schlüssel isch au no dihei

 i muess doch s‘Velo chöne b‘schlüsse
aber  jetzt  bigoscht pressierts
nomol ufe!
nomol  abe!
langsam chumeni no z’schnuufe
und vorusse…. giessts

 Das dörf doch gar nid wohr si
Shit!
also mues de Schirm no mit!
S‘füfte Mol renn i scho abe
langsam g‘spür is i de Wade
jetzt aber schnäll und ab ufs Rad
Hugo Hüü, i bi parat!

 Do chunnt de Nochber wieder z‘renne
zrugg zum Huus, es isch kei Frag
er hebi öppis no vergässe
das passier ihm jede Tag

„Jo das kenn i“, säg i lachend
uf em Rad en Schwänker machend
Hugo los, kei Zyt verliere
mer müend jetz grad es bitz pressiere!

Es längt mer grad zur rächte Zyt
zum Doktershuus, s’isch nid so wiit
I park de Hugo, öffne d’Tür
gang d’Stägen uf…

Halt! Ei Momänt
es isch mer fascht
wie cha das si?
isch hüt am Änd?
min Hugo, nei!
Hüt isch erscht de elfti Ma

wie viele Male geht ihr denn die Treppe rauf und runter
oder wie oft kommt es vor, dass ihr nochmals zurück geht,
bevor ihr definitiv das Haus verlässt?