Dinge im Leben

Es gibt Dinge
die mich seit Jahren treu begleiten
wertvolle und geliebte Erinnerungen
Fenster
in die Vergangenheit

Es gibt andere Dinge
die sich um mich herum verändern
sie inspirieren, fordern mich heraus
lassen mich kreativ sein
in der Gegenwart

und dann gibt es Dinge
die sich von mir verabschieden
Sie setzen mich frei, schaffen Raum für Dinge
die noch kommen sollen
in der Zukunft

Aus meiner Zeit als Aushilfsreligionslehrerin:
Selbstgedrehte Schnur mit Perle, welche ich von einem kleinen Jungen
zum Abschied bekommen habe. Sie war in einer schmucken Zündholzschachtel verpackt, die leider nicht mehr auffindbar ist
Jedesmal wenn ich die Schnur in den Händen halte, sehe ich des Jungen leuchtenden Augen
Ich glaube, er hat mich ein bisschen geliebt, aber er liebte auch die Geschichten aus der Bibel,
die ich den Kindern erzählen durfte

Ahnen

Hast du
eine Ahnung
von deinen Ahnen?
Kennst du
sie alle mit Namen?
Ihre Familien und ihre Fahnen?
Wann sie gelebt,
in welchem zeitlichen Rahmen?
Weisst du
woher sie kamen
auf welchen Bahnen?
Ob manche wohl eine schiefe
oder sich gleich
das Leben nahmen?

Hast du
jemals erfahren
wer sie waren?
Was sie beruflich unternahmen?
Waren sie Freie?
Herren?
Waren sie Untertanen?

Kannst du
erahnen
die Dramen
die damals waren?
Und gibt es solche
die dich ermahnen?

Weisst du
von welchem Samen
du…?

Was wirst du
bewahren
von dem was du weisst
von deinen Vorfahren?

Meine Ururgrosseltern väterlicherseits
Johannes und Karolina
sie hatten 18 Kinder!

Eines von ihnen war Emma, meine Urgrossmutter
Sie arbeitete tagein tagaus als Posamenterin (Seidenbandweberei)
am Webstuhl, derer ganze drei in der grossen Stube standen
Für 10 Stunden pro Tag gab es 10 Fränkli
Mein Vater erzählt, dass sie als Kinder oft mithelfen mussten

Mein Grossmutti mütterlicherseits
Sie hatte 10 Kinder gross gezogen, 2 Webstühle bedient.
Der Grossvater war Alkoholiker und starb bevor ich geboren wurde.
Jahrelang musste sie ihr Gesicht verbinden, da sie an Hauttuberkulose litt
Die letzten fünf Jahre ihres Lebens durfte sie bei uns verbringen.
Ich erinnere mich gerne an ihre fröhliche Art, und dass wir mit ihr gesungen haben
Noch sehe ich sie vor dem Lavabo sitzen mit ihren langen schneeweissen Haaren, die ich immer gerne gekämmt habe.
Meine Mutter sagte dann oft: Vor einem grauen Haupte sollst du aufstehen und vor einem weissen Haupte niederknien.


wasserschüüch

S’Dorli isch als chlises Chind
im Schwimmbad fascht vertrunke
ä Maa hets grettet grad no gschwind
sus wärs am Bode gsunke

Sit denn isch es em Dorli gliich
wenns nid is Wasser mues
isch’s heiss
denn sitzt’s am Strand ganz schüüch
und badet sini Füess

Heimat


Ich liebe es, das kleine Dörfchen
mitten in dem Frenkental
Ich freue mich an seinen Hügeln
und den Weiden, jedesmal

Ich liebe ihn, den Duft des Waldes
und der Wiesen nebenan
wo die Schlüsselblumen blühen
wie sie’s damals auch getan

Ich liebe sie, die alten Häuser
in vielen hab ich schon geweilt
Geschichten die sie mir erzählen
aus meiner schönen Kinderzeit

Ich liebe sie, die lange Strasse
auf welcher ich zur Schule ging
wo ich oft anstatt zu laufen
bunte Schmetterlinge fing

Ich liebe sie, die alten Bäume
die wohl hundert Jahr schon stehn
und – wenngleich sie auch schon knorrig
jeden Frühling wieder blühn

Ich liebe sie, diejen’gen Menschen
die aus jener frühen Zeit
mir ein Gefühl von Heimat geben
etwas wie Geborgenheit

Ich liebe sie, die alten Zeiten
oft geschiehts und ich bin fort
auch in Gedanken reis ich gerne
immer wieder an den Ort




Was eimol isch gsi

Was eimol isch gsi
und denn lang nümm,
isch plötzlich wieder
dis Lache, di Stimm
Du bisch es, isch’s möglich
nach so langer Zyt
gsehn ich dich wieder,
dass es so öppis git!
Vertraut und doch neu,
zwüsche nöch und no fern
gschpüre mer bedi,
mir hend eus no gern

für meinen Schulschatz
(mit Blume in der Hand)
den ich nach 45 Jahren wieder getroffen habe

und wo ist die Brig?

Sternenmeer

Klirrend kalte Winternacht
und viele tausend Sterne
haben sich heut aufgemacht
und leuchten in der Ferne

Es berührt mich sonderbar
obwohl es Jahre her
bleibt wie das Funkeln wunderbar
noch jene Nacht vor mir

Ein Sternenmeer hat uns gegrüsst
Zeugen ohne Zahl
als du mich damals hast geküsst
wohl hunderttausend mal

Ohne Schuld und ohne Ziel
mächtig wie die Berge
war unser erstes Liebesspiel
vom Schönsten auf der Erde

Und seh ich heute über mir
der Sterne hellen Klang
ist’s mir als käm ein Gruss von dir
der Himmelsbahn entlang

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in der Eisenbahn

Oft, wenn ich in der Eisenbahn sitze
und zum Fenster hinaus schaue
ziehen die Erinnerungen vorbei
Stationen meines Lebens
Ich denke gerne zurück
an all die unvergesslichen Momente
manchmal lächle ich
und träume
manchmal trifft mich auch ein leichter Schauer
dann atme ich tief durch

und steige wieder aus
ins nächste Abenteuer

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Bildquelle: https://de.123rf.com/

verbunden

Was ist es, was ich fühle
nach vielen Jahren noch?
in mir
ich spüre es ganz deutlich
lebendig, nah und doch…

ist mir nicht dein Leben
längstens unbekannt
Freundin
was war es überhaupt
was damals uns verband? 

So oft ich an dich denke
stürmt es auf mich ein
und heut‘ in meinem Träume
riefst du mich plötzlich an:

Ich hielt den Hörer fest
in meiner Hand und lauschte

Stille

du sagtest gar kein Wort
nur die Verbindung rauschte

Für einen Augenblick

sah ich die Kinderschar

im Traum

die Deinen und die Meinen

als ob es gestern war

Wie liebte ich die Tage

die wir bei euch verbracht

Jahr für Jahr

dass es nicht so bliebe

hätt ich nie gedacht

Ich bat dich doch zu sprechen
doch blieb die Leitung still
schliesslich 
hab ich unterbrochen
mit mulmigem Gefühl 

Noch Tage später war es mir
als würd im Augenblick
das Telefon
als müsste es doch klingeln
und der Traum käm noch zurück! 

Er kam nicht, doch traf׳s mein Herz
als ich es spät erfahren
das Schweigen damals
war dein Schmerz
dein Kind – hast du verloren

in Verbundenheit für Tabita und Omer

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