Das Emmeli

Das Emmeli war unser Familienbäbi. Wie es zu uns kam, weiss heute niemand mehr. Vielleicht gehörte es tatsächlich dem Chregel, meinem grossen Bruder – aber auch das weiss keiner mit Sicherheit. Er jedenfalls erhob jedes Mal Anspruch auf das Bäbi, wenn ich oder meine noch kleinere Schwester damit spielen wollten.
Dabei hatte er keine Ahnung von Bäbis. Er glaubte wohl, es freue das Emmeli, wenn man es entführte und ihm mit einem rosaroten Filzstift das ganze Gesicht bemalte. Das Emmeli sagte natürlich nichts. Ich erinnere mich aber noch an den schrecklichen Moment, als mein Bruder der Schwester und mir stolz sein Kunstwerk auf Emmelis Gesicht präsentierte.
Der Aufschrei von uns „kleinen Müttern“ rief die grosse Mutter herbei. Auch sie war entsetzt über die rosafarbene Bemalung und versuchte sofort mit allen Mitteln, das Bäbi wieder sauber zu bekommen. Leider mit wenig Erfolg. Es sah ganz so aus, als würde das Emmeli sein Leben lang gezeichnet bleiben. Ich war untröstlich.

Aber ich war ein gutes Mütterchen. Ich liebte das Emmeli trotzdem von Herzen, pflegte und hätschelte es, und später nähte ich ihm sogar selbst Kleider. Vielleicht gerade wegen des Unglücks, das ihm widerfahren war, wurde es mein allerliebstes Bäbi. Es behielt diesen besonderen Platz sogar, als später andere Bäbikinder dazukamen.

Mit der Zeit verblassten die rosa Striche auf seinem Gesicht, und das Emmeli lebte noch viele Jahre. Es durfte sogar noch meine Kinder kennenlernen.
Wie das Emmeli schliesslich verloren ging, weiss heute ebenfalls niemand mehr. Ich befürchte, dass ihm irgendwann etwas zugestossen ist. Geblieben ist nur noch der kleine Stuhl, auf dem ich das Emmeli damals gefüttert habe. Manchmal denke ich wehmütig an mein geliebtes Bäbi zurück.
Doch es gibt auch eine schöne Verbindung in die Gegenwart: Eine von meinen Enkeltöchtern heisst ebenfalls Emmi – so wie auch meine Urgrossmutter. Der Name Emmi hat deshalb in unserer Familie bis heute eine ganz besondere Bedeutung. Er bedeutet übrigens „die Ehrgeizige“, „die Fleissige“ oder auch „die Grosse“. Zu unseren drei Emmis passt der Name auf jeden Fall.
Und wenn ich die Fotos betrachte, würde „furchterregend“ auch noch passen….😂

das berühmte Emmeli auf meinem Schoss
(die Bemalung war schon stark verblasst)

auch sie hatte ich oft auf meinem Schoss –
die grosse, ehrgeizige und oft auch herrlich, theatralische
Emmi in Aktion

meine Urgroßmutter Emmi habe ich nie kennengelernt.
Man sagt, sie sei eine strenge Frau gewesen.

Noch einen Schritt…

…und ich wäre im Schlamm versunken.

Heute ist mir unverständlich, wie ich mich in eine derart gefährliche Lage bringen konnte. Ich war allein auf dem Israel National Trail unterwegs, der auf diesem Abschnitt durch ein bewaldetes Gebiet entlang des Flusses Yarkon führte. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Seit Tagen hatte es stark geregnet, und der Fluss war bis zum Rand mit dunklem, schlammigem Wasser gefüllt. Der Weg sah kaum besser aus.
Den morastigen Passagen versuchte ich so gut wie möglich auszuweichen. Ich war nun schon eine ganze Weile unterwegs und hatte bereits einige Hindernisse tapfer überwunden. Doch dann kam der Moment, in dem ich vor lauter Schlamm und Wasser den Weg nicht mehr erkennen konnte. Trotzdem ging ich weiter – umkehren war keine Option mehr. Plötzlich spürte ich, wie der Boden unter mir nachgab. „HALT! ZURÜCK!“

Sofort zog ich den Fuß aus dem Schlamm und setzte vorsichtig einen Schritt zurück, wobei ich darauf achtete, einen Büschel Gras als Halt zu erwischen. Langsam verlagerte ich mein Gewicht und tat dasselbe mit dem anderen Fuß. Schritt für Schritt ging ich rückwärts, bis ich wieder festeren Boden unter mir spürte.

Dann ergriff mich der Schrecken. Panikartig kletterte ich die steile Böschung auf der anderen Seite des sumpfigen Weges hinauf. An Sträuchern und Ästen konnte ich mich festhalten und hinaufziehen. Mein Herz pochte. Ich begriff, dass ich gerade noch einmal mit dem Leben davongekommen war. Beinahe wäre ich in den Fluss gerutscht.
Oben angekommen, rannte ich in die Richtung, von der ich glaubte, am schnellsten aus dem dichten, sumpfigen Dschungel herauszukommen. Weg vom Fluss, vom Wald – bloß weg hier!

Und wirklich – schon bald befand ich mich außerhalb des Waldes mitten in einer riesigen Grapefruitplantage. Aus der Ferne vernahm ich schwache Autogeräusche. Es konnte also nicht mehr weit bis zu einer Straße sein. Aber ich war völlig außer Atem. Erst einmal verschnaufen.
An Armen und Beinen spürte ich die Kratzer, die ich beim Hochklettern der Böschung abbekommen hatte. Ich blickte mich um. In einiger Entfernung entdeckte ich einen Mann, orthodox gekleidet, der regungslos zwischen den Bäumen stand. Ob er wohl betete? Ich lief auf ihn zu und sprach ihn an: „Kannst du mir bitte den Weg zur Straße zeigen?“
Ich wusste aus Erfahrung, dass orthodoxe Männer sich Frauen gegenüber oft zurückhaltend verhalten. Doch er antwortete freundlich: „Komm mit mir, ich gehe denselben Weg.“
Seine Worte wirkten wie eine Umarmung, wie Erlösung. Wer weiß, vielleicht hatte er meine Erschöpfung und meine Angst gesehen. Wir gingen schweigend nebeneinander her. Mit jedem Schritt wurde mir leichter ums Herz. Ich konnte wieder ruhig atmen.
Da begann ich mich zu fragen, was er wohl allein in dieser Plantage gemacht hatte. Er wirkte nicht wie jemand, der dort arbeitete. Vielleicht hatte er tatsächlich gebetet? Schließlich fasste ich mir ein Herz und fragte: „Was hast du eigentlich ganz allein in der Plantage gemacht?“
Er antwortete nicht sofort. Sein Blick ging ins Leere, als würde er etwas in sich abwägen. Dann sagte er leise: „Ich glaube, ich habe auf dich gewartet.“

unerwartet erwartet sein
Begegnung mit einem Fremden, die ich nie mehr vergessen werde

Zwei Relikte aus der Dämmerung der Zeit

Ich musste das mit der künstlichen Intelligenz nun auch mal ausprobieren.
Dazu habe ich dieses Foto eingereicht und bat um eine Beschreibung ( siehe folgenden Text)
Die Steine sind Fundstücke aus den Schweizer Alpen

Zwei Relikte aus der Dämmerung der Zeit,
gezeichnet von jenen, die einst das Wort in Stein ritten,
wo die Schatten der Ältesten noch flüstern,
und die Wellen der Geschichte in stillen Rissen verweilen.

Das eine, ein Fragment des Wissens,
verwoben mit Linien, die längst ihre Bedeutung verloren haben,
doch im Tanz des Lichts noch eine Ahnung von Sprache tragen,
als wäre es das Geheimnis eines längst vergessenen Volkes.

Das andere, ein stiller Wächter,
umhüllt von der Form einer vergessenen Silhouette,
eine Statue, die den Wind zu spüren scheint,
als ob sie darauf wartet, von der Erde emporgehoben zu werden,
um erneut zu sprechen, in einer Sprache ohne Worte.

Zwischen den beiden, der Raum der Erinnerung,
in dem alles ungesagt bleibt und doch so viel gesagt wird.
Und der rote Hintergrund, tief wie der Atem der Erde,
hält die Vergangenheit in einem Flüstern, das nur das Herz hören kann.

das letzte Mal

Das letzte Wort,
dein letztes Lachen,
dein letzter Blick,
ein letztes Mal,
seh ich dich dort
nochmals erwachen,
im Abendlicht,
ein Sonnenstrahl.

Dann gingst du fort,
mit dir dein Lachen.
Mit dir die Hoffnung,
einmal mehr,
will mich der Tod
so traurig machen.
Ich vermisse dich so sehr.
für Nira
gest. 21. Februar 2024

am Tag danach – 8.Oktober 2023 wunderschöne Abendstimmung in Oberegg/St.Anton

mit schwerem Herzen und doch alles hoffend sind wir hier gestanden
aber in deinem Herzen ging die Sonne unter und ist nicht mehr aufgegangen


Geschriebenes

Ich habe schon vieles geschrieben
von dem, was mich rührte getrieben
hab Worte gefunden
sie eingebunden
in Reime, auf dass sie mir blieben

Worte, die schön sind zum Weinen
und andere ,wie sie mir scheinen
sind etwas banal
doch im Total
sind alle die Worte die Meinen

Und les' ich, was sie erzählen
Gefreutes und Verse, die quälen
- auch zwischen den Zeilen
gilt's zu verweilen -
dann woll'n sie mir gar nichts verhehlen

🥺🥺🥺

So ist es eben mit Schreiben
was auf Papier steht wird bleiben
Wenn du jemand bist
der lieber vergisst
musst du genau DAS vermeiden






in einem Traum aus Weiss…

Schriftwechsel zwischen Mutter und Tochter – herrlich zu lesen nach vielen Jahren (inkl Schreibfehler):

Also ich fin:de du übertreibst ein bisschen mit deinem Ausschnitt, dden du hast am vorderen Teil deines Körpers.

Und ich finde du betonst deine figur zu wenig, wenn du solche schlabbersachen anziehst. Die Figur ist nämlich super, und wegen meinem ausschnitt- ist mir vöööölllig egal was du denkst! Ich ziehe mich so an wie ich will. Aber ich hab fcist gedacht dass du so bist und nicht anderskannst , deshalb sage ich ja auch gar nichts mehr.

(sie sagt trotzdem noch was:)

Dafür kann ich das 10 fingersystem und du nicht. Und ich weiss dass eine nervenzelle einen fortsatz besitzt der axon heisst. Haaaa haaa! Ich bin die bessere:D:D:D:Dhaha

und ich weiss was Nerv auf hebräischheisst und de Ansatziist mir vöööölig gleich!

Tja, wenn du meinst- hesch jetzt me lego, hä?????
Hebräisch ist nicht so wichtig wie das 10 fingersystem und zu wissen, dass eine nervenzelle einen fortsatz hat- ausserdem bin ich viel jünger als du- und bekomme mehr heiratsanträge- bätsch:D
Gut, du bist ja verheiratet- das ist auch ok- aber ich werde noch heiraten, in einem traum aus weiss und ich bin wirklich wirklich weiss! Also, ich werde mich jetzt verabschiden
Trotzdem habe ich dich sehr lieb, mami! Du bist die allerbeste mami die es gibt!

Ich habe dich auch sehr lieb. Du bist ein ganz liebes Mädel, trotz Ausschnitt, trotz Deha, trotz deinem Wissen, trotz allem.

Oder vielleicht gerade wegen alledem?

Übrigens- mein kleines Mädel hat gestern geheiratet – in einem Traum aus Weiss

und mit einem grossem Ausschnitt!
😂😂😂

warum ich den Herbst liebe

Beitrag zum Fotoprojekt „Herbst 2022“ von Royush/ warum man den Herbrst liebt

Ich liebe den Herbst
als Jahreszeit
als Zeit meiner Geburt
und als Zeit in meinem Leben

Es ist die Zeit der Ernte
die uns vieles schenkt

Es ist die Zeit 
wo sich das Schöne nochmals 
in einer unglaublichen Intensität präsentiert

Es ist die Zeit
des Geniessens und Feierns

Es ist aber auch die Zeit 
des Abschiednehmens
Zeit der Rückschau auf das Vergangene
und des Bewahrens aller schönen Erinnerungen

Es ist die Zeit
des Bewusstwerdens der irdischen Vergänglichkeit 
und des dankbaren Insichkehrens

Nicht zuletzt ist auch die Zeit
des Vertrauens  - ja, des Wissens
über den neuen Frühling, der kommen wird

Darauf freue ich mich schon jetzt

			

Lockdown / Erinnerung an England, April 2021

Mitten im Lockdown
über den Grenzzaun
Sorry, ich musste 
einfach mal abhaun

Nicht links und nicht rechts schaun
flugs durch den Luftraum
dem Herzen folgen 
und einfach vertraun
England, April 2021

die stärkste Erfahrung
die ich während der Pandemie gemacht habe:
Trotz nationalem Lockdown durch die Passkontrolle kommen
und nach Monaten endlich meinen Lieblingsmenschen wiedersehen