warum ich den Herbst liebe

Beitrag zum Fotoprojekt „Herbst 2022“ von Royush/ warum man den Herbrst liebt

Ich liebe den Herbst
als Jahreszeit
als Zeit meiner Geburt
und als Zeit in meinem Leben

Es ist die Zeit der Ernte
die uns vieles schenkt

Es ist die Zeit 
wo sich das Schöne nochmals 
in einer unglaublichen Intensität präsentiert

Es ist die Zeit
des Geniessens und Feierns

Es ist aber auch die Zeit 
des Abschiednehmens
Zeit der Rückschau auf das Vergangene
und des Bewahrens aller schönen Erinnerungen

Es ist die Zeit
des Bewusstwerdens der irdischen Vergänglichkeit 
und des dankbaren Insichkehrens

Nicht zuletzt ist auch die Zeit
des Vertrauens  - ja, des Wissens
über den neuen Frühling, der kommen wird

Darauf freue ich mich schon jetzt

			

Dinge im Leben

Es gibt Dinge
die mich seit Jahren treu begleiten
wertvolle und geliebte Erinnerungen
Fenster
in die Vergangenheit

Es gibt andere Dinge
die sich um mich herum verändern
sie inspirieren, fordern mich heraus
lassen mich kreativ sein
in der Gegenwart

und dann gibt es Dinge
die sich von mir verabschieden
Sie setzen mich frei, schaffen Raum für Dinge
die noch kommen sollen
in der Zukunft

Aus meiner Zeit als Aushilfsreligionslehrerin:
Selbstgedrehte Schnur mit Perle, welche ich von einem kleinen Jungen
zum Abschied bekommen habe. Sie war in einer schmucken Zündholzschachtel verpackt, die leider nicht mehr auffindbar ist
Jedesmal wenn ich die Schnur in den Händen halte, sehe ich des Jungen leuchtenden Augen
Ich glaube, er hat mich ein bisschen geliebt, aber er liebte auch die Geschichten aus der Bibel,
die ich den Kindern erzählen durfte

Räp de Schmärz us em Härz

…..dass d’Freud chan ine cho!

Beim Aufräumen bin ich auf dieses Gedicht gestossen
Meine beiden Prinzessinnen sind vor 3 Jahren für ein Jahr nach Südamerika gereist. Ich habe wohl die ganze Flugreise gedanklich bei ihnen verbracht. Daraus ist der Rap entstanden
I han en Schmärz i mim Härz

 

DSC_1444 (Medium)

I han en Schmärz i mim Härz,
han doch gmeint, das i das schaff,
i bi stark, han jo Zyt,
Zyt gha, zum verstoh,
si wei go
.

Jetzt isch er do, de Moment,
woni gwüsst ha er wird cho,
Abschid neh für langi Zyt,
no e Stund, oder zwei
zäme si
.

 Mir sind alli chli nervös
und au müed, s’isch en lange, lange Tag.
Der Zug fahrt a, mir sind drin
samt Gepäck s’isch alles do
wo si hend
.

 Wäred’s doch, nume scho,
am andre Änd vo dere Wält.
I lueg di aa, chlini Buba, weisch,
bisch so schön, voller Abentüür
i han dich lieb
.

P1070466 (Medium)

Und dis Mami, beidi zäme,
Chinder,  i han keini Wort
zum beschriibe wie das isch,
wemme liebt, es isch Liide es isch Freud
es sich schön. 

Und zum Schluss, i weiss au nid,
was i säge, was i rede,
bhüet euch Gott, euch fescht hebe
i de Arme, das isch all‘s,
s‘chunnt scho guet. 

Aber denn flüsse d’Träne, niemer gsehts,
es muess use, es tuet guet,
no es bitzli wett i bliibe,
aber öppis in mir seit:
Wiitergo.

Und mir gönd alli zäme,
wiiter uf em Läbeswäg.
Ihr döt äne und mir bliibe
wunderbar sind alli Ort
uf de Wält
.

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Wunderbar sind alli Wäge,
wo mit Liebi gange sind
mini Chinder, laufet, liebet,
das es hell uf Erde wird
.

Reiseblog der beiden Prinzessinnen

Ich hatte einen Traum

Ich hatte einen Traum
aus längst vergangen Tagen
jemand ausser Zeit und Raum
wollte mir was sagen:

Wir trafen uns im Treppenhaus
so wie damals
wie es oft geschah
sein Angesicht
uralt war es geworden
überraschte mich
erschreckend war‘s beinah

Das Reden fiel ihm schwer
er brauchte eine Weile
doch ich verstand ein jedes Wort
z
wischen jeder Zeile

Und langsam fuhr er fort:
weisst du noch im alten Haus
du bist zu uns gekommen
junge Frau
wir mochten dich
du warst uns sehr willkommen

Doch deine Welt
sie drehte sich
vor allem um das Deine
du warst voll Leben
voll Ideen
und hattest viele Pläne

Bei uns, da gingst du ein und aus
mit deiner Kinderschar

Ihr fröhlich Lachen
füllt‘ das Haus
ich fand es wunderbar

Nochmals wurde es uns Frühling
im Alter durften wir noch sehn
neues Leben
und die Freude
ja, es würde weiter gehn

Doch dann
du hattest deine Gründe
gingst du für immer fort
und wärest nicht ein einzig Mal
zu uns zurück gekehrt
auch nicht an unser Grab

Als hättest du ihn ausgelöscht
den Ort, den Tag
und seine Menschen
sie haben oft an dich gedacht
mit ihren guten Wünschen

Und an deine Kinder
schmerzvoll war’s,
sie zu verlier’n
das Leben miteinander

DSC06827 (Medium)

für Onkel Karl,Tante Anna und für Hansruedi

Erinnerung an Beppi

Wir trafen uns zum ersten Mal auf der Strasse. Beppi wohnte in der Nachbarschaft, und man sah ihn oft draussen bei den Leuten stehen. Er unterhielt sich gerne mit allen, und so kam auch ich eines Tages mit ihm ins Gespräch.

Mit seinen über achtzig Jahren war er ungewöhnlich fit, und sein Gesicht strahlte eine erstaunliche Frische und Schönheit aus. Er war verwitwet und lebte allein in seinem Haus. Sein Leben lang hatte er mit Steinen gearbeitet. Wenn er von seinen Maurer- oder Pflasterarbeiten erzählte, geriet er regelrecht ins Schwärmen. Steine waren für ihn wie Blumen.

Sein grosses Hobby war das Tanzen. Oft erzählte er mir von den Tanznachmittagen und den Damen, die er dort traf. Er liebte alle Frauen und verstand es, auf charmante Weise mit ihnen zu flirten. Er war ein Gentleman – stets anständig und immer fröhlich. Ich mochte ihn sehr gern.

Einmal lud er mich zum Tanzen ein. Leider kann ich überhaupt nicht tanzen, aber ich dachte mir, mit ihm würde es sicher ganz gemütlich gehen – das schaffe ich schon. Beppi war sichtlich stolz, vor den Augen der durchwegs älteren Gesellschaft eine junge Frau zum Tanz auffordern zu dürfen.
Entgegen meiner Erwartungen hatte er jedoch ordentlich Schwung drauf. Ich muss dabei ein ziemlich schlechtes Bild abgegeben haben. Jedenfalls meinte er am Schluss trocken, ich sei steif wie ein Brett. Wir mussten beide herzlich lachen.
Das Tanzen mit ihm liess ich fortan bleiben. Wir trafen uns jedoch weiterhin immer wieder, und ab und zu kam er auch zu unserem Mittagstisch in der Stadt.

Eines Tages brach er sich den Fuss, und damit begann für ihn ein längerer Leidensweg. Sein Humor blieb jedoch ungebrochen. Ich erinnere mich besonders an einen Besuch im Krankenhaus. Wir hatten solchen Spass miteinander. Während er sich im Bett ausruhte, sass ich in seinem Rollstuhl und tat so, als hätte ich den Fuss gebrochen.

Während seiner Zeit im Krankenhaus beschloss Beppi, seinen Haushalt aufzugeben und in ein Altersheim zu ziehen. Er lebte sich gut in seinem neuen Zuhause ein und alle mochten ihn. Auch sein Fuss heilte wieder, und er konnte sogar wieder tanzen gehen.

Unsere Kontakte wurden jedoch seltener. Das lag sicher auch daran, dass das Altersheim in einem anderen Dorf lag und wir uns nicht mehr auf der Strasse zufällig begegneten. Auch sah man ihn kaum noch in der Stadt.

Doch das letzte Mal, als ich ihn traf, sass er in einem Strassencafé. Ich freute mich sehr und setzte mich zu ihm. Dasselbe schelmische Lachen, dieselben funkelnden Augen – er war einfach unverwüstlich. An meinen Namen konnte er sich allerdings nicht mehr erinnern. Sein Gedächtnis hatte stark nachgelassen. Trotzdem hatten wir einen fröhlichen Schwatz, bevor ich meinen Weg fortsetzte.

Kürzlich kamen wir ganz zufällig auf Beppi zu sprechen. Während des Erzählens verspürte ich plötzlich das Bedürfnis, ihn zu besuchen und nachzusehen, wie es ihm geht.

Am nächsten Tag hielt ich auf dem Nachhauseweg beim Altersheim an. Ich betrat die Eingangshalle und suchte auf der Bewohnerliste nach seinem Namen und seiner Zimmernummer. Da kam eine Pflegerin auf mich zu und fragte, wen ich suche.
„ Beppi, Ich möchte Beppi besuchen.“
In diesem Augenblick trugen Männer einen Sarg an uns vorbei zum Ausgang.
„Dort tragen sie ihn hinaus“, sagte sie sichtlich berührt. „Er ist heute Nacht friedlich eingeschlafen.“

Lieber Beppi,
hast du mich gerufen? Wolltest du dich noch verabschieden? So, wie du warst – ohne viele Worte, aber mit diesem schelmischen Zwinkern in den Augen …
In einem wunderschönen Sarg haben sie dich zu Grabe getragen. Du hast das Leben geliebt. Dein Lachen und deine positive Lebenseinstellung werde ich nie vergessen.

Lebe wohl, lieber Beppi.

…wer Abschied nimmt, möchte in unseren Herzen bleiben