Ich sag von meinem besten Fremd
sicher auch er ist mein Freund
obschon ich weder weiss wo er
zuhause ist und vieles mehr
was man so kennt von einem Freund
weiss ich nicht, denn er ist fremd
ziemlich weit am andern Ende
der Welt liest er was ich ihm sende
und die Antwort etwas später
kommt gleicherweise durch den Äther
ganz egal was unser Thema
über Gott, die Welt das Klima
ab und zu auch mal persönlich
halt wie Freunde, eben ähnlich
sind wir verbunden durch das Netz
weit entfernt doch was ich schätz
der Fremd ist mir gar wohlgesinnt
dem „fremd sein“ wegen wie mir scheint
und der Sprachen wegen auch
die wir lernen beim Gebrauch
so ists, wenn wir auch Fremde sind
irgendwie dazu bestimmt
einander nah auf solche Weise
zu sein auf diesem Erdenkreise
man kann ihn nennen online Freund
ich nenn ihn meinen besten Fremd
Autor: Brig
…öte!
Eine grosse, grüne Kröte
sass auf meinem Bett
und spielte Flöte
was zwar nett
doch als der Druck sich dann erhöhte
(sie trank von meinem Bier)
war sie plötzlich in der Nöte
(ihre Blase platzte schier)
hob sie einfach ihre Pföte
ich liess ein Schrei – da stieg
ins Gesicht ihr eine Röte
doch verlegen schaut‘ sie weg
und schwieg
und liess das Wasser
diese Blöte

am Wegrand

Da war ein Gesicht am Wegrand aus Stein
das schaute nicht grad so glücklich drein
ich dachte ich frage
was es denn plage
da sagt es, es wäre nicht gerne allein
da kann ich gut, sagte ich, es verstehn
und dass es mich freue, es heute zu sehn
da wurde, mir scheinte
es traurig und weinte
und bat ich solle nicht ohne es gehn
Es gibt auch Gesichter, die sind nicht aus Stein
die sehen genauso traurig drein
weil keiner sie sieht
weil keiner sie liebt
sie sind unter uns und trotzdem allein
Steintorte
Diese hübsche kleine Torte
gibt’s nur einmal, deshalb horte
ich das Stück
zum guten Glück
isst niemand gern von dieser Sorte

Macht und Gewalt
Macht und Gewalt
sie haben das Geld
in Hülle und Fülle
regieren die Welt
wie’s ihnen gefällt
Das Meiste für sie
sie werden sich’s leisten
und nichts oder wenig
bleibt uns und den Meisten
Jawoll, sie wollen
gar mehr noch, die Ollen
sie drohen und prahlen
was einem dann halt
nicht wundert wenn’s knallt
Du heiliger Gral
Wer hat sie gewählt?
die Grossen, die Tollen!
Wer wird das bezahlen?
wann wird uns denn endlich
der „Zwanziger“ fallen?
Ich fürchte die Tage
der Welt sind gezählt.
Ein paar, die sich noch
an die Hoffnung krallen
rufen zu Hilfe
und während die Schreie
langsam verhallen
blähen und brüsten
die Dicken und rüsten
als wär’s keine Frage
sie lieben die Lage
und reden und lallen
und „schnallen“ es nicht
Auch sie werden fallen
Die Teufel, sie lachen
oh Gott wenn’s dich gibt
kannst du noch was machen?
vom Glauben abfallen
Die deutschen Redewendungen „vom Glauben abfallen / sich abwenden“ und „sich bekehren“ sind negativ behaftet, würd ich jetzt mal sagen. Für eine Glaubensgemeinschaft ist unter Umständen einer, der sich vom Glauben abwendet oder dessen Grundsätze in Frage stellt, ein Abgefallener, ein Abtrünniger, der verloren geht. Und für einen überzeugten Atheisten mag jemand, der sich zu einem Glauben bekehrt halt ein armer Tropf sein, der im Leben nicht mehr alleine zurechtkommt und nun Trost bei Gott sucht. Es ist lustig, dass ich, je nachdem mit wem ich rede, schon mal ein verlorenes Schaf oder eben ein armer Tropf bin. Ja, was bin ich denn nun?
Im Gegensatz dazu gefallen mir die hebräischen Redewendungen sehr gut, welche nämlich zum Ausdruck bringen, warum sich jemand vom Glauben abwendet, bzw. dazu bekehrt:
לצאת בשאלה latset beshe‘ela – mit einer Frage ausziehen (sich abwenden) להזור בתשובה lachzor betshuva* – mit einer Antwort zurückkehren (sich bekehren)
Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, nach dem Woher und dem Wohin, ist es natürlich, ja sogar notwendig, dass wir Fragen haben, dass wir Dinge in Frage stellen, wir müssen unter Umständen „ausziehen“ um Antworten zu finden. Das bedeutet nicht, dass wir abfallen, sondern dass wir uns auf den Weg machen. So gesehen können wir einander nur ermutigen dazu und darauf vertrauen, dass jeder auf seiner Reise Antworten finden wird. Wie schön ist es dann, unterwegs anderen Wanderern zu begegnen, die auch Fragen haben (oder Antworten) und eine Meile oder zwei mit ihnen zu gehen?
Natürlich ist es nicht immer so, dass man alle Antworten bekommt und es werden sicher neue Fragen auftauchen. Manche Fragezeichen muss man auch stehen lassen können. Womöglich findet sich die Antwort erst auf dem Weg nach Hause. Und dann habe ich mir auch überlegt, wie es denn wäre, wenn das Leben selbst ein „Auszug mit Fragen“ ist und das Sterben nichts anderes, als die „Rückkehr nach Hause“? Sind wir nicht alle Pilger auf Erden?
Wer von Herzen sucht, der wird finden. Ich wünsche dir Mut auszuziehen, um hoffentlich mit Freuden (und mit Antworten) nach Hause zu kehren
liebe Grüsse Brig
* tshuva heisst auch Reue, demnach heisst „lachzor betshuva“ auch mit Reue zurückkehren, umkehren. Mir gefällt aber meine Auslegung im Hinblick auf das Ausziehen mit einer Frage fast noch besser.
Ausziehen
Sich mutig wagen
immer mal fragen
Neuland betreten
und Schritte gehn
Neugierig sein
die Welt und sich selber
entdecken und schmecken
manchmal auch irren
stolpern und lernen
nach vorne sehn
Das Leben ist reisen
ist suchen und finden
hoffen und glauben
und überwinden
Ist Weisheit und Demut
und Liebe mehren
ist schliesslich am Ende
dankbar und glücklich
nach Hause kehren

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zu Fuss im Fluss
mit den Enkeln beim Steine suchen auf der Kiesinsel fand ich diesen Fuss…

Ein Fussdruck aus Stein
fand ich gestern im Rhein
und hätte fast samt
den Buben das Land
nicht mehr erreicht ganz allein…
Ich nahm sie zur Hand
die Kleinen, sie liefen
und Wasser triefen
in Schuhe und Socken
wir waren nass
und ziemlich erschrocken
Doch welch ein Glück
wir kamen zu Fuss
von der Insel im Fluss,
zurück auf das Land
und sahen grad noch
wie diese verschwand
Friedensstifter
Friede ist ein grosses Wort
jedoch ist‘s ohne Tat
ein Ausdruck ohne jeden Wert
dem Nächsten zum Verrat
drum prüfe wohl, wer Friede dir
mit Wort und Taten gibt
der ist es, der in deiner Not
dich ehrt und Frieden liebt

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mein Götz ist für immer
mein Götz ist ein Spinner
ein Schlimmer, schon immer
schon damals beim Dinner
das erste Date
und nachher im Zimmer
vergesse ich nimmer
“diesmal gewinn er!”
sagte der Spinner
und richtig
er blieb mir für immer

