wortlos

Wortlos
bist du fort gegangen
ohne einen Blick zurück 
Alles hast du mitgenommen
wars auch gestern erst
da strahltest du vor Glück

Wortlos
sind wir da gestanden
ohne Antwort, ohne dich
nichts mehr war von dir vorhanden
dein Platz war leer
unabänderlich

Wortlos
sind wir auch geblieben
Traurigkeit und manchmal Wut
sind eingezogen anstatt Frieden
wie du gegangen bist
das war nicht gut

Doch heute 
bin ich dir begegnet
schweigend schauten wir uns an
ich fühlte ihn
den Augenblick, der segnet
und nahm dich fest in meinen Arm

Nur ein Wort
hab ich gesprochen
weil ich weiss, wieviel es wiegt
in allem was in uns zerbrochen
wird etwas heil
wenn unsere Seele liebt

Vergebung ist gut, Versöhnung ist besser

Ohne Vergebung kommen wir in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen nicht weit. Konflikte passieren und wollen gelöst werden. Wer nicht vergeben kann und die Schuld immer beim anderen sucht, belastet nicht nur den Nächsten, sondern vor allem sich selbst.
Allerdings kann auch ein bitterer Nachgeschmack zurückbleiben, wenn die andere Person nicht in den Vergebungsprozess mit hineingenommen werden kann und die Vergebung einseitig bleibt. Es fällt dann schwerer, einen Schlussstrich unter alles zu ziehen, selbst wenn man dem Gegenüber verziehen hat.

Ich kann es aus Erfahrung sagen, dass ein Konflikt erst dann vollständig aus der Welt geschafft ist, wenn sich beide Seiten aussprechen können und es zu einer Versöhnung kommt.  Es ist sogar möglich, dass er im Nachhinein als wertvoll für die Beziehung empfunden wird.

Ein solcher Ausgang eines Konflikts ist der Allerschönste. Aber auch dann, wenn die Beziehung nicht mehr fortgesetzt werden möchte, ist es befreiend, wenn beide Parteien sich aussprechen und versöhnen können.

Menschen, die einander vergeben haben und versöhnt sind, sprechen nicht mehr mit Bitterkeit über ihre Konflikte, sondern sie erzählen mit Freude über die Lösung, die sie dafür gefunden haben.

Ich möchte euch mit eben dieser Freude eine Geschichte erzählen:

Es waren zwei ganz unterschiedliche Welten, die damals aufeinanderprallten. Zwei Frauen – eine fröhliche, sprühend voller Lebensfreude und eine bitter gewordene, aus sicherer Distanz misstrauisch beobachtende.

Was die beiden Frauen zusammen brachte, war die Sprache der Misstrauischen, welche die Fröhliche erlernen wollte.  Deshalb fragte sie jene um privaten Sprachunterricht an und so geschah es, dass die beiden sich fortan trafen. Sie hatten beide Spass dabei – zu lehren und zu lernen, und mit der Zeit entstand sogar eine Art Freundschaft. Sie verbrachten mehr Zeit zusammen, unternahmen gemeinsame Wanderungen und unterhielten sich über dies und jenes. Allerdings blieb immer ein Stück Mauer zwischen den beiden stehen. Je mehr die eine versuchte, diese abzubrechen, desto mehr bemühte sich die andere, sie aufrecht zu halten. Zwar konnten sie sich mittlerweile in derselben Sprache unterhalten, aber sie verstanden sich je länger je weniger. Die unterschiedlichen Lebensanschauungen wurden ihnen mehr und mehr zum Stolperstein. Die heile Welt der Fröhlichen prallte immer öfters mit der Schlechten der Misstrauischen zusammen. Kritik gabs hier, Kritik gabs dort. Eigentlich war nichts mehr gut, ausser es war perfekt.
Die Fröhliche und nicht Perfekte verlor in ihrer Gegenwart immer mehr ihre Fröhlichkeit. Ihr war, als würde ihr Optimismus die andere geradezu zum Jammern anstacheln.

Der Tag kam, wo die Fröhliche den Kontakt abrupt abbrach. Es fiel ihr nicht leicht, denn sie wollte dieser Frau in Wahrheit eine Freundin sein. Aber sie kam zur Einsicht, dass sie nichts mehr in die Beziehung einbringen konnte, bzw. sie wollte sich der ständigen Kritik nicht mehr aussetzen.

Die Traurigkeit über die nicht gelungene Freundschaft beschäftigte sie lange Zeit. Hatte nun der Pessimismus gesiegt?

Selten noch begegneten sich die Frauen im Dorf. Sie grüssten sich, fragten evtl, wie es geht. Aber mehr liess die Fröhliche nicht mehr zu, wenngleich sie spürte, dass die Missmutige (vielleicht ist das der treffendere Ausdruck) sie anlächelte und recht freundlich zu ihr sprach. Die Ablehnung, die sie in der Vergangenheit immer wieder erfuhr, war immer noch gegenwärtig.

Es war dann ein paar Jahre später, als die Frauen sich unerwartet wieder begegneten. Die Fröhliche war auf dem Weg zum Seniorenheim, als sie ihre frühere Lehrerin zusammengekauert in einem Rollstuhl sitzend vor dem Eingang erkannte.

Die beiden Frauen sahen sich an und in diesem Moment geschah etwas Wunderbares. Die Fröhliche  – sichtlich erschrocken über die Tatsache, dass die Missmutige offenbar schwer erkrankt war –  spürte, wie die Mauer zwischen ihnen wegbrach. Da war plötzlich eine Welle von Liebe und Annahme, Hilflosigkeit und Demut und Freude zugleich. Es brauchte keine Worte der Versöhnung mehr. Sie war einfach da und die beiden Frauen kamen sofort ins Gespräch.

In derselben schönen Sprache miteinander sprechend, war es ihnen, als würden sie einander plötzlich verstehen. Sie haben in den vergangenen Jahren beide Dinge erlebt, die sie reifer und weicher werden liessen.

Nun war es die Missmutige im Rollstuhl, die eine Bitte hatte: Besuche mich, rede in meiner Muttersprache mit mir. Das würde mir guttun. Und eine freudige Stimme antwortete: Ja, ich besuche dich.

Das war vor einem Jahr. In einer Woche reisen die Fröhliche und die Missmutige (sie ist es manchmal noch ein wenig 😊) zusammen nach Israel. Keine von den beiden hätte gedacht, dass ihnen das nochmals passieren würde.

Versöhnung macht alles besser!

Drückt ihnen die Daumen für die nicht ganz einfache Reise und dass es für die eigentlich doch sehr mutige Frau ein unvergesslich schöner 70. Geburtstag im Kreise ihrer Familie wird und sie ihren hochbetagten Vater in ihrem Heimatdorf im Süden nochmals in die Arme schliessen kann.

verzwickt und ungeschickt

Ein Konflikt
ist meist verzwickt
mindest zwei
die sich verstrickt
unglaublich manchmal
und verrückt
wie es geschieht
und ungeschickt

Was macht man nun
wer überbrückt?
ein gutes Wort
wär jetzt geschickt
wo einer traurig
und bedrückt
„Verzeih mir Freund,
nimm mein Respekt!“

Wer das kann
dem ist’s geglückt
der hat den Streit
im Keim erstickt
Beide lachen
und es drückt
Ein den Andern
ganz beglückt
weil
Versöhnung
sie erquickt

35070162 - hug collection - lovely girlfriends are embracing and smiling.

Bildquelle: https://de.123rf.com/

verwandt

Niid und Wuet ha

ufenand

Meinige gönd

usenand

überenander

Schimpf und Schand

am Schluss isch alles

abenand

 

obwohl –  mir si doch all verwandt!

 

sich zämerisse 

und enand

vergeh, will mir wei mitenand

s‘Läbe teile

fürenand

do si

Fröid ha anenand

 

 

lang ist’s her…

Lang ist’s her
als wir noch spielten
unbeschwert und ohne Groll
als wir noch einander neckten
Hände hielten
uns versteckten
und uns suchten überall 

 Lang ist’s her
als eines Tages
plötzlich alles anders war
niemand konnt‘ es mir erklären
was in dich
i
n uns gefahren
irgendwie war’s unfassbar

 Lang ist’s her
in diesen Tagen
als wir noch im selben Haus
uns zu fremden Menschen wurden
sprachlos
zwischen uns die Mauer
ging’n wir schweigend ein und aus

 Nur einmal war’s
und schicksalshaft
schenktest du mir Wichtigkeit
du ludst mich ein zu deinem Freund
ein Abend nur
und beide wohl
haben wir es dann bereut

 Bald darauf
als unsere Wege
sich getrennt, wars selten mehr
dass wir uns noch angetroffen
Welten waren
zwischen Hoffen
wünschte ich’s mir noch so sehr

 Viel später war’s
als wir uns sahen
und es mich unendlich fror
deine spotten Worte trafen
widerhallten
unerträglich
und die Wut stieg mir empor

 doch gestern erst
als ich noch zürnte
fand ich ein gefror’nes  Herz
ich schaut‘ es an und es erzählte
mir von dir
dass ich erahnte
deiner Seele grossen Schmerz

 Heute ist’s
dass ich verstehe
was des Menschen grösster Feind
wenn wir nicht vergeben können
f
rieren wir
anstatt zu brennen
bis wir ganz erfroren sind

 Für immer ist’s
dass ich sie halte
und sie wärmend an mich drück
die Liebe jener Kindertage
wenn wir wollen
lieber Bruder
kommt sie noch zu uns zurück

10656936 - portrait of a cheerful girl and boy hugging fun in outdoor

Bildquelle: https://de.123rf.com/

Shalom alechem / Friede mit euch

Seit langem bin ich wieder mal alleine zuhause. Kein Mann, keine Kinder, keine Gäste. Es ist Gründonnerstagsabend. In den Geschäftstrassen ist es ruhig geworden. Noch ist es Tag, ein paar Kinder spielen im Hof und die Vögel zwitschern ein Abendlied. Es riecht nach Frühling. Ich freue mich auf die kommenden Feiertage.

Es ist mir grad recht, alleine zu sein. Zeit zu haben. Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf. Es geschieht so viel in meinem Leben und auf dieser Welt.

Shalom. Ganz spontan kommt mir dieses Wort in den Sinn. Nicht nur ich, wir alle sehnen uns nach innerem Frieden und Frieden auf der Welt.

Was mag Jesus, an den wir uns in diesen Tagen erinnern, an jenem Abend vor seinem Tod, als er sich in den Garten Gethsemane zurück zog, durch den Kopf gegangen sein?

Shalom, das hebräische Wort für Frieden meint viel mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Es bedeutet Ganzheit, Vollkommenheit im Sinne von Frieden mit Gott, mit den Mitmenschen und mit sich selbst. Ein Ja zum Leben haben.

Von der gleichen Wortwurzel wie Shalom wird auch das Wort „leshalem“ gebildet, welches bezahlen heisst. Frieden und bezahlen – das gleiche Wort.

Frieden hat einen Preis. Er ist nicht einfach da. Es ist nicht einfach gut mit uns und auf dieser Welt. Wir sind herausgefordert, etwas zu tun für den Frieden. Jeden Tag aufs neue.

Jesus hat für den Frieden gelebt und ist letztlich dafür gestorben. Nicht zu Unrecht wird er, als der im alten Testament versprochene Friedefürst bezeichnet. Mit seinem Tod hat er den ganzen Preis bezahlt für die Kluft die zwischen Himmel und Erde ist. Seine Botschaft ist:  Gott liebt die Menschen und hat ihnen vergeben.

das mag fantastisch klingen. Ist es auch. Wer es glauben will, darf es.  Wer glaubt, der weiss, dass Gott Frieden mit ihm geschlossen hat.

Und wer das weiss, kann Frieden schliessen mit seinen Mitmenschen und mit sich selbst.

Shalom alechem

P1030309 (Medium)
die uralten Olivenbäume im Garten Gethsemane, wohin  Jesus sich vor seinem Tod zurückgezogen hat