Vergebung ist gut, Versöhnung ist besser

Ohne Vergebung kommen wir in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen nicht weit. Konflikte passieren und wollen gelöst werden. Wer nicht vergeben kann und die Schuld immer beim anderen sucht, belastet nicht nur den Nächsten, sondern vor allem sich selbst.
Allerdings kann auch ein bitterer Nachgeschmack zurückbleiben, wenn die andere Person nicht in den Vergebungsprozess mit hineingenommen werden kann und die Vergebung einseitig bleibt. Es fällt dann schwerer, einen Schlussstrich unter alles zu ziehen, selbst wenn man dem Gegenüber verziehen hat.

Ich kann es aus Erfahrung sagen, dass ein Konflikt erst dann vollständig aus der Welt geschafft ist, wenn sich beide Seiten aussprechen können und es zu einer Versöhnung kommt.  Es ist sogar möglich, dass er im Nachhinein als wertvoll für die Beziehung empfunden wird.

Ein solcher Ausgang eines Konflikts ist der Allerschönste. Aber auch dann, wenn die Beziehung nicht mehr fortgesetzt werden möchte, ist es befreiend, wenn beide Parteien sich aussprechen und versöhnen können.

Menschen, die einander vergeben haben und versöhnt sind, sprechen nicht mehr mit Bitterkeit über ihre Konflikte, sondern sie erzählen mit Freude über die Lösung, die sie dafür gefunden haben.

Ich möchte euch mit eben dieser Freude eine Geschichte erzählen:

Es waren zwei ganz unterschiedliche Welten, die damals aufeinanderprallten. Zwei Frauen – eine fröhliche, sprühend voller Lebensfreude und eine bitter gewordene, aus sicherer Distanz misstrauisch beobachtende.

Was die beiden Frauen zusammen brachte, war die Sprache der Misstrauischen, welche die Fröhliche erlernen wollte.  Deshalb fragte sie jene um privaten Sprachunterricht an und so geschah es, dass die beiden sich fortan trafen. Sie hatten beide Spass dabei – zu lehren und zu lernen, und mit der Zeit entstand sogar eine Art Freundschaft. Sie verbrachten mehr Zeit zusammen, unternahmen gemeinsame Wanderungen und unterhielten sich über dies und jenes. Allerdings blieb immer ein Stück Mauer zwischen den beiden stehen. Je mehr die eine versuchte, diese abzubrechen, desto mehr bemühte sich die andere, sie aufrecht zu halten. Zwar konnten sie sich mittlerweile in derselben Sprache unterhalten, aber sie verstanden sich je länger je weniger. Die unterschiedlichen Lebensanschauungen wurden ihnen mehr und mehr zum Stolperstein. Die heile Welt der Fröhlichen prallte immer öfters mit der Schlechten der Misstrauischen zusammen. Kritik gabs hier, Kritik gabs dort. Eigentlich war nichts mehr gut, ausser es war perfekt.
Die Fröhliche und nicht Perfekte verlor in ihrer Gegenwart immer mehr ihre Fröhlichkeit. Ihr war, als würde ihr Optimismus die andere geradezu zum Jammern anstacheln.

Der Tag kam, wo die Fröhliche den Kontakt abrupt abbrach. Es fiel ihr nicht leicht, denn sie wollte dieser Frau in Wahrheit eine Freundin sein. Aber sie kam zur Einsicht, dass sie nichts mehr in die Beziehung einbringen konnte, bzw. sie wollte sich der ständigen Kritik nicht mehr aussetzen.

Die Traurigkeit über die nicht gelungene Freundschaft beschäftigte sie lange Zeit. Hatte nun der Pessimismus gesiegt?

Selten noch begegneten sich die Frauen im Dorf. Sie grüssten sich, fragten evtl, wie es geht. Aber mehr liess die Fröhliche nicht mehr zu, wenngleich sie spürte, dass die Missmutige (vielleicht ist das der treffendere Ausdruck) sie anlächelte und recht freundlich zu ihr sprach. Die Ablehnung, die sie in der Vergangenheit immer wieder erfuhr, war immer noch gegenwärtig.

Es war dann ein paar Jahre später, als die Frauen sich unerwartet wieder begegneten. Die Fröhliche war auf dem Weg zum Seniorenheim, als sie ihre frühere Lehrerin zusammengekauert in einem Rollstuhl sitzend vor dem Eingang erkannte.

Die beiden Frauen sahen sich an und in diesem Moment geschah etwas Wunderbares. Die Fröhliche  – sichtlich erschrocken über die Tatsache, dass die Missmutige offenbar schwer erkrankt war –  spürte, wie die Mauer zwischen ihnen wegbrach. Da war plötzlich eine Welle von Liebe und Annahme, Hilflosigkeit und Demut und Freude zugleich. Es brauchte keine Worte der Versöhnung mehr. Sie war einfach da und die beiden Frauen kamen sofort ins Gespräch.

In derselben schönen Sprache miteinander sprechend, war es ihnen, als würden sie einander plötzlich verstehen. Sie haben in den vergangenen Jahren beide Dinge erlebt, die sie reifer und weicher werden liessen.

Nun war es die Missmutige im Rollstuhl, die eine Bitte hatte: Besuche mich, rede in meiner Muttersprache mit mir. Das würde mir guttun. Und eine freudige Stimme antwortete: Ja, ich besuche dich.

Das war vor einem Jahr. In einer Woche reisen die Fröhliche und die Missmutige (sie ist es manchmal noch ein wenig 😊) zusammen nach Israel. Keine von den beiden hätte gedacht, dass ihnen das nochmals passieren würde.

Versöhnung macht alles besser!

Drückt ihnen die Daumen für die nicht ganz einfache Reise und dass es für die eigentlich doch sehr mutige Frau ein unvergesslich schöner 70. Geburtstag im Kreise ihrer Familie wird und sie ihren hochbetagten Vater in ihrem Heimatdorf im Süden nochmals in die Arme schliessen kann.

der ewige Spötter

Kein Blick, kein freundlich Gruss
geschweige denn die Hand
doch kaum betritt sein Fuss
ist jeder wie gebannt
man duldet trotz Verdruss
sein Gastspiel angespannt
bis es dann zum Schluss
es liegt ja auf der Hand
kommt, wie es kommen muss
weil die Lage nicht entspannt
und sich jeder bald im Schuss
seines Spottes ducken muss – man flieht das Land

beste Nachbarn

Wir wohnen seit vielen Jahren Tür an Tür und gehen beieinander ein und aus. Wenn wir Zeit haben, trinken wir einen Kaffee oder machen auch mal Essen zusammen. Aber meistens ist es so, dass wir etwas Kleines brauchen voneinander. Meine Nachbarin hat garantiert Knoblauch und Zwiebeln auf Vorrat…ich habe Käse und Eier. Im Notfall ist das ganz praktisch.
Ich führe ihre Hundedame aus, wenn sie arbeiten muss und sie zieht mir das Bügeleisen aus der Steckdose, wenn ich ihr von unterwegs aufgeregt anrufe , dass ich es wieder vergessen habe.
Zudem hat sie den schönsten Balkon auf ihrer Seite des Blocks. Ich habe den Schönsten auf meiner Seite. Wir mögen beide Blumen, meine Nachbarin und ich. Und wir mögen einander.

Eines Tages fiel mir auf, dass sie schon lange nichts mehr von mir brauchte. Und überhaupt wirkte sie plötzlich kurz angebunden, wenn wir uns zufällig im Treppenhaus trafen.
Mir war dabei nicht wohl und deshalb fragte ich sie bei der nächsten Gelegenheit geradeaus: „Bist du mir böse?“
„Ja, ich bin verärgert über dich“, antwortete sie ebenso geradeaus.

Ich bat sie, mir zu erzählen, was sie ärgerte.
Da wurde mir klar, dass ich mich in einer Sache zwischen ihr und einer Drittperson unnötigerweise eingemischt habe. Dies hat sie sehr verletzt. Im Zuge dessen brachte sie noch ein paar andere Situationen zur Sprache, in welchen ich ihr offenbar zu nahe trat.

Ich war ziemlich schockiert. Es war nie meine Absicht, mich einzumischen oder sie zu verletzen. Ich dachte wir wären ziemlich vertraut und mein Verhalten wäre ok gewesen. Ich habe mir nichts dabei gedacht…und was die anderen Situationen betraf – wir machten doch ab und zu mal Spässe zusammen, warum war es jetzt plötzlich nicht mehr lustig?
Es ist eben so – wenn man meint, sich gut zu kennen, überschreitet man gerne mal die Grenzen. Und das habe ich ganz klar gemacht. Mir war nun ganz wichtig, sie zu entlasten. Sie war verletzt und verunsichert und das tat mir furchtbar leid.

Ich entschuldigte mich.
Ich entschuldigte mich nochmals.
Ich fuhr zum Blumenladen und brachte ihr einen Strauss ihrer Lieblingsblumen.
Ich umarmte sie und sagte ihr, dass sie meine beste Nachbarin ist und dass ich sehr gerne habe.
Von ganzem Herzen.

Dieses Ereignis ist nun schon eine Weile her. Wir sind immer noch beste Nachbarn. Nachbarn, die auch wissen, wie man einen Konflikt lösen kann.

so, und nun sollte ich mit der Hundedame spazieren gehen…

verzwickt und ungeschickt

Ein Konflikt
ist meist verzwickt
mindest zwei
die sich verstrickt
unglaublich manchmal
und verrückt
wie es geschieht
und ungeschickt

Was macht man nun
wer überbrückt?
ein gutes Wort
wär jetzt geschickt
wo einer traurig
und bedrückt
„Verzeih mir Freund,
nimm mein Respekt!“

Wer das kann
dem ist’s geglückt
der hat den Streit
im Keim erstickt
Beide lachen
und es drückt
Ein den Andern
ganz beglückt
weil
Versöhnung
sie erquickt

35070162 - hug collection - lovely girlfriends are embracing and smiling.

Bildquelle: https://de.123rf.com/