Träume, als wäre nichts unmöglich

Seit vielen Jahren träume ich davon, ein kleines Gasthaus zu haben. Jedoch  habe ich weder die Mittel dazu noch das Knowhow, um ein solches Projekt zu realisieren. Aber ich wäre ohne Zweifel die ideale Gastgeberin, die gute Fee im Hause, welche mit Freude dafür sorgen würde, dass sich alle Gäste wohlfühlen. Ich sage das auch nicht einfach so dahin. Ich lebe meinen Traum ja, wenn auch nur im kleinen Rahmen. Seit einigen Jahren biete ich bei mir zuhause Privatzimmer mit Frühstück an. Die Begegnungen mit Menschen aus der ganzen Welt bedeuten mir viel. Ich möchte nicht eine davon missen. Es ist einfach ganz unglaublich, welche aussergewöhnliche Menschen ich in den letzten Jahren bei mir beherbergen durfte.
Zum Beispiel war da kürzlich der Spanier, mit dem fremden Herzen in seiner Brust. Oder der junge Mann, der bei uns seine Pilgerreise nach Neuseeland gestartet hatte, der fröhliche Brasilianer, der mir nach einer gemeinsamen Wanderung die Füsse massierte, der alte , sehr schüchterne Chinese, der noch nie im Ausland war und ausgerechnet bei uns landete und nach vier Tagen glücklich von dannen zog, die alte Dame aus Amerika, die splitternackt in der Küche stand und entsetzt aufschrie, als ich rein kam, und dann der orthodoxe Israeli, der noch nie im Schnee spazierte, promt ausrutschte und dann nicht mehr gehen wollte, weil sein Allerwertester schmerzte. Oder das Liebespärchen, dass sich bei uns traf, damit der Anfahrtsweg für beide nicht so weit war 😉
Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden. Ich sage ja immer, ich mache jedes Jahr eine Weltreise  und kann dabei nachts in meinem Bett schlafen. Die Welt ist bei mir zuhause!

Nun ist es bald zwei Jahre her, dass in unserer Nachbarschaft die Bagger auffuhren und anfingen die Erde abzutragen. Neugierig fragte ich einen der Arbeiter, was hier denn gebaggert würde.

„Wir bauen ein Hotel.“

„Wow!  Wer baut hier denn ein Hotel gleich vor meiner Türe?“

Der Name der Firma war schnell gegoogelt und fast noch schneller sass ich darauf hin im Büro des Bauherrn. Er hörte meinem Reden (erster Abschnitt nochmals lesen) aufmerksam zu. „Ich würde gerne in ihrem Hotel mitarbeiten“, sagte ich zum Schluss.
Der Herr stand lächelnd auf, ging zum Schrank, nahm die Baupläne heraus und breitete sie vor mir auf dem Tisch aus. Ich durfte sie mir ansehen und er erzählte mir von seinem Projekt. 

Seit dieser ersten Begegnung ist natürlich viel geschehen. Das Hotel wuchs und nahm Gestalt an, das Konzept wurde wohl ein paar Mal geändert und die Pläne wieder angepasst, so wie es manchmal geschieht bei der Verwirklichung eines Projekts.

Aber das Angebot, im Hotel mitzuarbeiten blieb immer bestehen. Als man mich im September fragte, ob ich nun mit einsteigen möchte, sagte ich zu, obwohl sich auch bei mir einiges verändert hatte und ich nicht wusste, wie ich nun alles unter einen Hut bringen würde.
Aber die Dinge haben sich wunderbar gefügt. Nicht nur, dass ich die Arbeitszeit wählen durfte, es stellte sich heraus, dass ich auch fast alle im Team kannte.
Meine Vorgesetzte würde die Kollegin sein, mit welcher ich 11 Jahre das Sprachencafe Buchs geführt hatte! Das war eine grosse und schöne Überraschung! Wer hätte gedacht, dass  wir wiederum zusammen arbeiten würden! Da wusste ich, das kann nur gut
kommen! 



Endspurt vor der Eröffnung

23 Studios und 3 Wohnungen mussten hergerichtet werden Wir Frauen haben uns mächtig ins Zeug gelegt, damit die ersten Gäste am 1. November einziehen konnten. Dabei lernten wir jede Ecke im Haus und jeden Griff unserer neuen Arbeit kennen. Das Hotel ist dadurch – das darf man schon sagen – ein bisschen Unseres geworden 🙂

Das BoHo im Herzen des Rheintals!


Mittlerweile ist das BoHo – so nennt sich das Wohnhotel – fast ausgebucht. 
Ich liebe meine Arbeit, ich liebe es, für unsere Gäste da zu sein.
Mein Traum ist in Erfüllung gegangen.

23 moderne und gemütliche Studios mit grossem Balkon
voll ausgestattete Küche
und geräumigem Bad
Herzlich wollkommen im BoHo!