Anlässlich des Reformationsjubiläums sah ich vor kurzem den eindrücklichen Film über den Schweizer Reformator Ulrich Zwingli. Ich muss schon sagen, dieser Zwingli war für die damalige Zeit ein ganz moderner Mann. Die einen mögen ihn Zwängeler genannt haben, aber er war eben ein ungezwungener, ein lebensfroher Mensch, der mit seiner Befreiungsbotschaft viel bewegt und Gutes geschaffen hat. Entsetzlich ist allerdings die Tatsache, dass er und mit ihm die neue, reformierte Kirche, welche sich kurz vorher im heissen Kampf für Glaubens- und Gewissensfreiheit eingesetzt hat, gnadenlos jene verfolgte, die es mit der Reformation noch genauer nehmen wollten (Geschichte der Täuferbewegung in der Schweiz).
Heutzutage wird bei uns niemand mehr auf Grund seiner Überzeugung verfolgt. Trotzdem geschieht es immer wieder, dass einer zum schwarzen Schaf wird, weil er den Glauben hinterfragt oder eine andere Erkenntnis hat. Unverständnis und das „nicht akzeptiert fühlen“ führt dazu, dass derjenige die Gemeinschaft verlässt. Familiäre und freundschaftliche Beziehungen sind dann plötzlich belastet oder zerbrechen sogar daran.
Was wir darum von der Reformation lernen können ist, dass sie nie aufhören darf in unseren Herzen und wir verstehen müssen, dass wir zwar verschiedene Wege gehen, aber in der Liebe zueinander verbunden sind, weil wir alle dasselbe Ziel haben.
Vor Jahren hat der katholische Theologe Heinrich Fries folgendes gesagt:
«Das Anderssein des andern wird nicht als Fremdheit und Feindseligkeit erfahren,
sondern als Gewinn: Es ist gut, dass du da bist; durch dich wird mein Eigenes reicher;
ich wäre ärmer ohne dich.»