das Äschergold

Vor vielen Jahren gab es im Alpstein noch Gold. Besonders zahlreich soll das Vorkommen in der Höhle oben beim Wildkirchli gewesen sein. Viele versuchten ihr Glück und stiegen den unwegsamen Hang hinauf zur hoch aufragenden Ostwand der Ebenalp. Allerdings sei das Gerücht herum gegangen, dass die Höhle von einem Unwesen bewacht würde und es noch niemandem gelungen sei, an das Gold heranzukommen. Es war ein Sonntag im Frühjahr, als auch der Brülisüggu und der Chräzerewalli sich auf den Weg zur Höhle machten. Der Schnee blieb in diesem Jahre besonders lange liegen. Der Weg hinauf zur Wand war gefährlich. Aber die Gier nach dem Gold war grösser als die Furcht vor dem gefährlichen Weg oder vor dem Steingeheuer, wie die Menschen im Alpstein das Unwesen nannten. Ein grosses Maul haben die beiden  geführt und gesagt, dass dieser Tag die Wende bringen würde und dass es ab heute zwei reiche Leute  im Tal geben würde.

Der Tag hatte tatsächlich eine Wende gebracht. Zurückgekommen ist der Brülisüggu ohne den Chräzerewalli. Und auch ohne Gold. Ausser Atem, sein Gesicht war erstarrt vor Schreck, erzählte er den ihm entgegenkommenden Dorfbewohner von der Begegnung mit einer Bärenmutter, die ihre beiden Jungen wohl beschützen wollte und den Chräzerewalli, welcher als erster in die Höhle hineinlugte,  angegriffen und zu Boden geschlagen habe. P1070249 (Medium)Er selber sei geflohen,  habe sich nicht mehr umgedreht. Gerannt wie ein Verrückter, sei er gerutscht und fast den Fels hinunter gepurzelt. Dabei hätte er auch den Goldklumpen verloren, den er nahe bei der Felswand gefunden hätte. Sie hätten nämlich dort bei der Felswand nach dem mühsamen Aufstieg Rast gemacht und versucht, ein kleines Feuer zu entfachen mit dem wenigen Fichtenholz, dass sie im Wald gesammelt hätten. Es war kein grosses Feuer, aber es wärmte die Beiden etwas auf. Als sie wieder aufbrechen wollten und die Asche auseinander scharrten, entdeckte der Brülisüggu zu seiner Verwunderung inmitten der Asche den goldenen Stein. Er habe ihn eingesteckt und getrieben von neuem Ehrgeiz, noch mehr Gold zu finden, seien sie gemeinsam weiter zur Höhle aufgestiegen.

Nun könne er nicht mehr sagen, wo er den Stein verloren habe. Erst unten angekommen hätte er bemerkt, dass seine Hosentasche zerrissen und der Stein weg war. Aber das sei ihm nun auch egal. Die entsetzlichen Schreie des Chräzerewalli seinen ihm noch in den Ohren.  Er könne da nicht mehr hinauf.

In den nächsten Tagen und Wochen wagte sich auch niemand anders  hinauf. Den Chräzerewalli hat keiner mehr gesehen und auch seine Leiche hat man nie gefunden. An jenem denkwürdigen Tag hat die Höhle also ihren Namen bekommen. Die Bärenhöhle. Das Rätsel um das Steingeheuer war gelöst. Der Rausch nach Gold legte sich allmählich. Nicht einmal der vermeintliche Goldklumpen, den der Brülisüggu gemäss seinen Angaben verloren hatte, vermochte die Goldtouristen anzulocken  Im Tal wurde es wieder ruhiger. Das war auch gut so. Die Menschen besannen sich wieder auf ihre Arbeit und waren zufrieden mit dem, was sie hatten.  Die unrühmliche Geschichte mit dem Goldsuchen wollte man vergessen. Und wenn sie doch erwähnt wurde, dann nur, um die junge Generation vor der Geldgier zu warnen.

Seither sind viele Jahre ins Land gegangen. Der Alpstein ist ein mystisches und wunderschönes Land geblieben mit seinen markanten Bergketten und Tälern, den lieblichen Bergseen und den vielen freundlichen Gaststätten, die zwar keine Goldsucher  empfangen, dafür aber Tausende von begeisterten Wanderer aus der ganzen Welt. Die Gegend ist wahrhaftig eine Goldgrube!  Bären gibt es schon lange keine mehr, die sind weiter ins Bündnerland und von dort wohl über die Grenze in die italienischen Alpen gezogen.P1030575 hell (Medium)

Dort, wo laut seinem Bericht, der Brülisüggu den Goldklumpen in der Asche gefunden hat, unterhalb der senkrecht aufragenden Wand der Ebenalp, befindet sich das Restaurant Äscher. Man kann dort die beste Rösti von ganz Switzerland geniessen. Fast schutzsuchend lehnt sich die Herberge an den Fels. Ein steiler, aber sicherer Pfad führt vom Dorf Wasserauen hinauf.

Und jetzt hört gut zu was mir passiert ist…..man ist fast am Ziel, der Weg führt grad an einer Felswand vorbei – da liegt auf dem Weg ein Stein mit einem Gesicht drauf. Ich nehme ihn zur Hand. Ein eigenartiges Gefühl überkommt mich, als ich ihn näher betrachte. Irgendwie fasziniert mich das Antlitz des Mannes auf dem Stein. Ob ich ihn nach Hause nehmen soll? Er ist zwar recht gross und abgesehen von dem Gesicht nicht besonders schön. Halt ein Klumpen. Ach was….unnötiges Gewicht auf der Wanderung. Ich lege den Stein also zurück auf einen Vorsprung an der Felswand und fotografiere ihn, um wenigsten so ein Andenken an das Gesicht im Stein zu haben.

…und jetzt , wie ich das Foto am Bildschirm betrachte, erkenne ich, dass der Stein aus Gold ist! Kein Witz, schaut ihn selber an! Wie konnte ich das übersehen? Ich habe einen Klumpen Gold einfach liegen lassen! Unglaublich! Ich kanns nicht fassen! Ich sollte zurück gehen und das Gold holen! Aber dann ist es mir, als würde der Mann im Stein mir eine Geschichte erzählen….

de Chräzerewalli?

de Chräzerewalli?

3 Gedanken zu “das Äschergold”

  1. Noenemy sagte:

    Super tolli gschicht!

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  2. Als ich im Appenzelleiland wohnte, war das mein Lieblingsgasthaus. Es freut mich zu wissen, dass die Rösti immer noch so gut sind 🙂

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