Macht und Gewalt

Macht und Gewalt
sie haben das Geld
in Hülle und Fülle
regieren die Welt
wie’s ihnen gefällt
Das Meiste für sie
sie können sich’s leisten
und nichts oder wenig
bleibt uns und den Meisten
Jawoll, sie wollen
gar mehr noch, die Ollen
sie drohen und prahlen
was einem dann halt
nicht wundert wenn’s knallt
du heiliger Gral
Wer hat sie gewählt?
die Grossen, die Tollen!
Wer wird das bezahlen?
wann wird uns denn endlich
der „Zwanziger“ fallen?
Ich fürchte die Tage
der Welt sind gezählt.
Ein paar, die sich noch
an die Hoffnung krallen
rufen zu Hilfe
und während die Schreie
langsam verhallen
blähen und brüsten
die Dicken und rüsten
als wär’s keine Frage
sie lieben die Lage
und reden und lallen
während sie fallen
und „schnallen“ es nicht
Die Teufel, sie lachen
oh Gott wenn’s dich gibt
kannst du noch was machen?

 

vom Glauben abfallen

 

Die deutschen Redewendungen  „vom Glauben abfallen / sich abwenden“ und „sich bekehren“ sind negativ behaftet, würd ich jetzt mal sagen. Für eine Glaubensgemeinschaft ist unter Umständen einer, der sich vom Glauben abwendet oder dessen Grundsätze in Frage stellt, ein Abgefallener, ein Abtrünniger, der verloren geht. Und für einen überzeugten Atheisten mag jemand, der sich zu einem Glauben bekehrt halt ein armer Tropf sein, der im Leben nicht mehr alleine zurechtkommt und nun Trost bei Gott sucht. Es ist lustig, dass ich, je nachdem mit wem ich rede, schon mal ein verlorenes Schaf oder eben ein armer Tropf bin. Ja, was bin ich denn nun?
Im Gegensatz dazu gefallen mir die hebräischen Redewendungen sehr gut, welche nämlich zum Ausdruck bringen, warum sich jemand vom Glauben abwendet, bzw. dazu bekehrt:

  לצאת בשאלה latset beshe‘ela – mit einer Frage ausziehen  (sich abwenden)   להזור בתשובה lachzor betshuva* – mit einer Antwort zurückkehren (sich bekehren)

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, nach dem Woher und dem Wohin, ist es natürlich, ja sogar notwendig, dass wir Fragen haben, dass wir Dinge in Frage stellen, wir müssen unter Umständen „ausziehen“ um Antworten zu finden. Das bedeutet nicht, dass wir abfallen, sondern dass wir uns auf den Weg machen. So gesehen können wir einander nur ermutigen dazu und darauf vertrauen, dass  jeder auf seiner Reise Antworten finden wird. Wie schön ist es dann, unterwegs anderen Wanderern zu begegnen, die auch Fragen haben (oder Antworten) und eine Meile oder zwei mit ihnen zu gehen?

Natürlich ist es nicht immer so, dass man alle Antworten bekommt und es werden sicher neue Fragen auftauchen. Manche Fragezeichen muss man auch stehen lassen können. Womöglich findet sich die Antwort erst auf dem Weg nach Hause. Und dann habe ich mir auch überlegt, wie es denn wäre, wenn das Leben selbst ein „Auszug mit Fragen“ ist und das Sterben nichts anderes, als die „Rückkehr nach Hause“? Sind wir nicht alle Pilger auf Erden?

Wer von Herzen sucht, der wird finden. Ich wünsche dir Mut auszuziehen, um hoffentlich mit Freuden (und mit Antworten) nach Hause zu kehren

liebe Grüsse Brig
https://brigwords.com/2018/02/11/ausziehen

* tshuva heisst auch Reue, demnach heisst „lachzor betshuva“ auch mit Reue zurückkehren, umkehren. Mir gefällt aber meine Auslegung im Hinblick auf das Ausziehen mit einer Frage fast noch besser.

 

 

 

 

Ausziehen

Ausziehen
mutig
sich wagen
zu fragen
Neuland
betreten
Wege zu gehn
neugierig sein
die Welt
und sich selber
entdecken
und schmecken
manchmal
auch irren
stolpern
und lernen
nach vorne
zu sehn
Das Leben
ist reisen
ist suchen und finden
hoffen und glauben
und überwinden
ist Weisheit
und Demut
und Liebe mehren
um schliesslich
am Ende
dankbar
und glücklich
nach Hause zu kehren

24876153 - path in the field and sunset. rural landscape

Bildquelle: https://de.123rf.com/

 

zu Fuss im Fluss

mit den Enkeln beim Steine suchen auf der Kiesinsel fand ich diesen Fuss…

fuss (Medium)

Ein Fussdruck aus Stein
fand ich gestern im Rhein
und hätte fast samt
den Buben das Land
nicht mehr erreicht ganz allein…
Ich nahm sie zur Hand
die Kleinen, sie liefen
das Wasser floss
plötzlich!
in Schuhe und Socken
wir waren nass
und ziemlich erschrocken
doch welch ein Glück
wir kamen zu Fuss
von der Insel im Fluss,
zurück auf das Land
und sahen grad noch
wie diese verschwand