Mohamed

Ich suech en Mönsch uf dere Erde

vor langer Zyt han ich in kennt

und plötzlich g’spüre ich im Herze

öppis wo ganz dringend brennt

 

vergiss mich nie, het er mir einisch

gschriibe us sim Heimetland

de Brief hani hüt wieder gfunde

und heb en zittrig i de Hand

 

er isch en Flüchtling gsi vo vilne

und gflüchtet ja, das bin au i

doch damals simmer alli zäme

mitenand diheime gsi

 

sither sind vill Johr vergange

wiit ewäg isch säbi Zyt

und vill Schöns isch bliibe hange

wo immer i mim Härze bliibt

 

und es chlopft, wenn i dra dänke

wenn ich sis Bild und sini Chind

wenn ich si alueg und mich froge

öb ich si ächt no einisch find?

 

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Mohamed Dimassi, heute 64 Jahre alt
und seine beiden Kinder
in Sidon, Lebanon

 

 

 

Höllenorte

 

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Die Wüste
hat durchaus den Charakter einer Hölle
genauso wie die Gletscher
der Dschungel
und das weite Meer
Seit Jahrtausenden
ziehen sie die Menschen
mit ihrer Schönheit und Macht
in ihren Bann
nur darauf wartend
sie in den Abgrund zu reissen
und zu verschlingen

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ich bin gewachsen

Noch einmal zurückgehen
an den Ort
wo mich die Angst packte
damals
alleine in der Wüste

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noch einmal
die Wand hoch klettern

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Schritt für Schritt nach oben

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noch einmal ankommen
und die Freude spüren
und die Kraft
ich bin gewachsen
über meine Angst hinaus

 

 

Wüste, wie bist du schön…

dort

Wie bist du schön
unendlich weit
Wunder der Erde
du kennst keine Zeit

die Stille spricht
das einzige Wort
es flutet mein Herz
und trägt mich fort

auf Flügeln hinauf
zu deinen Höhn
dort fühl ich die Freiheit
erhaben zu stehn

oh Seele, umarme
dein grosses Glück
begreife das Wunder
den Augenblick

und stehst du am Abgrund
bewahr deinen Gang
durch Wüstenpfade
den Gipfeln entlang

schau stets zum Himmel
du Menschenkind
es bleiben ewig
die glücklich sind

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Ohne

Ohne jene Augenblicke
wo Menschen sich begegnen
ohne es zu planen
ohne viele Worte
sich verstehen
und das Wunder ahnen
sich verbunden fühlen
ohne Zweifel
wenn sie spüren
es ist gross
ohne jene Augenblicke
wäre unser Leben
ohne Glück
ein traurig Los

 

Grossmuetersäge

Liebe Benia,

wieder bin i wiit wäg, wie vor vier Johr, wo du gebore bisch.
Aber i weiss no de Moment, won i di s’erscht mol i de Arme ghebt han und eusi Blick sich troffe hend…do hani gwüsst, dass mir eus gärn werdet ha und dass du en Mönsch mit emene guete Härz bisch

Benja (Medium)

 

Sig gsägnet liebe Benia
wo d’au immer gosch
din Name soll dich ehre
mit jedem Johr
wo d‘ meh verstosch

du Liebende, sig bhüetet
sig gführt ar guete Hand
vom ewig grosse Vater
du bisch sin Sohn
sis einzigartig Chind

sig muetig chline Maa
was i dir härzlich wünsche
bis stark und gang din Wäg
bliib immer du
en Fründ für alli Mönsche

Dita

Benia bedeutet Sohn Gottes. Er wurde nach einer der Hauptfiguren aus dem Roman „das rote Zelt der Frauen“ von Anita Diamant benannt. Die Geschichte handelt von Dina, die im alten Testament als Tochter von Jakob erwähnt wird und von ihrer Familie. Eine grossartige Erzählung über Leben, Liebe und Leidenschaft. Zum guten Ende taucht Benia auf, ein Wohltäter und Menschenfreund. Er wird Dinas zweiter Ehemann und liebt sie über alles, trotz ihrer schwierigen Vergangenheit.

 

 

Herbstgrüsse

 

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Herbstblatt

Wenn die Welt kälter wird
und die Natur ansetzt zum Winterschlaf,
langsam und behäbig

wie unsere Liebe sich entwickelte,
die ihre Zeit brauchte in der Stille
der gedeihlichen Entfaltung,

wenn dann ein rotes Blatt
vor mir sich drehend niederfällt
auf mein Shirt, auf meine Brust,

dann weiß ich, es ist ein Gruß,
ein lieber Gruß von dir
und ich nehme das Blatt

und behalte es für immer.

©PP

Gedicht mit freundlicher Genehmigung von Herzkoma ausgeliehen

Ewigkeit

Gottes Werk
und all sein Planen
vom Anfang bis zum Ende
wer hat es je begriffen
die Ewigkeit
wer kann sie schon erahnen

wer kann erfassen
wer verstehn
des Menschen Sinn
wohin wir gehn?
und doch
das Leben – es berührt
und die Sehnsucht
dass es ewig währe
hat Gott in unser Herz gelegt

frei nach Kohelet 3,11